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Der Brand von Crans-Montana hat auf tragische Weise daran erinnert, dass brandbedingte Verbrennungen nicht nur Hautverletzungen sind: Sie lösen eine systemische Erkrankung aus, die mit Atemnot, massiver Entzündung und unmittelbarer Lebensgefahr einhergeht. Ein solches Drama ist für alle Beteiligten äußerst schwer zu bewältigen – für die Patienten, ihr Umfeld und das medizinische Personal.
Ein massiver Zustrom von schwer verbrannten Menschen stellt eine große medizinische und menschliche Herausforderung dar. Diese Art von Trauma erfordert hochspezialisiertes Fachpersonal und geeignete Infrastrukturen. Daher ist es notwendig, die Betroffenen auf mehrere Zentren zu verteilen.
Diane Bertel, Chirurgin und Autorin für science.lu, erklärt hier, wie man im Falle einer Verbrennung handeln sollte, warum Rauchvergiftungen die Prognose verschlechtern und weshalb die Behandlung langwierig, komplex und ganzheitlich ist.
Über Diane Bertel
Diane Bertel ist approbierte Ärztin mit Spezialisierung in Chirurgie und Notfallmedizin. Ihre Ausbildung absolvierte sie an mehreren Universitätskliniken in Frankreich und Deutschland. Während ihrer klinischen Laufbahn arbeitete sie im Zentrum für Schwerbrandverletzte der BG Ludwigshafen, wo sie an der Behandlung von schwer verbrannten und teils sehr jungen Patienten beteiligt war. Diese Erfahrung hat sie tief geprägt. Seit 2022 schreibt sie als freiberufliche Autorin für www.science.lu und widmet sich dort der wissenschaftlichen und medizinischen Wissensvermittlung für ein breites Publikum.
Warnhinweis
Auch die indirekte Auseinandersetzung mit traumatischen Ereignissen (z. B. durch das Lesen von Berichten oder das Ansehen von Bildern) kann psychisch belastend sein und unter Umständen fachliche Hilfe erforderlich machen.
Konkret bedeutet dies, dass das Lesen von Zeugenaussagen, Berichten oder das Ansehen von Videos zum Unglück in Crans-Montana – oder zu ähnlichen Ereignissen – emotional stark belastend sein kann. Auch ohne direkte Betroffenheit können bei manchen Personen Stressreaktionen auftreten, wie aufdrängende Gedanken, wiederkehrende innere Bilder, Schlafstörungen, Angst oder anhaltende psychische Belastung.
Personen, die solche Symptome bei sich bemerken, wird empfohlen, diese ernst zu nehmen und professionelle Hilfe (z.B. durch Ärzte, Psychologen oder andere Fachpersonen) in Anspruch zu nehmen, um eine angemessene Unterstützung zu erhalten.
Kurz zusammengefasst:
- Man muss sich immer mehr um den verbrannten Menschen als um die Verbrennung selbst kümmern.
- Häufig sind es Rauchgase und nicht die Flammen, die tödlich sind.
- Die Behandlung schwerer Verbrennungen erfordert spezialisierte Zentren und erfahrenes Personal.
- Die Haut ist unser größtes Organ und an vielen lebenswichtigen Prozessen beteiligt.
- Verbrennungen und Rauchvergiftungen sind komplexe Notfälle, deren Schwere weit über eine reine Hautverletzung hinausgeht und den gesamten Körper betrifft.
- In geschlossenen Räumen kann die Ansammlung von Hitze und entzündlichen Gasen zu einer plötzlichen Explosion führen („Blast“).
- Nie in einem geschlossenen Raum bleiben, in dem sich Rauch und Hitze stauen (Gefahr eines Flashovers).
- Um ein Feuer zu löschen, muss man ihm den Sauerstoff entziehen: Zum Beispiel die betroffene Person in eine Decke einwickeln oder die Flammen mit einem feuchten Tuch ersticken.
Die Haut – unser größtes Organ
Die Haut macht etwa 15 % des Körpergewichts aus (beim Erwachsenen rund 2 m² Hautfläche) und erfüllt zahlreiche Funktionen: Schutz vor Infektionen, Regulierung der Körpertemperatur, Aufrechterhaltung des Flüssigkeitshaushalts und Beteiligung am Immunsystem. Eine großflächige Schädigung kann daher zu Komplikationen im gesamten Organismus führen.
