(C) Goodyear

Marc Engel ist Ingenieur im Goodyear Innovation Center.

Alles ist heute „intelligent“ – selbst Autoreifen: Marc Engel, Ingenieur im Goodyear Innovation Center, erklärt, wie Sensoren Reifen sicherer machen.

Herr Engel, die Fragen, die wir uns rund ums Auto stellen, lauten in der Regel: Coupé oder SUV, rot oder blau? Oder: wie schnell fährt der Wagen? Warum sollten wir uns auch Fragen zu den Reifen stellen?

Weil der Reifen wichtiger ist als die Farbe. Er stellt die Verbindung zwischen Fahrzeug und Straße dar und hat damit allergrößte Bedeutung für die Sicherheit des Wagens. Anders gesagt: Ein Reifen, der in Schuss ist, macht das Auto sicherer.

Und wie merkt man, ob der Reifen in Schuss ist?

Da gibt es ganz neue Möglichkeiten – wie den intelligenten Reifen: Wir haben einen Sensor entwickelt und testen diesen gerade intensiv. Unserer Meinung nach könnte er dazu beitragen, die Sicherheit auf unseren Straßen weiter zu steigern.

Und wie genau funktioniert das?

Es handelt sich bei dem Sensor um einen Mikrochip, der im Reifen angebracht ist und z.B. Informationen über Reifendruck und -temperatur an das Computersystem des Fahrzeugs sendet. Wenn z.B. der Reifendruck zu niedrig ist, wird der Fahrer über den Bordcomputer gewarnt. Aber auch, wenn kein Notfall vorliegt, gibt der Sensor Informationen weiter: Die helfen dann zum Beispiel, den Bremsweg an die aktuelle Reifentemperatur anzupassen.

Es geht also bei alledem vor allem um Sicherheit?

In erster Linie ja. Das liegt ja auch auf der Hand. Denn wenn wir uns anschauen, wie viele Fahrzeuge täglich auf unseren Straßen unterwegs sind, dann ist Sicherheit natürlich ein wichtiges Thema. Und das nicht nur bei Autos, sondern auch bei LKW’s und erst recht bei Bussen, für die wir auch Reifen herstellen. In einem Bus sitzen vielleicht 80 Menschen, deren Sicherheit mit einem guten Reifen steigt. Aber auch die Umwelt ist ein Thema bei uns. Ein intakter Reifen senkt auch den Spritverbrauch eines Fahrzeugs und hat zudem eine längere Lebensdauer.

Klingt nach einem spannenden Job. Wo werden denn die neuen Reifen entwickelt?

In den USA und eben in Colmar-Berg. Wir sind hier in einem von zwei Goodyear Innovation Centern weltweit, in dem rund 900 Mitarbeiter neue Produkte entwickeln.

Welche Berufe sind hier vertreten? Und wie sieht die tägliche Arbeit aus?

Die Arbeit ist so vielseitig wie die Berufe. Ehe ein Reifen in Serie geht, müssen zum Beispiel zunächst einmal Materialien entwickelt, verbessert, zusammen geführt und getestet werden. Getestet heißt: zunächst im Labor, und später dann – wenn der neue Reifen fahrtüchtig ist – auf unserer eigenen Teststrecke hier in Colmar-Berg. An solchen neuen Produkten arbeiten viele Experten mit: Chemiker, Informatiker, Techniker, um nur einige zu nennen. Ich selbst bin z.B. Ingenieur in Elektrotechnik (siehe hierzu Infobox).

Und wie kommt ein Elektrotechnik-Ingenieur zu Autoreifen?

Das liegt eng beieinander. Der intelligente Reifen beispielsweise baut ja auf einem Sensor und damit auf Elektrotechnik auf.

Sie sind nicht nur Ingenieur, sondern auch Luxemburger. Fühlen Sie sich als Exot?

Als Exot nicht, aber es stimmt: Die Kombination ist eher ungewöhnlich, zumal in der Privatwirtschaft. Es kam mir aber auch nie in den Sinn, etwas anderes zu machen. Bei mir war schon als Jugendlicher eine Begeisterung für Naturwissenschaften und Technik da, und seine Begeisterung sollte man ausleben. Ich hoffe und glaube, dass künftig mehr junge Leute diesen Weg gehen und etwas ausprobieren, das sich stets entwickelt – anstatt nur auf Sicherheit zu setzen. Außerdem werden Luxemburger Ingenieure, die Fachkompetenz mit Sprachkenntnissen verbinden, nicht nur bei Goodyear händeringend gesucht.

Ihnen scheint ihr Beruf wirklich Spaß zu machen ......

Absolut, und das ist es was zählt. Die Vielseitigkeit des Jobs sorgt dafür, dass keine Langeweile aufkommt. Kein Tag ist wie der andere, und diese Abwechslung macht Spaß.

Autor: Sven Hauser

Foto © Goodyear

Infobox

Marc Engel: Ingenieur aus Leidenschaft

Schon während des Studiums in Karlsruhe kam in Marc Engel die Idee auf, seine beiden Leidenschaften – Elektrotechnik und Autos – miteinander zu verbinden. Auch deshalb konzentrierte er sich auf das Thema Sensorik und arbeitete dann nach Erlangung seines Diploms bei einem Hersteller von Fahrzeugsensoren. Seit 13 Jahren arbeitet der 39jährige bei Goodyear – wo auch andere Talente jenseits des Ingenieurswissens gefragt sind, so Marc Engel: „Wir entwickeln nicht nur Produkte, sondern auch Geschäftsmodelle. Da wird dann aus dem Ingenieur ein Marketing-Experte.“

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