Die Bestände von Vögeln und Schmetterlingen dürften bis 2050 weiter zurückgehen

Luxembourg Institute of Science and Technology (LIST)

Biodiversität / Landwirtschaft / Klimawandel

Können Naturschutzmaßnahmen den Rückgang der biologischen Vielfalt in Europa aufhalten? Bei häufig vorkommenden Vogel- und Schmetterlingsarten reichen die geplanten Maßnahmen offenbar nicht aus, um den Trend bis 2050 umzukehren. Das legt eine aktuelle Studie nahe, an der auch das LIST beteiligt war.

Die Intensivierung der Landwirtschaft, die Veränderung von Landschaften und der Klimawandel setzen die biologische Vielfalt stark unter Druck. Für ihrer Studie analysierten die Forschenden Daten zur Entwicklung von 265 Vogel- und 144 Schmetterlingsarten. Die Daten stammen aus 26 europäischen Ländern und wurden zwischen 2000 und 2021 erhoben. Anschließend modellierten sie die Entwicklung der Bestände anhand verschiedener Szenarien. Dabei berücksichtigten sie den Klimawandel, die Landnutzung und Naturschutzmaßnahmen. Das Ergebnis: Keines der untersuchten Szenarien kann den Rückgang der Bestände vollständig stoppen.

Die Forschenden halten daher einen grundlegenden und langfristigen Wandel der landwirtschaftlichen Praktiken und der Landnutzung für notwendig, um den Artenrückgang aufzuhalten.

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Europa will Krebsregister stärken, um die Krebsbekämpfung zu verbessern

Luxembourg Institute of Health (LIH)

Krebsforschung / Daten / Europa

Zwei Veröffentlichungen unter Beteiligung von Forschenden des LIH unterstreichen, wie wichtig es ist, die Krebsregister in Europa auszubauen. Diese Register erfassen Krebsfälle. Sie ermöglichen unter anderem, die Zahl der Neuerkrankungen, die Verbreitung der Krankheit und die Überlebensraten zu verfolgen.

Beide Artikel zeigen mehrere Probleme auf: Die geografische Abdeckung ist lückenhaft, Daten stehen oft erst mit Verzögerung zur Verfügung, Ressourcen sind begrenzt und der Digitalisierungsgrad unterscheidet sich stark. Dabei sind diese Informationen entscheidend, um die Versorgung zu verbessern. Die Autoren fordern daher eine langfristige Finanzierung sowie eine bessere Datenqualität und -verfügbarkeit. Außerdem stellen sie CancerWatch vor: diese europäische Initiative vereint 92 Organisationen aus 29 Ländern und soll die Krebsregister mithilfe digitaler Werkzeuge und KI modernisieren.

Ziel ist es, aus zuverlässigen und vergleichbaren Daten Erkenntnisse für die Forschung und die Gesundheitspolitik zu gewinnen – in Luxemburg und in ganz Europa.

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Ein Gen könnte zu einem gesunden Altern beitragen

Luxembourg Centre for Systems Biomedicine (LCSB)

Altern / Genetik / Gesundheit

Wie können wir länger gesund leben? Forschende des LCSB, der Harvard Medical School und weiterer internationaler Einrichtungen haben einen vielversprechenden Ansatz entdeckt: das Gen SRSF1. 

In ihrer Studie suchten sie nach Genen, die bestimmte molekulare Alterungsmerkmale umkehren können. Dafür entwickelten sie ein Verfahren, das anhand der Genaktivität das biologische Alter von Zellen abschätzt. So konnten sie verschiedene Gene als mögliche Kandidaten testen. SRSF1 stach dabei hervor: Wurde seine Aktivität in gealterten menschlichen Zellen erhöht, veränderten sich deren biologische Eigenschaften. Sie ähnelten anschließend stärker denen jüngerer Zellen. Auch Versuche mit Würmern und Mäusen zeigten vielversprechende Ergebnisse. Bei älteren Mäusen verlangsamte eine erhöhte SRSF1-Aktivität das Fortschreiten der Gebrechlichkeit um 44 Prozent. Zudem verlängerte sich die mittlere Lebenserwartung um 14 Prozent.

Für eine Anwendung beim Menschen sind die Ergebnisse jedoch nicht bereit. Weitere Forschung ist nötig, um das Potenzial dieses Ansatzes zu untersuchen.

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Ältere Menschen machen 52 Prozent der Krebsneuerkrankungen aus, erhalten aber nur 0,3 Prozent der Forschungsgelder

Luxembourg Institute of Health (LIH)

Altern / Krebsforschung / Forschungsmethodik

Wissenschaftler des LIH fordern, ältere Menschen systematisch in Krebsstudien einzubeziehen. Im Jahr 2024 entfielen weltweit rund 52 Prozent der Krebsneudiagnosen auf Menschen ab 65 Jahren. Zwischen 2016 und 2020 waren jedoch nur 0,3 Prozent der weltweiten Forschungsgelder für Krebs gezielt dieser Altersgruppe gewidmet.