Eine Verbrennung ist eine Zerstörung der Haut durch thermische Einwirkungen (z. B. heißes Wasser oder Frittieröl), chemische Substanzen, Elektrizität oder Strahlung.
Was tun bei einer leichten Verbrennung zu Hause?
Kleine Verbrennungen kommen im Alltag häufig vor. In diesem Fall gilt:
- Sofort mit lauwarmem Wasser (nicht eiskalt) 10–20 Minuten kühlen.
- Schmuck und enge Kleidung entfernen.
- Mit einem sauberen, trockenen Tuch abdecken.
- Nicht anwenden: Butter, Öle, Eis, Aufstechen von Blasen.
- Bei größeren, tiefen Verbrennungen oder bei Verbrennungen an Gesicht, Händen oder Füßen sofort ärztliche Hilfe aufsuchen.
Wie werden Verbrennungen eingeteilt?
Manchmal treten auch schwerere Verbrennungen auf. Sie werden nach der Tiefe der Hautschädigung eingeteilt, da diese die Schwere, die wahrgenommene Schmerzintensität und die Art der notwendigen Behandlung bestimmt.
- Verbrennung 1. Grades: Die Haut ist gerötet, warm und schmerzhaft, aber es bilden sich keine Blasen. Ein typisches Beispiel ist ein Sonnenbrand nach zu langer, ungeschützter Sonneneinstrahlung. Die Haut heilt in der Regel innerhalb weniger Tage ohne bleibende Spuren.
- Oberflächliche Verbrennung 2. Grades: Hier ist die obere Hautschicht betroffen, und es bilden sich mit Flüssigkeit gefüllte Blasen, die oft starke Schmerzen verursachen. Dies kann zum Beispiel nach dem Verschütten von kochendem Wasser oder heißem Öl geschehen. Die Heilung dauert in der Regel weniger als drei Wochen, ohne größere Folgeschäden, sofern die Wunde gut versorgt wird.
- Tiefe Verbrennung 2. Grades: Dabei sind tiefere Hautschichten betroffen. Der Schmerz kann geringer sein als bei einer oberflächlichen 2.-Grad-Verbrennung, das Risiko für Narbenbildung ist jedoch hoch. Solche Verbrennungen entstehen oft durch längeren Kontakt mit sehr heißen Oberflächen, wie etwa einer Herdplatte oder erhitztem Metall.
- Verbrennung 3. Grades: Dies ist die schwerste Form. Die Haut ist vollständig zerstört, und die Verbrennung kann Muskeln oder sogar Knochen erreichen. Paradoxerweise ist sie oft wenig oder gar nicht schmerzhaft, da die Nerven zerstört sind. Diese Verbrennungen treten vor allem bei Feuerunfällen oder schweren Unfällen auf und heilen nie von selbst; Hauttransplantationen sind immer erforderlich.
Wie misst man die Schwere einer Verbrennung?
Es gibt einige einfache Regeln, die man sich merken sollte.
Die Wallace-Regel (auch Neunerregel) erlaubt eine schnelle Abschätzung der verbrannten Körperoberfläche (VKOF). Sie gilt ab Verbrennungen 2. Grades.
Die Handfläche inklusive Finger entspricht ungefähr 1 % der Körperoberfläche.
- Kopf: 9 %
- Jeder Arm: 9 %
- Jedes Bein: 18 %
- Vorderer Rumpf: 18 %
- Rücken: 18 %
- Genitalbereich: 1 %
Diese Abschätzung hilft bei der Planung von Wiederbelebung und chirurgischer Behandlung. Für Kinder ist die Regel nicht gültig (Kopf: 20 %, Rumpf: 30 %).
Der Baux-Index kombiniert Alter und verbrannte Fläche, um die Überlebenschancen abzuschätzen:
VKOF (%) + Alter (Jahre) = Baux-Index
Ab 50 Jahren zählen die Lebensjahre doppelt. Ein Baux-Index über 100 deutet auf eine hohe Sterblichkeit hin.
Beispiele:
- 16-jähriger Jugendlicher, 50 % VKOF: 5
→ relativ gute Überlebenschancen0 + 16 = 66 - 70-jähriger Erwachsener, 40 % VKOF: 4
→ geringe Überlebenschancen.0 + (50 + 20x2) = 130
Beim Brand von Crans-Montana wurden 116 Personen offiziell als verbrannt registriert. Die meisten Opfer waren jung (19 Jahre im Durchschnitt), mit Verbrennungen bis zu 70 % VKOF.
