Kann der Konsum von 1-2 Gläschen Alkohol pro Tag die Gesamtsterblichkeit reduzieren?

Wie denken Sie ?
a) Stimmt, aber nur für Rotwein
b) Dies ist richtig
c) Dies ist falsch

Eine Frage der Menge

„Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, dass ein Ding kein Gift ist” – so drückte es schon Paracelsus vor über 500 Jahren aus. Für den Alkoholkonsum trifft dies sicherlich zu. Keine Frage – Alkohol ist ein Zellgift, und wirkt in größeren Mengen gesundheitsschädlich – er ist entzündungsfördernd und fördert etwa das Entstehen von Krebs im Verdauungstrakt.

Das Nachahmen von Gewohnheiten wie etwa von Winston Churchill – etwa 20 « Gläschen » pro Woche, ist also wohl eher nicht zu empfehlen. Allerdings wirkt Alkohol – in moderaten Mengen – entspannend  auf die Gefäßwände von Arterien, senkt das Risiko von Arterienverkalkungen, und kann sich so positiv aufd Herz-Kreislauferkarankungen auswirken.

Was aber ist moderat ? Nach neueren Studien wirkt sich ein Konsum von einem Glas (etwa 0.3 L Bier, 0.2 L Wein, oder 4 cL Spirituosen) für Frauen bzw. 1-2 Gläsern für Männer (d.h. etwa 20 g reinen Alkohols) pro Tag positiv auf die Gesamtsterblichkeit aus – mehr, aber auch weniger bringen allerdings nicht mehr !  Es liegt der klassische Fall einer sogenannten U-Kurve vor – kein Effekt bei zu geringen oder zu hohen Mengen ! Wer sich an diese Empfehlungen hält, hat ein ca. 20% geringeres Gesamtsgterblichkeits-Risiko. Aber: Konsumieren Sie diese Menge nicht auf einmal am Wochenende für die ganze Woche – « nachholen » geht also nicht !

Bier, Korn, Schnaps oder Wein ?

Vielleicht haben Sie vom Französischen Paradoxon gehört – viel Rotwein soll gut für die Gesundheit sein ? Ursprünglich wurde hierfür das Polyphenol Resveratrol verantwortlich gemacht, welches gesundheitsfördernd sein kann – allerdings müssten Sie das Equivalent von ca. 10 L konsumieren, um medizinische Effekte zu erzielen. Nach einer neuen Meta-Studie, also einer solchen, die viele Einzelstudien zusammenfasst, ist die « Quelle » des Alkohols egal – somit kann das Kriegsbeil zwischen erklärten Bier- und Weintrinkern getrost begraben werden – alleine der Alkohol  - in Maβen – machts !

Die richtige Antwort auf die Quizfrage lautet also b) Richtig, der Konsum von 1-2 Glässchen Alkohol pro Tag kann die Gesamtsterblichkeit reduzieren. 

Zur Person

Der Autor Torsten Bohn ist Ernährungsforscher am Luxembourg Institute of Health (LIH). Er forscht an der Bioverfügbarkeit von Mikronährstoffen und deren Einfluss auf die Gesundheit. Zudem unterrichtet er als Adjunct Associate Professor an der Universität Luxemburg und ist Chefredakteur des “International Journal for Vitamin and Nutrition Research”. Torsten Bohn, aufgewachsen in Troisdorf bei Bonn, kam nach den Stationen Frankfurt am Main, ETH Zürich und Ohio State University, im Jahr 2007 nach Luxemburg zum damaligen CRP-Gabriel Lippmann. Seit 2016 arbeitet er nun beim LIH und kann auch in seiner Freizeit auf sein Ernährungsknowhow zurückgreifen: Torsten Bohn ist leidenschaftlicher Triathlet und Läufer.

In den kommenden Wochen wird science.lu jeden Dienstag ein neues Quiz von Torsten Bohn veröffentlichen.

Autor: Torsten Bohn (LIH)
Redakteur: Jean-Paul Bertemes
Literatur: Mukamal KJ, Conigrave KM, Mittleman MA, Camargo CA Jr, Stampfer MJ, Willett WC, Rimm EB. Roles of drinking pattern and type of alcohol consumed in coronary heart disease. N Engl J Med. 2003 Jan 9;348(2):109-18 in men.

Auch interessant

Ernährungswissenschaft Die neue US-Ernährungspyramide – verkehrte Welt?

Die USA stellen ihre Ernährungspyramide auf den Kopf. Ernährungswissenschaftler Prof. Torsten Bohn vom LIH ordnet ein, w...

LIH , FNR
Et kënnt op den “r” un Firwat fänkt d'Mullesaison am September un?

Am Hierscht sti se nees an de Restauranten op der Kaart: Mullen. Mä firwat kommen d'Muschelen op ville Plazen am Septemb...

FNR
Ernährung der Zukunft – Teil 2 Proteinwende: Neue Quellen für die Baustoffe des Körpers

In diesem Teil unserer 4-teiligen Artikelserie wenden wir uns den Proteinen zu – und der Frage nach, wie wir uns damit i...

FNR

Auch in dieser Rubrik

Ernährungswissenschaft Die neue US-Ernährungspyramide – verkehrte Welt?

Die USA stellen ihre Ernährungspyramide auf den Kopf. Ernährungswissenschaftler Prof. Torsten Bohn vom LIH ordnet ein, was sich geändert hat – und weshalb Proteine derzeit so stark im Fokus stehen.

LIH, FNR
Brandverletzungen und Rauchgasvergiftungen Weshalb sind Brandverletzungen so schwer zu behandeln?

Die Haut ist unser größtes Organ. Was sollte man tun, wenn man selbst oder jemand anderes Verbrennungen erleidet? Und warum ist die Behandlung von Verbrennungen so langwierig und komplex?

FNR
Ziel mir keng! – De Science Check Was ist Autismus – und werden tatsächlich immer mehr Fälle diagnostiziert?

Was genau ist Autismus? Wie wird Autismus diagnostiziert? Und warum gibt es immer mehr Fälle von Autismus?