C2DH

Die Expertise des C2DHs beruht auf einer soliden Kenntnis der Tradition historischer Forschung, die mit digitalen Methoden und virtuellen Präsentationsformen ständig weiterentwickelt wird.

Digitale Methoden der Forschung und virtuelles Design ermöglichen nicht nur die Innovation traditioneller musealer Praktiken, sondern eröffnen auch neue Perspektiven auf die Geschichte Luxemburgs und Europas. Das C2DH experimentiert erfolgreich mit der Entwicklung digitaler Instrumente der historischen Forschung und tritt gleichzeitig mit neuen Formen der Vermittlung von Geschichte an die Öffentlichkeit. Das Erfolgsrezept des Zentrums beruht auf einer engen Kooperation zwischen einem interdisziplinären internationalen Team von Forscherinnen und Forschern, von IT Spezialisten und ausgesuchten Webdesignern.

Das Forum Z schlägt Brücke zwischen Forschung und Öffentlichkeit

Das C2DH Team ist in vier Forschungsbereichen engagiert, die transversal verknüpft sind: Public History, Contemporary History of Luxembourg, Contemporary History of Europe und Digital History and Historiography. Ein zentrales und zugleich übergreifendes Element der Arbeit des C2DH ist die regelmäßig stattfindende Veranstaltungsreihe Forum Z. Dieses Forum versteht sich als Bindeglied zwischen Forschung und Öffentlichkeit. Interessierte Bürger können dort Fragen der zeitgenössischen luxemburgischen und europäischen Geschichte mit Experten in Bezug auf aktuelle Kontroversen diskutieren. Spielerisch mit digitalen Technologien experimentieren. Und schließlich Kompetenzen in Bezug auf den kritischen Umgang mit digitalen historischen Quellen und der virtuellen Darstellung von Geschichte erwerben.

Doktoranden lernen den kritischen Umgang mit digitalen Forschungswerkzeugen

Neben den fest angestellten wissenschaftlichen MitarbeiterInnen forschen seit Januar 2017 auch 13 Doktoranden in der Digital History & Hermeneutics Doctoral Training Unit (DTU) des C2DHs. Dieses interdisziplinäre Programm wird vom Fonds National de la Recherche (FNR) gefördert und bietet den Doktoranden zahlreiche Qualifikationsmöglichkeiten und Anreize der Beteiligung an wissenschaftlichen Netzwerken. Dazu gehören zum Beispiel eine Vorlesungsreihe mit ausgesuchten Experten, systematische „skills trainings“ um den kritischen Umgang mit digitalen Forschungswerkzeugen zu erlernen sowie internationale Workshops und Konferenzen. Hinzu kommt, dass die Doktoranden auch Erfahrungen in der akademischen Lehre sammeln und damit gleichzeitig ein spezifisches Angebot in aktuellen Studiengängen machen können. Im Wintersemester 2018-2019 besuchten Studierende des Masterstudiengangs European Contemporary History an der Universität Luxemburg den Kurs Introduction to Digital History, der maßgeblich von der Doctoral Training Unit organisiert wurde. Erstmalig konnten die Teilnehmer so Erfahrungen mit der digitalen Analyse von historischen Dokumenten sammeln und sich über die Vorteile und Grenzen dieser Methode informieren.

C2DH im Steckbrief

  • Name: Luxembourg Centre for Contemporary and Digital History (C2DH)
  • Träger: University of Luxembourg
  • Methode: Thinkering – spielerisches Experimentieren mit digitalen Forschungsmethoden und virtuellen Zeigestrategien bei der Interpretation und Präsentation von Geschichte
  • Adresse: Belval Campus, Maison des Sciences Humaines, L-4366 Esch-sur-Alzette, 11, Porte des Sciences
  • Ziel: Digitale Erweiterung der Erforschung der transnationalen Geschichte Luxemburgs sowie der europäischen Zeitgeschichte; Entwicklung innovativer Ansätze des historical storytelling
  • Dissemination: Vorträge auf internationalen Tagungen, Aufsätze in konventionellen und digitalen wissenschaftlichen Zeitschriften, Videos, Doku-Dramen, interaktive virtuelle Ausstellungen, Hands-on-Veranstaltungen, Blogeinträge, Forum Z und vieles mehr.
  • Webseite: https://www.c2dh.uni.lu

Thinkering, Digital Hermeneutics, Hands-on-Workshops und Historical Imagination als Qualitäts- und Erkennungsmerkmale  

Die Expertise des C2DHs beruht auf einer soliden Kenntnis der Tradition historischer Forschung, die mit digitalen Methoden und virtuellen Präsentationsformen ständig weiterentwickelt wird.

Thinkering setzt sich aus den englischen Wörtern think ‚denken‘ und tinkering ‚spielerisch ausprobieren‘ zusammen und beschreibt das kreative Experimentieren mit digitalen Analysewerkzeugen und virtuellen Designs. Das Resultat sind neue Wege des Umgangs mit historischen Quellen und innovative Erzählformen. Digitale Forschungsmethoden ermöglichen die neuartige Verknüpfung und Analyse großer historischer Datenmengen. Digitale Formen des wissenschaftlichen Publizierens stiften Transparenz in Bezug auf die präsentierten Inhalte und ein neues Verständnis von Autorschaft. Virtuelle Ausstellungen überzeugen mit innovativen mehrschichtigen Webdesigns und interaktiven Zugängen. Hands-on-Workshops, bei denen mit historischen Technologien ganz konkret umgegangen und experimentiert wird, erzeugen bei allen Beteiligten historische Imagination, die wiederum für die Forschung nutzbar gemacht werden kann.

