(C) Shutterstock & Andy Genen

Seit Tagen regnet es in Strömen! Lizzie schaut seufzend aus dem Fenster. Sie möchte rausgehen, sich bewegen, draußen rumlaufen – und zwar ohne nass zu werden. Auch Nouga ist genervt. „Irgendwann müssen die Wolken doch mal leer sein.“ Er schlägt vor, Laurent Pfister am Forschungszentrum CRP-Gabriel Lippmann zu besuchen. Der soll zu Regen forschen.

Laurent Pfister: Keine Sorge. Es wird sicher bald wieder die Sonne scheinen. Obwohl Regen sehr faszinierend ist. Er ist Teil des Wasserkreislaufs und für das Leben auf der Erde sehr wichtig.

Lizzie und Nouga schauen ihn fragend an. Von einem Wasserkreislauf haben sie noch nie gehört. Das klingt ziemlich kompliziert, finden sie.

Laurent: Seen, Flüsse, Meere und das Eis der Gletscher und Pole – ein großer Teil der Erde ist von Wasser bedeckt. Meistens ist es flüssig oder fest zu Eis erstarrt. Aber es gibt in der Luft auch gasförmiges Wasser. Das Faszinierende dabei ist: Das Wasser ist ständig in Bewegung, Der Wind treibt es voran, in Flüssen strömt es in Seen und Meere. Und sogar das Wasser, das unterirdisch vorkommt, sprudelt irgendwann aus einer Quelle heraus und speist einen Fluss.

Nouga: Dann müssten die Meere ja irgendwann mal überlaufen.

Laurent Pfister: Das könnte man meinen, ja, aber zum Glück gibt es die Sonne. Die erwärmt das Wasser auf der Erde. Das verdunstet, wird also zu gasförmigem Wasserdampf. Von den Gewässern, aber auch vom Boden aus steigt der Wasserdampf dann in die Atmosphäre.

Lizzie: … und fällt als Regen wieder auf die Erde herunter!

Laurent Pfister: Genau. Schon wenige Kilometer über der Erdoberfläche wird es nämlich ziemlich kalt. Kalte Luft kann Wasser nicht gut halten und so geraten die Wasserteilchen ins Trudeln. Zum Glück schweben dort oben auch Staubteilchen. An die lagern sie sich an und kondensieren. Das heißt: Das gasförmige Wasser wird flüssig. Viele dieser winzigen Wassertropfen verbinden sich schließlich zu größeren Tropfen und fallen als Regen auf die Erde.

Nouga: Und der Regen sickert in den Boden und versorgt die Quellen mit frischem Wasser.

Lizzie: Jetzt verstehe ich, was sie mit Wasserkreislauf meinen: Die Sonne lässt das flüssige Wasser in Gewässern, Pfützen und im Boden verdunsten. Es wird zu Gas und steigt als Wasserdampf in den Himmel.

Nouga ergänzt: Und weil es dort kälter ist, wird es wieder flüssig. Die Tropfen stoßen zusammen und bilden dickere Tropfen. Die sind dann irgendwann so schwer, dass sie als Regen auf die Erde fallen.

Laurent Pfister: Ganz genau. Das ist vereinfacht der Wasserkreislauf, von dem ich vorhin gesprochen habe. Und die Sonne könnte man als den Motor dieses Kreislaufs bezeichnen, denn ihre Wärme bewirkt, dass das Wasser mal flüssig und mal gasförmig ist.

Lizzie: Und was ist mit dem Eis am Nordpol?

Laurent Pfister: Du hast recht, Lizzie, auch das ist Teil des Kreislaufs. Eis ist der feste Zustand von Wasser. Die Sonne lässt es schmilzen, sodass es zum Beispiel in die Meere und Flüsse fließt.

Autor: Corinne Kroemmer, überarbeitet scienceRELATIONS
Illustrationen: Andy Genen

Foto: Shutterstock -  Jaromir Chalabala

Infobox

Der Blaue Planet

Die Erde trägt auch den Namen „Blauer Planet“. Vom Weltall aus ist Blau die vorherrschende Farbe auf der Erde, denn mehr zwei Drittel der Erdoberfläche sind mit Gewässern und Ozeanen bedeckt. Die Erde ist übrigens der einzige bekannte Planet, auf dem Wasser in flüssiger Form vorkommt. Aber Wissenschaftler glauben, dass es auch auf anderen, fernen Planeten Wasser geben könnte, z. B. auf dem Mars.

 

Hydrologie

Die Hydrologie ist eine Wissenschaft, die den Kreislauf des Wassers untersucht. Hydrologen haben das Wasser in, auf und über der Erdoberfläche im Blick, untersuchen die festen, flüssigen und gasförmigen Zustände, wissen wann Wasser wo vorkommt und erforschen, welchen Einfluss Lebewesen auf den Kreislauf haben. Besonders gravierend sind die Einflüsse des Menschen. Er lenkt Wasser um, verschmutzt es und stört den natürlichen Wasserkreislauf. Hydrologen untersuchen, welche Auswirkungen das auf unser Leben hat und können deshalb zum Beispiel vor Hochwasser oder Trockenheit warnen und wissen, wie das Wasser so genutzt werden kann, dass die Natur nicht aus dem Gleichgewicht gebracht wird.

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