(C) Uwe Hentschel

Seit in Luxemburg die Geschwindigkeitsmessgeräte im Einsatz sind, wird rund um die Uhr geblitzt -  mit Hilfe der auf Laser basierenden Lidar-Technologie.

Auf den ersten Blick wirken die grau-schwarz gestreiften Säulen recht harmlos. Doch im Inneren des Aluminiumzylinders steckt viel Technik, die den Rasern das Leben schwer macht. „Der Apparat folgt dem Wagen“, erklärt Georges Goebel von der Straßenbauverwaltung. „Und der Erfassungsbereich beginnt bei 70 Metern Abstand“, fügt er hinzu.

Sobald der Verkehrsteilnehmer mit seinem Fahrzeug diesen Abstandswert unterschreitet, wird seine Geschwindigkeit durchgängig gemessen. Und nicht nur seine, sondern auch die der anderen Fahrzeuge, die sich im Messbereich bewegen. Der Geschwindigkeitsmesser ist nämlich in der Lage, mehrere Fahrzeuge auf bis zu drei Spuren gleichzeitig zu erfassen. Zudem kann er zwischen PKW und LKW unterscheiden.

Ein dreidimensionales Bewegungsprofil

Die Geräte arbeiten mit Lidar. Lidar steht für „Light Detection and Ranging“ und ist eine auf Lasertechnologie basierende Messtechnik. Dabei werden 158 unsichtbare Laserstrahlen 100 Mal pro Sekunde ausgestrahlt. Aneinander gereiht ergibt sich daraus ein fächerartiger Laserlichtkegel, mit dem die Straße erfasst wird – im Prinzip ähnlich wie beim Lichtkegel einer Taschenlampe.

Die Anlage misst die Laufzeit der einzelnen Lichtimpulse, die von den vorbei fahrenden Fahrzeugen reflektiert und wieder empfangen werden, und erkennt so die Entfernung der Fahrzeuge. Dadurch, dass jeder Punkt der Fahrzeugkarosserie bis zu 100 Mal erfasst wird, entsteht ein dreidimensionales Bewegungsprofil, mit dessen Hilfe wiederum die Geschwindigkeit gemessen werden kann.

Blitzen  im Sekundentakt

In der Säule gibt es vier drehbare Elemente (dunkle Ringe). Hinter den Scheiben der beiden unteren Ringe verstecken sich die Messgeräte und hinter den beiden oberen die Blitzeinheiten. Und da sich deren Kondensatoren innerhalb kürzester Zeit wieder aufladen, ist der Blitz nach dem Auslösen in weniger als einer Sekunde erneut einsatzbereit.

„Das Gerät sucht sich dann während der jeweiligen Messung den bestmöglichen Fotozeitpunkt aus“, sagt Goebel. „Und wenn sich auf dem Foto mehrere Fahrzeuge befinden, ist das kein Problem, weil das entsprechende Fahrzeug eingerahmt wird“, fügt der Mitarbeiter der Straßenbauverwaltung hinzu. Somit sei gewährleistet, dass jede Geschwindigkeitsüberschreitung einwandfrei zugeordnet werden kann. Zudem werden die direkt an die Zentrale weitergeleiteten Fotos digital verschlüsselt gespeichert und mit einem Wasserzeichen versehen, um nachträgliche Manipulation auszuschließen.

Toleranzgrenze liegt bei 3 km/h

Wie Goebel erklärt, liegt die Fehlertoleranz laut Hersteller bei einem Prozent. In der Praxis ist das aber kein Problem. Denn für die neuen Anlagen, die den Verkehr in Luxemburg überwachen, gilt eine Toleranzgrenze von 3 km/h. Wenn also beispielsweise im Umfeld des Messgeräts 90 km/h erlaubt sind, dann blitzt das Gerät erst ab 94 km/h.

Zusätzlich zu den zehn fixen Blitzern hat das Großherzogtum auch noch sechs mobile Messstationen angeschafft. Technisch sind diese baugleich mit den fest installierten Anlagen. 2017 sollen dann noch zehn weitere stationäre Geräte folgen.

Andere Messverfahren

Während die neuen Geschwindigkeitsmessgeräte in Luxemburg alle mit Laser-Technologie arbeiten, gibt es auch noch andere Methoden. Zu den europaweit am meisten verbreiteten Techniken zählen die Radaranlagen, die die Veränderung des Signals zwischen Sender (Messegerät) und Empfänger (Fahrzeug) erfassen. Im Gegensatz zur Lidar-Techologie kommen dabei aber keine Laserstrahlen, sondern Radiowellen zum Einsatz.

Eine weitere Möglichkeit der Geschwindigkeitsmessung sind Lichtschranken, bei denen sich Sender und der dazu gehörende Empfänger auf beiden Seiten der Fahrbahn genau gegenüberstehen. Sie arbeiten mit mehreren Lichtstrahlen, und mit Hilfe des zeitlichen Unterschieds zwischen den durchs Fahrzeug ausgelösten Unterbrechungen lässt sich dann die Fahrzeuggeschwindigkeit ermitteln.

Andere Verfahren arbeiten mit so genannten Induktionsschleifen, die hintereinander in den Fahrbahnbelag eingearbeitet sind und somit ebenfalls zeitversetzt überfahren werden.

Anmerkung der Redaktion: In der ursprünglichen Version war in der Überschrift von Radar-Geräten die Rede, weil das ja auch die im Sprachgebrauch übliche Bezeichung für die Geschwindigkeitsmessanlagen ist. In diesem Fall jedoch war die Bezeichung nicht zutreffend. Denn die Anlagen in Luxemburg sind nicht mit Radar-, sondern mit Lasertechnik ausgestattet (siehe Infobox). Geblitzt wird aber in beiden Fällen.

Autor: Uwe Hentschel

Foto: Uwe Hentschel

 

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