Wann wird die Situation kompliziert?
Zunächst ein wesentlicher Punkt: Man muss sich immer mehr um die verletzte Person als um die Verbrennung selbst kümmern. Eine Verbrennung kann allgemeine Probleme wie starke Schmerzen, Schock, Dehydrierung oder Atembeschwerden verursachen, selbst wenn die Wunde oberflächlich erscheint. Zwei optisch ähnliche Verbrennungen können sehr unterschiedlich schwer sein, abhängig von Alter, Gesundheitszustand, betroffener Körperregion oder den Umständen wie Brand, Rauchentwicklung oder Explosion. Daher muss zuerst der Allgemeinzustand der verletzten Person eingeschätzt werden.
Eine Verbrennung gilt als besonders kompliziert, wenn sie eine große Körperoberfläche betrifft – in der Regel mehr als 20 % bei Erwachsenen, bei Kindern weniger – oder wenn kritische Bereiche wie Gesicht, Hände, Füße, Genitalien oder große Gelenke betroffen sind, aufgrund der schwerwiegenden funktionellen und ästhetischen Folgen. Die Schwere steigt weiter, wenn eine Rauchvergiftung vermutet wird, wie sie häufig bei Bränden auftritt, oder wenn die verletzte Person zu besonders verletzlichen Gruppen gehört, etwa Kinder, ältere Menschen oder chronisch Kranke.
Das Unglück in Crans-Montana verdeutlicht, wie wichtig eine schnelle und spezialisierte Versorgung ist. In solchen Situationen sind die Überweisung an ein spezialisiertes Zentrum und eine multidisziplinäre Betreuung entscheidend, um die Prognose zu verbessern und die Heilung zu unterstützen.
Welche Mechanismen führen bei einem Brand zum Tod?
Bei einem Brand wirken mehrere Mechanismen gleichzeitig, die zu einer schnellen Sterblichkeit führen können.
Schädigung der Atemwege und Rauchinhalation:
Das Einatmen von Rauch und giftigen Gasen wie Kohlenmonoxid oder Cyanid, die bei der Verbrennung brennbarer Materialien freigesetzt werden, führt zu einer akuten Atemnot und schwerer Hypoxie (Sauerstoffmangel) bei den Betroffenen. Dieses Risiko ist besonders hoch bei Bränden in geschlossenen Räumen. Innerhalb weniger Minuten kann die betroffene Person das Bewusstsein verlieren und einen Herzstillstand aufgrund des Sauerstoffmangels erleiden, selbst wenn keine schweren Verbrennungen vorliegen. Die Schäden können auch verzögert auftreten, manchmal erst Stunden nach der Exposition.
Hitze und Rauch reizen und verbrennen das Innere von Nase, Rachen und Lungen. Dies führt zu einer schnellen Schwellung (Ödem), die die Luftwege blockieren kann – eine der Hauptursachen für frühe Todesfälle. Zudem bindet Kohlenmonoxid an das Hämoglobin, wodurch der Sauerstofftransport in den Zellen reduziert wird, während Cyanid die zelluläre Atmung stört.
Hautschäden:
Wenn große Hautflächen verbrannt sind, kann die Haut ihre Schutzfunktion nicht mehr erfüllen. Der Körper reagiert darauf mit einer starken Entzündungsreaktion, ähnlich der bei einer schweren, generalisierten Infektion.
Diese Reaktion hat mehrere schwerwiegende Folgen:
- Massiver Wasser- und Mineralverlust, bedingt durch die Zerstörung der Hautbarriere;
- Abfall des Blutdrucks, verursacht durch Flüssigkeitsverlust und Gefäßerweiterung;
- Beeinträchtigte Funktion lebenswichtiger Organe wie Herz, Nieren und Lungen, die nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt werden.
Wird diese Entzündungsreaktion nicht schnell kontrolliert, kann sie zu einem Multiorganversagen führen, also dem fortschreitenden Ausfall mehrerer lebenswichtiger Organe.
