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Der Börsengang von Facebook im Sommer 2012 wurde nicht nur von den Nutzern des sozialen Netzwerkes mit Ungeduld erwartet. Der Erfolg war quasi vorprogrammiert. Doch heraus kam ein Flop. Der war absehbar, wie Jos van Bommel von der Luxembourg School of Finance (LSF) an der Universität Luxemburg meint.

Hinterher war alles vorhersehbar: Ein Geschäftsmodell wie das von Facebook, das allein auf Werbeschaltung aufbaue (siehe Infobox), habe mit Blick auf den Börsenwert nun einmal seine Grenzen, so zahlreiche Beobachter nach dem Börsengang. Die dies sagten, waren dieselben, die noch kurz vorher vom Ereignis des Börsenjahres 2012 sprachen – und Facebook-Gründer Mark Zuckerberg zum Guru ernannten. Aber auch den verdammten sie nun – Gurus haben ein kurzes Leben.

Unklare Position Mark Zuckerbergs

Richtig ist, dass Mark Zuckerberg seinen Anteil am desaströsen Börsengang des Unternehmens hat. Die Risiken, die mit seiner Rolle verbunden sind, waren jedoch bereits vorher bekannt – sofern man sie sehen wollte. Vor allem die Tatsache, dass Zuckerberg nur 30 Prozent der Anteile hält, aber 57 Prozent der Stimmrechte besitzt, ist zumindest bedenklich. Dieses Ungleichgewicht zwischen finanzieller Beteiligung und Mitsprache bedeutet, dass Zuckerberg faktisch Entscheidungen für die Mehrheit der Aktionäre treffen kann.

Tatsächliche Werbewirkung umstritten

Auch das hat dazu geführt, dass der Aktienkurs binnen zwei Wochen um über 25 Prozent gefallen ist - von 38 Dollar am Ausgabetag auf 28 Dollar. Jedoch haben noch eine Reihe weiterer Faktoren zu dem Fiasko beigetragen, vor allem besagtes Geschäftsmodell. Zweifelsohne bietet Facebook theoretisch die Möglichkeit, eine zielgruppenorientierte, mitunter sogar personalisierte Werbung zu schalten. Jedoch steht die Frage im Raum, wie effizient diese Werbung in der Praxis tatsächlich wirkt. Auch dieser Zweifel war bekannt, wurde aber im Vorfeld des Börsengangs beiseite geschoben.

Grenzen des Unternehmens wurden übersehen

Unter dem Strich ist rund um den Facebook-Börsengang ein Hype entstanden, der durch die bisherigen Wachstumsraten des sozialen Netzwerks genährt wurde und rationale Bedenken ausblendete. Dabei sind nicht zuletzt die ganz natürlichen Grenzen des künftigen Wachstums von Unternehmen und Produkt ignoriert worden. Ganz konkret: Auf der Erde leben nur sieben Milliarden Menschen, von denen bereits drei Milliarden Facebook nutzen.

Abstoß von Aktien führt zu Kurssturz

Nicht wenige dieser Nutzer folgen dabei einem Herdenverhalten, das sich vom sozialen Netzwerk selbst auf den Finanzmarkt übertragen hat. Im Resultat war die Nachfrage nach Aktien deutlich höher als das ursprünglich geplante Angebot, weshalb Facebook kurz vor Börsengang entschieden hat, mehr Aktien anzubieten. Viele Anleger, die „auf Verdacht“ Papiere bestellt hatten, haben deshalb plötzlich mehr Anteile als tatsächlich erwartet gehalten - und diese dann abgestoßen. Das Resultat: Ein Kurssturz und besagter Flop.

Autor: Sven Hauser

Foto: ©LSF

Infobox

Das Geschäftsmodell von Facebook

Facebook ist zwar mit Sicherheit das soziale Netzwerk schlechthin, seinen Gewinn erzielt das Unternehmen jedoch ausschließlich aus Werbeeinnahmen. Anders gesagt: Wirtschaftlich betrachtet ist Facebook nichts anderes als ein Online-Medium. Exakt dieses Missverhältnis zwischen Wahrnehmung und wirtschaftlicher Realität ist einer der Hauptgründe für den Börsen-Flop. Anders gesagt: Rund um den Börsengang wich der Facebook-Hype einer nüchternen Betrachtung – mit dem bekannten Resultat. 

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