Beispiele:

Impresso: Media monitoring of the past. Mining 200 years of historical newspapers

In diesem Projekt werden digitalisierte Zeitungen aus der Schweiz, Luxemburg, Frankreich und Deutschland vernetzt. In dem Verbundprojekt arbeiten Computerlinguisten, Webdesigner, Historiker, Bibliothekare und Archivare zusammen, um durch Text Mining Datensätze aus Zeitungsarchiven zu selektieren und zu analysieren. Unter Text Mining versteht man die statistische Analyse von großen Datensätzen oder Big Data. Impresso ist ein Verbundprojekt des Digital Humanities Laboratory, École Polytechnique Fédérale de Lausanne und des Institute of Computational Linguistics der Universität Zürich in der Schweiz sowie dem C2DH.

Forum Z

Das Forum Z (Z steht für Zeitgeschichte) ist eine Veranstaltungsreihe des C2DHs, die bewusst an verschiedenen Orten in Luxemburg wie dem House of Startups, dem Maison du Peuple, oder dem Sitz des Energieversorgungsunternehmen Enovos stattfindet. Zu Themen wie Who’s afraid of the digital?, Social inequalities in Luxembourg?, oder Industrial heritage konnte die Öffentlichkeit aktiv an der Arbeit des C2DHs teilnehmen und weitere Veranstaltungen dieser Art sind geplant. Bei der Veranstaltung Lost Memories of WW1 wurde zum Beispiel ein History Slam veranstaltet, bei dem in Kurzbeiträgen über Kriegserinnerungen und das Vergessen der Geschichte gesprochen wurde. Die Veranstaltung endete mit einer Performance, bei der eine Laterna magica eingesetzt wurde und eindrucksvolle Bilder projiziert wurden. Dabei war es besonders wichtig zu zeigen, dass die Laterna magica nicht nur als historische Projektionsvorrichtung für Unterricht und Unterhaltung, sondern auch als Technologie der Kriegsberichterstattung und zu Propagandazwecken zum Einsatz kam.

WW1.lu & Ranke.2

Das C2DH entwickelt auch digitale Angebote des Wissenstransfers, wie zum Beispiel die virtuelle Ausstellung WW1.lu und die Unterrichtsplattform Ranke.2. Die virtuelle Ausstellung Éischte Weltkrich: Remembering the Great War in Luxembourg kombiniert vier verschiedene Navigationsmöglichkeiten: eine thematisch-erzählerische, ein digitales Archiv, eine interaktive Karte und eine Zeitleiste. Beispielsweise wird zu dem Thema Grief and Loss über die Luftangriffe der Alliierten berichtet. Im digitalen Archiv sind nicht nur zahlreiche Fotografien, sondern auch Audio- und Videodateien und Korrespondenzen zu finden.

Ranke.2 ist eine Unterrichtsplattform, die Unterrichtseinheiten mit Animationen, Quizfragen, Tests und Workshops zum Thema digitale Quellenkritik zur Verfügung stellt.

Fotos: C2DH

Autor: scienceRELATIONS
Editor: C2DH, Michelle Schaltz (FNR)

Auch interessant

TEDxUniversityofLuxembourg Was man über die Burg Larochette weiß – und vor allem was man nicht darüber weiß

Marleen de Kramer befasst sich mit der Rekonstruktion von Burgen. Mit welchem Kernproblem sie dabei zu kämpfen hat, zeig...

PISA Summerchallenge 2019 Liewe wéi an der Steenzäit

Wéi hunn d'Mënsche virun 8000 Joer am haitege Lëtzebuerg gelieft? Wéi eng Spueren hu si eis iwwerliwwert? D'Pisa Team wa...

FNR
Geschichte der Gerechtigkeit Auf der Suche nach Dokumenten, die neue Einblicke in die Geschichte Luxemburgs versprechen

Was kann die Vergangenheit uns über die Gegenwart und Zukunft sagen? Nina Janz gibt Einblicke in ihre Arbeit als wissens...

Auch in dieser Rubrik

Akademische Forschung in Luxemburg LIH: Forschung für und mit dem Patienten

Das Luxembourg Institute of Health (LIH) erforscht Krankheiten, um zu heilen. Ziel sind neue, patientenspezifische Therapien sowie innovative Ansätze in Prävention und Diagnostik.

LIH
LISER
Akademische Forschung in Luxemburg LISER: Gesellschaft verstehen, um Politik wirksamer zu gestalten

Das Luxembourg Institute of Socio-Economic Research (LISER) untersucht komplexe gesellschaftliche Zusammenhänge. Es liefert Fakten für politische Entscheidungen.

Forschung für eine bessere Zukunft LIST entwickelt intelligente Technologien für ein modernes Luxemburg

Am LIST wird an Umwelt- und Materialtechnologien sowie an digitalen Innovationen geforscht: Hier entstehen technologische Bausteine für die Industrie und Gesellschaft von morgen.

Akademische Forschung in Luxemburg Universität Luxemburg: Motor für Bildung und Innovation in Luxemburg

Die Universität Luxemburg ist mehrsprachig, international und forschungsorientiert – eine Universität mit persönlicher Atmosphäre.