„Blast“ oder Explosion in geschlossenen Räumen:
Die schnelle Ausdehnung heißer und brennbarer Gase, der sogenannte „Blast“, ähnelt einer Explosion und erzeugt eine starke Druckwelle, die interne Verletzungen verursacht, insbesondere an den Lungen.
Erste Hilfe bei Verbrennungen: Was tun – und was nicht?
Die Richtlinien der WHO und anderer internationaler Empfehlungen geben klare Hinweise für die Erstversorgung von Brandopfern.
Wichtige Maßnahmen:
- Wenn die betroffene Person in Flammen steht, gilt das Prinzip „Stop, Drop, Roll“: verhindern, dass sie wegläuft, auf den Boden legen und abrollen, um die Flammen zu ersticken.
- Um das Feuer zu löschen, muss ihm Sauerstoff entzogen werden. Dies kann geschehen, indem man die Person in eine Decke oder einen dicken Mantel wickelt oder die Flammen mit einem feuchten Tuch erstickt, dabei aber das Gesicht schützt.
- Unbedingt die Rettungskräfte alarmieren.
- Bei kleineren Verbrennungen (verbrannte Körperoberfläche < 20 %) sollte die Wunde mit lauwarmem Wasser gekühlt werden – kein Eiswasser!. Das Kühlen begrenzt die Tiefe der Verbrennung, reduziert die Entzündungsreaktion und lindert die Schmerzen. Es sollte innerhalb der ersten 5 Minuten erfolgen, idealerweise mit Wasser von ca. 15 °C aus ca. 15 cm Entfernung für etwa 5 Minuten. Ziel ist es, die Verbrennung, nicht den Patienten abzukühlen. Bei großflächigen Verbrennungen ist diese Maßnahme kontraindiziert, da sonst Unterkühlung droht.
- Kleidung, die nicht festklebt, sollte entfernt werden.
- Die Person sollte zur Vermeidung von Unterkühlung mit einem sauberen, sterilen Tuch abgedeckt werden, während der Transport abgewartet wird. Die Umgebung sollte nach Möglichkeit erwärmt werden.
Was auf keinen Fall getan werden darf:
- Butter, Öl, Salben oder Puder auf die Wunde auftragen – dies verschlimmert die Verbrennung und verschmutzt die Wunde.
- Blasen aufstechen – erhöht das Infektionsrisiko.
- Getränke geben bei schweren Verbrennungen – dies kann gefährliches Erbrechen auslösen und ersetzt keine Infusionen.
- Den Patienten abkühlen lassen – Unterkühlung verschlechtert die Prognose.
Man darf den Zustand einer Brandverletzten Person nie unterschätzen, auch wenn sie zunächst stabil wirkt. Schwere Verbrennungen verlaufen oft in zwei Phasen: Zunächst kann die Person noch gehen, sprechen und atmen und scheint bei Bewusstsein; im zweiten Schritt kann es jedoch zu einer plötzlichen, generalisierten Verschlechterung kommen.
Welche sind die ersten großen Schritte der medizinischen Versorgung?
Wenn eine verbrannte Person das Krankenhaus erreicht, geht der Kampf ums Überleben weiter. Im Krankenhaus richtet sich alles auf die Aufrechterhaltung der lebenswichtigen Funktionen. Die Brandmedizin ist das medizinische Fachgebiet, das sich mit der Versorgung von Verbrennungsopfern befasst – von der akuten Notfallversorgung bis hin zur Rekonstruktion und langfristigen Rehabilitation.
Sicherstellung der Atmung:
Sind die Atemwege gefährdet, wird ein Schlauch in die Luftröhre gelegt (Intubation), um die Atmung zu sichern. Sauerstoff wird in hoher Konzentration verabreicht, um giftige Gase zu eliminieren. Bei einer Cyanidvergiftung wird so früh wie möglich Hydroxycobalamin als Gegengift gegeben.
Ausgleich von Flüssigkeitsverlusten:
Verbrennungen führen zu einer massiven Flüssigkeitsflucht aus Blut- und Lymphgefäßen, die durch die Hitze beschädigt wurden. Um die Durchblutung aufrechtzuerhalten und die Organe zu schützen, werden große Mengen Flüssigkeit infundiert – in den ersten Tagen bis zu 10 Liter pro Tag.