Ein Grund für diese Unterrepräsentation sind Altersgrenzen bei klinischen Studien. Hinzu kommen Teilnahmebedingungen, die bestimmte altersbedingte Erkrankungen ausschließen, sowie praktische Hürden bei der Teilnahme. Dadurch fehlen Daten nicht nur zu Behandlungen, sondern auch zu Früherkennung, Prävention, Überlebenschancen und Palliativversorgung. Die Autoren empfehlen, die Teilnahmekriterien zu erweitern und Alter sowie Gesundheitszustand der Studienteilnehmenden genauer zu erfassen.

Außerdem sollten Behandlungsergebnisse stärker berücksichtigt werden, die für ältere Menschen im Alltag wichtig sind. Dazu zählen der Erhalt der Selbstständigkeit, der körperlichen Leistungsfähigkeit und der kognitiven Fähigkeiten.

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Die Fahrzeit nach Luxemburg-Stadt ist ein wichtiger Faktor bei der Analyse von Immobilienpreisen

STATEC

Immobilien / Wohnen / Mobilität

Hängt der Preis einer Wohnung stärker von der Entfernung zum Stadtzentrum ab oder davon, wie lange man dorthin unterwegs ist? STATEC vergleicht beide Faktoren, um die Berechnung des luxemburgischen Immobilienpreisindex zu verbessern. Das Ergebnis: Die Fahrzeit bildet die Erreichbarkeit einer Wohnung etwas genauer ab als die geografische Entfernung.

Zwei Orte können ähnlich weit von Luxemburg-Stadt entfernt sein und dennoch sehr unterschiedliche Fahrzeiten aufweisen. Ausschlaggebend sind unter anderem die Verkehrsinfrastruktur und das Verkehrsaufkommen. Ein Beispiel: Von Mersch, 15 Kilometer vom Zentrum entfernt, dauert die Fahrt durchschnittlich 29,8 Minuten. Von Esch-Belval sind es bei vergleichbarer Entfernung 39,1 Minuten. Die Forschenden verglichen zwei statistische Modelle: Beide berücksichtigen Merkmale der Wohnungen wie Wohnfläche, Alter und das Vorhandensein einer Garage. Das eine Modell bezieht die Entfernung zum Zentrum ein, das andere die Fahrzeit mit dem Auto. Das Modell mit der Fahrzeit schnitt etwas besser ab.

Diese Methode wurde 2026 in die Berechnung des Wohnungspreisindex aufgenommen. Künftig sollen auch die Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln und der Zugang zu Dienstleistungen berücksichtigt werden.

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Frauen spielten nach 1945 eine wichtige Rolle bei der internationalen Öffnung Luxemburgs

Universität Luxemburg (C²DH)

Geschichte / Frauen / Wiederaufbau

Wie lässt sich die Geschichte der europäischen Einigung besser verstehen, wenn man sie aus der Perspektive von Frauen betrachtet? Das C²DH hat hierzu das frei zugängliche Buch Women’s Narratives and European Integration History veröffentlicht. Es beleuchtet die Rolle von Frauen in der europäischen Geschichte. Die Forschenden zeigen, dass ihre Beiträge in den traditionellen Darstellungen der europäischen Geschichte häufig zu wenig Beachtung finden.

Im Mittelpunkt dieser Erzählungen stehen meist die sogenannten „Gründerväter“. Neue Quellen machen dagegen die bedeutenden Beiträge von Frauen sichtbar – etwa in europäischen Institutionen, in feministischen Bewegungen und im Einsatz für die Rechte von Frauen. Das Buch stützt sich auf Archivmaterial, Biografien und Zeitzeugenberichte. Mehrere Kapitel zeichnen die Lebenswege von Frauen nach, die sich politisch und diplomatisch in Luxemburg und Europa engagierten.

Die Arbeit zeigt, wie eine geschlechtergeschichtliche Perspektive unsere historischen Erzählungen erweitern kann.

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Forschende zeigen, wie Zellen die inneren Hohlräume von Organen aufbauen

Luxembourg Institute of Health (LIH)

Zellbiologie / Organentwicklung / Proteomik

Wie bauen Zellen die winzigen Röhren und Hohlräume, die für die Funktion unserer Organe unverzichtbar sind? Eine internationale Studie unter Beteiligung des LIH zeigt: Die Zellen transportieren bereits vormontierte molekulare Bausteine zu ihrem Bestimmungsort. Langfristig könnten die Ergebnisse helfen, Prozesse zu verstehen, die am Abbau von Organen beteiligt sind.

Diese Hohlräume, auch „Lumina“ genannt, finden sich unter anderem in den Nieren, im Darm und in den Blutgefäßen. Sie ermöglichen den Transport von Flüssigkeiten, Nährstoffen und Sauerstoff. Die Forschenden zeigen, dass Zellen diese inneren Oberflächen nicht direkt an ihrem endgültigen Standort aufbauen. Stattdessen setzen sie strukturelle Bausteine zunächst in spezialisierten Zellkompartimenten zusammen. Anschließend transportieren sie diese an den Ort, an dem der Hohlraum entstehen soll. Gesteuert wird der Prozess durch eine präzise regulierte molekulare Maschinerie aus bestimmten Proteinen.

Diese Ergebnisse tragen dazu bei, besser zu verstehen, wie Zellen Gewebe organisieren.

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Ein Buch erzählt die Geschichte Luxemburgs unter der NS-Besatzung anhand von 62 Berichten

Luxemburgisches Zentrum für Zeitgeschichte und digitale Geschichte (C²DH)

Zweiter Weltkrieg / Besatzung / Geschichte

Wie lässt sich die Erinnerung an die NS-Besatzung weitergeben, gerade jetzt, da Krieg wieder stärker in den Mittelpunkt der europäischen Aufmerksamkeit rückt? Das Buch World War II. Luxemb(o)urg beleuchtet die Geschichte Luxemburgs während des Zweiten Weltkriegs. Es verbindet wissenschaftliche Forschung, Archivmaterial und Kulturvermittlung.

Das Buch geht auf eine digitale Ausstellung zurück, die das C²DH im Dezember 2024 gestartet hat. Es stützt sich auf die Arbeit von mehr als 30 Fachleuten. Fotos, schriftliche Dokumente, Karten und audiovisuelle Zeitzeugenberichte vermitteln sowohl die großen historischen Zusammenhänge als auch individuelle Erfahrungen. Über QR-Codes erhalten Leserinnen und Leser zudem Zugang zu ergänzenden Materialien der Online-Ausstellung.

Das Projekt will nicht nur historische Fakten vermitteln. Es unterstreicht auch, wie wichtig ein kritischer Umgang mit der Erinnerung an die Vergangenheit ist.

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Forschende nehmen die DNA-Reparatur von Tumorzellen ins Visier, um Glioblastome besser zu bekämpfen

Luxembourg Institute of Health (LIH)

Glioblastom / DNA / Krebsforschung

Das Glioblastom gehört zu den aggressivsten Hirntumoren bei Erwachsenen. Trotz Operation, Strahlen- und Chemotherapie tritt es häufig erneut auf. In einer neuen Studie untersuchen Forschende des LIH mögliche Ansätze, um diese Krebszellen gezielt zu schwächen.

Im Mittelpunkt steht der sogenannte Replikationsstress. Er entsteht, wenn Zellen ihre DNA unter schwierigen Bedingungen kopieren müssen (etwa während einer Chemotherapie). Um zu überleben, greifen Tumorzellen auf Mechanismen zur DNA-Reparatur zurück. Diese helfen ihnen, durch die Behandlung verursachte Schäden zu beheben. Die Forschenden schlagen vor, diese Reparatursysteme mit speziellen Medikamenten zu blockieren. In Kombination mit einer herkömmlichen Chemotherapie könnte dies verhindern, dass Krebszellen ihr Erbgut reparieren. Die Behandlung könnte dadurch wirksamer werden.

Ein weiterer Ansatz betrifft das Immunsystem: Anhaltende DNA-Schäden könnten Warnsignale auslösen, die dem Körper helfen, den Tumor zu erkennen. Eine Kombination dieser Strategien mit einer Immuntherapie könnte die Abwehr gegen den Krebs zusätzlich stärken.

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Ein Protein spielt eine Schlüsselrolle bei der Erneuerung von Muskelstammzellen

Universität Luxemburg (FSTM)

Stammzellen / Proteine / Krebsforschung

Ein internationales Forschungsteam, an dem auch Wissenschaftler der Universität Luxemburg beteiligt waren, hat eine wichtige Funktion des Proteins K-Ras4B bei der Erneuerung von Muskelstammzellen entdeckt. Stammzellen können sowohl spezialisierte Zellen hervorbringen als auch sich selbst erneuern, indem sie identische Kopien von sich bilden. Die Studie zeigt, dass K-Ras4B dazu beiträgt, diese Erneuerungsfähigkeit der Muskelstammzellen zu erhalten.

Dabei wirkt K-Ras4B unter anderem auf das sogenannte primäre Zilium ein. Diese winzige Struktur an der Zelloberfläche funktioniert wie eine Antenne. Veränderten die Forschenden die Menge oder Aktivität des Proteins, beobachteten sie Störungen bei der Entwicklung von Muskelzellen. Bei Zebrafischembryonen beeinträchtigte eine Veränderung von K-Ras zudem die normale Entwicklung des Herzens.

Die Ergebnisse helfen zu verstehen, wie Zellen entscheiden, ob sie Stammzellen bleiben oder sich zu spezialisierten Zellen entwickeln. Sie könnten auch neue Einblicke in Mechanismen liefern, die an Entwicklungsstörungen und Krebs beteiligt sind.

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Autorin: Diane Bertel

Redaktion: Lucie Zeches (FNR)

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