Molecular Disease Mechanisms-Team, University of Luxembourg

University of Luxembourg

Forscher der Universität Luxemburg haben einen neuen Biomarker für Dickdarmkrebs gefunden, der die Therapie und die Überlebenschancen von Patienten verbessern könnte.

Forscher der Universität Luxemburg haben einen neuen Biomarker für Dickdarmkrebs gefunden, der die Therapie und die Überlebenschancen von Patienten verbessern könnte.

Biomarker sind messbare biologische Indikatoren für eine bestimmte Krankheit und zeigen z. B. Veränderungen bei der Anzahl bestimmter Proteine, die in Verbindung mit bestimmten Krankheiten auftreten. Solche Biomarker helfen Ärzten, ein Krankheitsbild zu diagnostizieren, das Krankheitsstadium zu identifizieren und das Risiko eines Patienten für ein Wiederauftreten der Krankheit zu ermitteln. Das erleichtert es dem Arzt, das am besten geeignete Therapiekonzept auszuwählen.

Bei Darmkrebs ist es besonders wichtig, die Krankheit frühzeitig zu erkennen und zu klassifizieren, da beispielsweise Chemotherapie nicht bei allen Patienten in späteren Stadien wirksam ist. Insbesondere die Identifizierung von Patienten mit einem Risiko für ein Wiederauftreten der Krankheit könnte für die Ärzte von großem Nutzen sein. Allerdings sind bisher nur wenige prognostische Marker für Darmkrebs bekannt, so dass zu viele Patienten immer noch unter den Nebenwirkungen der Chemotherapie leiden, ohne einen tatsächlichen Nutzen zu haben.

Patienten mit Hilfe von Biomarker in Risikogruppe aufteilen

Vor kurzem hat ein interdisziplinäres Team aus Experimental- und Computerwissenschaftlern der Universität Luxemburg einen neuen und vielversprechenden Biomarker für Darmkrebs entdeckt. Insbesondere in frühen Stadien der Krankheit (Stadium I und II) könnten solche Marker es ermöglichen, Patienten in Gruppen mit „hohem“ und „geringem“ Risiko einzuordnen. Eine solche Klassifizierung kann Onkologen helfen, die geeigneten Behandlungsverfahren für den jeweiligen Patienten auszuwählen. 

Das Forscherteam identifizierte die Proteinfamilie „Myosin“ und insbesondere das Protein „MYO5B“ als potentiellen prognostischen Marker für Darmkrebs. Mitglieder dieser Familie spielen eine wichtige Rolle bei der zellulären Transportsteuerung und der Polarisierung von Zellen. Ihre enge Verbindung mit verschiedenen Krebsarten wurde erst vor kurzem festgestellt. 

Den neuen Biomarker identizierten die Forscher mit Hilfe einer zuvor aufgestellten Metaanalyse öffentlich verfügbarer Genexpressionsdaten. 

Niedrige MYO5B Expressionslevels - schlechte Prognose

Die Metaanalyse sowie eine unabhängige Kohortenstudie mit Patienten zeigten, dass die Konzentration von „MYO5B“ mit fortschreitender Krankheit abnimmt. Wird bei einem Darmkrebspatienten ein niedriges „MYO5B“-Expressionslevel gemessen, hat er signifikant geringere Chancen auf ein krankheits- und metastasenfreies Überleben.
 
Die Bestimmung der MYO5B-Expressionslevels bei Patienten in frühen Stadien der Krankheit könnte in Zukunft der Einteilung von Patienten mit Stadium II für eine unterstützende Chemotherapie zugutekommen.
 
 
Luxemburgische Darmkrebssammlung eigens für Projekt eingerichtet
 
In diesem Projekt hat die Forschergruppe die Relevanz des Biomarkers in einer eigens dafür eingerichteten luxemburgischen Darmkrebssammlung ausgewertet.
Diese Sammlung enthält Gewebeproben von Patienten und ist für die Forschung allgemein von hohem Wert, da sie, wie im vorliegenden Projekt erwähnt, beispielsweise die Identifizierung neuer prognostischer Biomarker für Darmkrebs ermöglicht.
 
Interdisziplinäre Zusammenarbeit in Luxemburg
 
„Die Stärke dieser Studie liegt in der interdisziplinären Herangehensweise unter Einbeziehung der Bioinformatik und modernster experimenteller Techniken. Besonders die finanzielle Unterstützung durch die Fondation Cancer war ausschlaggebend für den erfolgreichen Abschluss unserer Biomarker-Projekte“, erläutert Dr. Elisabeth Letellier, Studienleiterin der Gruppe „Molekulare Krankheitsmechanismen“ (Molecular Disease Mechanisms, MDM) der Forschungseinheit für Biowissenschaften (Life Sciences Research Unit, LSRU) an der Universität Luxemburg.

„Gemeinsam mit unseren Partnern waren wir in der Lage, hier in Luxemburg eine hochwertige Gewebesammlung von Darmkrebspatienten anzulegen. Nur die enge Zusammenarbeit mit der Integrated Biobank of Luxembourg (IBBL), dem Laboratoire National de Santé (LNS), dem Centre d’Investigation et d’Épidémiologie Clinique (CIEC) und lokalen Krankenhäusern, vor allem dem Centre Hospitalier Emile Mayrisch (CHEM), hat es uns ermöglicht, diese wichtigen Grundlagen für weitere Darmkrebs-Projekte zu legen“, erläutert Prof. Dr. Serge Haan, Leiter der MDM-Gruppe.

Neben der Fondation Cancer wurde die Studie ebenfalls vom Fonds National de la Recherche (FNR) unterstützt.

Autor: Universität Luxemburg
Editor: Michèle Weber (FNR)
Foto: Das Forscherteam der Universität Luxemburg © University of Luxembourg

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