Schmerzlinderung und Schutz des Körpers:
Die Schmerzen sind extrem stark. Häufig ist eine tiefe Sedierung, manchmal sogar ein künstliches Koma, notwendig. Verbrannte, abgestorbene Gewebe werden entfernt (Débridement), um Infektionen zu verhindern. In einigen Fällen wirkt die verbrannte Haut wie eine Einschnürung und erhöht den Druck. Dann wird eine Escharotomie durchgeführt, also ein Schnitt, um den Druck zu entlasten. Dies ist besonders bei kreisförmigen Verbrennungen des Brustkorbs wichtig, da die verbrannte Haut das Atmen sonst stark behindert.
Engmaschige Überwachung:
In den ersten Stunden und Tagen liegt der Fokus darauf, Risiken wie Lungenödem (Flüssigkeitsansammlung in der Lunge), Kompartmentsyndrom (zu hoher Druck in einem Gliedmaß oder im Brustkorb, der die Durchblutung blockiert), Sepsis (schwere Infektion, die sich im ganzen Körper ausbreitet) und Organversagen zu vermeiden.
Schmerztherapie und Sedierung müssen dabei an den sehr hohen Bedarf von Brandverletzten angepasst werden.
Welche sind die langfristigen Heilungsphasen?
Die Genesung einer schwer verbrannten Person dauert Monate, manchmal sogar Jahre.
Hauttransplantationen:
Verbrannte Hautbereiche werden durch Hauttransplantate ersetzt. Bei sehr großflächigen Verbrennungen reicht die eigene gesunde Haut des Patienten oft nicht für klassische Transplantationen aus. In solchen Fällen können die Ärzte im Labor gezüchtete Haut verwenden.
Physiotherapie:
Eine Rehabilitation ist notwendig, um Steifheit zu vermeiden und die Beweglichkeit wiederherzustellen.
Ernährungsüberwachung:
Der Körper eines schwer verbrannten Menschen verbraucht wesentlich mehr Energie als der eines gesunden Menschen, da die Verbrennung eine extreme Stressreaktion auslöst. Dies führt zu einem hypermétabolischen Zustand, das heißt, der Körper arbeitet auf „Volllast“, um zu überleben, sich zu verteidigen und zu reparieren.
Psychologische Betreuung:
Psychologische Unterstützung ist unverzichtbar, um Traumata, Narbenbildung und körperliche Veränderungen zu bewältigen.
Kontrolle von Folgeschäden:
Es erfolgt eine regelmäßige Überwachung der Atemwegsfolgen sowie der Narben, um Komplikationen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
Infobox
Brände in geschlossenen Umgebungen sind besonders gefährlich. Folgende Faktoren verschärfen die Situation:
-
Verbrennung synthetischer Materialien, die giftige Gase freisetzen (CO, Cyanid).
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Unzureichende Notausgänge und Luftströme, die die Feuerausbreitung begünstigen.
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Brennbare Materialien und unsichere Praktiken, wie die Verwendung pyrotechnischer Mittel in geschlossenen Räumen.
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In einem geschlossenen Raum kann die Ansammlung von Hitze und brennbaren Rauchgasen eine plötzliche Explosion, den sogenannten „Blast“, auslösen. Dieses Phänomen entsteht durch die schnelle Ausdehnung der Gase und kann sowohl die Bausubstanz als auch Personen in der Nähe erheblich schädigen.
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Ein weiteres gefährliches Phänomen ist der Flashover. Dabei entzündet sich der gesamte Inhalt eines Raumes gleichzeitig, wodurch ein ursprünglich lokaler Brand zu einem flächendeckenden, extrem heißen Feuer wird. Die Temperatur steigt sehr schnell, oft über 500 °C. Materialien im Raum (Holz, Stoffe, Kunststoffe …) beginnen sich zu zersetzen und brennbare Gase freizusetzen. Sobald die Gastemperatur den Selbstentzündungspunkt erreicht, entzünden sich alle brennbaren Stoffe gleichzeitig, und der Raum wird zu einem regelrechten Ofen. Ein Flashover tritt innerhalb weniger Sekunden auf und macht das Überleben für jede anwesende Person extrem schwierig. Aus diesem Grund betonen Feuerwehrleute die wichtige Rolle der frühzeitigen Branddetektion und warnen davor, in einem geschlossenen Raum zu bleiben, in dem sich Rauch und Hitze ansammeln.
Die Versorgung von schwer verbrannten Patienten ist langwierig, komplex und zutiefst menschlich. