(C) CRP Gabriel Lippmann

Ein Mittsommermorgen in Dasbourg an der Our: Die zwölf Mann am Flussufer bereiten sich auf eine Angelpartie der ungewöhnlichen Art vor. Köder gibt es keine, auch die Ruten hat man zu Hause gelassen – denn hier wird mit Strom gefischt.

Das Prinzip ist einfach: Kurze Stromstöße fließen unter Wasser von einem speziellen Kescher (Pluspol) zu einem Metallband (Minuspol); die Fische reagieren auf den elektrischen Reiz indem sie Richtung Kescher schwimmen, wo sie dann mit Hilfe von Netzen eingefangen werden.

Klingt gefährlich, ist jedoch, bei fachmännischer Ausführung, eine sehr sanfte Art des Fischfangs und ohne bleibende Schäden für die Tiere. Spätestens nach einigen Sekunden sind die Fische wieder fit.

Elektrofischen darf nicht jeder!

Trotzdem unterliegt die Methode strengen Regelungen; bei der Gruppe am Ufer handelte es sich nicht um Sportangler, sondern um Mitarbeiter des Wasserwirtschaftsamts und des LIST (Luxembourg Institute of Science and Technology), die unsere Gewässerqualität 2009 studierten – mit Hilfe von Fischen.

Manche Fischarten verschwinden bereits bei der geringsten Verschmutzung; andere überleben auch in extrem dreckigem Wasser. Die Bedürfnisse der verschiedenen Arten sind bekannt; die Forscher können so anhand der in einem Fluss gefischten Artenzusammensetzung den ungefähren Zustand des Gewässers ermitteln.

Solche Zeigerarten, wie eben die Fische, aber ebenso Algen und andere Kleinstlebewesen, helfen also dabei, den Zustand unserer Gewässer zu überwachen – und das ist für jedes EU-Land laut Wasserrahmenrichtlinie Pflicht.

Zeigerarten und Biomarker

Manchmal reagiert der Gesamtfischbestand aber erst über einen längeren Zeitraum auf ein Umweltproblem. Das Luxemburger Team suchte daher ein System, das Probleme früher erkennbar macht und testete dazu mögliche Biomarker (siehe Infobox) in den Fischen selbst – mit Erfolg.

Anhand der Biomarker-Methode konnte man bei, laut Fisch-Index, guten Standorten Probleme nachweisen, welche durch Auswertung der Artenzusammensetzung allein (noch) nicht erkennbar waren.

Autor: Liza Glesener

Foto: ©CRP Gabriel Lippmann

Infobox

Biomarker als Frühwarnsystem

 

Ehe der gesamte Fischbestand reagiert, können uns Proteine und Organe schon eine Menge verraten. Ein gutes Beispiel findet sich in der Menschenwelt: Alkoholiker erkennt man am Äußeren nicht unbedingt gleich. Schaut man jedoch tiefer, findet man oft eine ungewöhnlich große Leber. Solche ausgewählten „Checkpunkte“ nennt man Biomarker.

 

Wie der Gründling sich zu Vergleichsstudien eignet

 

Zusätzlich zu den Bestandsaufnahmen der Fische wurden vertiefte Studien am Gründling vorgenommen. Dieser Fisch ist in Gewässern aller Qualitäts-Stufen zu finden und eignet sich also sehr gut zu Vergleichen. Die Forscher untersuchten u.A. Keimdrüsen, Blut und Leber.

Einerseits fand man Leberstoffe, welche auf das Vorhandensein von Giftstoffen im Wasser hindeuten, andererseits gab es ungewöhnliche Werte in den Keimdrüsen.  Die Biomarker-Methode ermöglichte es, den Impakt von Giftstoffen früher  im Gewässer zu entdecken und kann deshalb als Frühwarnsystem genutzt werden.

 

 

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