collage of LNS female scientists

LNS

v.l.n.r.: Dr. Anke Wienecke-Baldacchino, Dr. sc. Elizabet Petkovski, Dr. Ann-Christin Hau

Wissenschaft braucht die hellsten Köpfe. Und das gilt unabhängig davon, ob der Kopf dem weiblichen oder männlichen Geschlecht zuzuordnen ist. Dies in den Vordergrund zu stellen und auf weibliche Exzellenz in der Forschung aufmerksam zu machen, hat sich am 22. Dezember 2015 die Generalversammlung der Vereinten Nationen zur Aufgabe gemacht, als sie beschloss, den 11. Februar zum Internationalen Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft zu erklären.

Das Team des Laboratoire national de santé (LNS) besteht aus ca. 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus 20 Ländern; der Frauenanteil liegt bei rund 64%. Drei der insgesamt sechs wissenschaftlichen Abteilungen werden von Frauen geleitet. Darüber hinaus bekleiden weitere zehn Mitarbeiterinnen Führungspositionen in wissenschaftlichen Units und der Administration.

Repräsentantinnen der weiblichen Exzellenz am LNS sind unter anderem die Gerichtsmedizinerin Dr. sc. Elizabet Petkovski, die Bioinformatikerin Dr. Anke Wienecke-Baldacchino und Dr. Ann-Christin Hau, Forscherin in Neurowissenschaften, Molekular- und Entwicklungsbiologie. In drei Gesprächen geben sie einen Einblick in ihre Arbeit, erzählen, was Ihnen an ihrem Fachgebiet besonders wichtig ist und wie sie die Rolle der Frau in der Wissenschaft sehen.

Hier ist das erste Portrait. Links auf zwei weitere findest Du unten auf der Seite.

Portrait Elizabet Petkovski

Dr. sc. Elizabet Petkovski: Der Wahrheit auf der Spur

Leiterin des Genetischen Identifizierungsdienstes der Abteilung für Rechtsmedizin am Laboratoire national de santé.

Wie sind Sie ans LNS gekommen und was ist Ihre Aufgabe hier?

Ich kam vor 10 Jahren ans LNS, zur gleichen Zeit, als Luxemburg beschloss, sein logistisches Labor für forensische Identifizierung aufzubauen. Ich war gleich zu Beginn an der Konzipierung und Einrichtung des DNA-Identifizierungsdienstes beteiligt. Heute leite ich den Service und bin Gerichtsmedizinerin für forensische DNA-Identifizierung. Hier werden Gutachten auf Grundlage molekularbiologischer Verfahren erstellt, um im Rahmen von Rechtsfällen Fakten und Beweismittel zu liefern, wie z.B. die Bestimmung von humangenetischen Fingerabdrücken oder DNA-Genprofilen. Wir agieren auf Anfrage der luxemburgischen Justizbehörden.

Was ist Ihnen besonders wichtig an Ihrer Arbeit und Forschung? Warum haben Sie dieses Fachgebiet gewählt? 

Während meines Studiums in Straßburg hat Professor Ludes von der Medizinischen Fakultät in einem Seminar einen Vortrag über genetische Identifikation in der Forensik gehalten. Diese Erfahrung trug nachhaltig zu meinem Wunsch bei, wissenschaftlich, objektiv, emotionslos und sachlich (was besonders wichtig ist) an der Wahrheitsfindung mitzuwirken und in Kooperation mit anderen Forschungsbereichen, an der Aufklärung von Ungerechtigkeiten mitzuwirken.

Wie sehen Sie die Rolle der Frauen in der Wissenschaft? Gibt es da noch Unterschiede zu Ihren männlichen Kollegen?

In Bezug auf mein eigenes Umfeld würde ich die Frage nach Unterschieden zu meinen männlichen Kollegen kategorisch verneinen. Es ist jedoch klar, dass es auf der Welt immer noch Regionen gibt, in denen der Sexismus fortbesteht. Ich persönlich empfinde ihn in meinem alltäglichen Leben nicht. Ich bin noch nie aufgrund meines Geschlechts bevorzugt bzw. benachteiligt worden. Natürlich gibt es Berufe, die mehr oder weniger an das männliche oder weibliche Geschlecht angepasst sind, aber es handelt sich dabei eher um Berufe, die körperliche Fähigkeiten erfordern, wie das Tragen schwerer Lasten beispielsweise. Frauen haben vielleicht auch eine andere Sensibilität oder ein anderes Empfinden als Männer, aber ich glaube nicht, dass dies in Zusammenhang mit einer höheren oder niedrigeren Qualität steht. Manchmal sind es einfach unterschiedliche Sichtweisen. In unserer Abteilung gibt es einen männlichen und drei weibliche Techniker, die lediglich aufgrund ihrer Qualifikation rekrutiert wurden. Es gibt charakterliche Unterschiede, die mit den Menschen zu tun haben, aber nicht mit ihrem Geschlecht.

Was macht Frauen zu besseren Wissenschaftlern?

Ich glaube nicht, dass man sagen kann, dass Frauen bessere Wissenschaftlerinnen sind. Für mich definiert sich ein Forscher durch seine wissenschaftlichen Qualitäten, durch die Anerkennung seiner Kolleginnen und Kollegen, durch seine Ausdauer, die Qualität und die Detailgenauigkeit seiner Forschung. Im Angesicht der Wissenschaft sind wir alle gleich.

Autor: LNS

Infobox

Über das LNS

Das Laboratoire national de santé (LNS; www.lns.lu) ist ein öffentlicher Gesundheitsakteur, der mit seiner internationalen Expertise eine wesentliche Säule des Gesundheitssystem Luxemburgs sowie der Nachbarregionen bildet. Bereits seit 1980 unter diesem Namen firmierend, wurde das LNS in seiner jetzigen Form durch das Gesetz vom 7. August 2012 geschaffen. Unter der Schirmherrschaft des Luxemburger Gesundheitsministeriums ist das LNS heute ein interdisziplinäres Institut, das mit seinem komplementären Team aus mehr als 300 MitarbeiterInnen relevante Exzellenz im Dienste der Gesundheit von Land und Leuten anbietet. An seinem im Jahr 2013 eingeweihten Sitz in Dudelange verfügt das LNS hierzu über seine vier wissenschaftlichen Abteilungen in den Bereichen Biomedizin, Mikrobiologie, Rechtsmedizin und Gesundheitsschutz, sowie über das National Center of Pathology bzw. das National Center of Genetics. Neben dem Professionalismus jedes einzelnen Mitarbeiters und der gezielten Nutzung hochmoderner Technologien baut die Entwicklungsstrategie des LNS auf Forschungspartnerschaften und Projektkooperation mit unterschiedlichen Akteuren sowohl innerhalb Luxemburgs als auch auf europäischer Ebene auf.

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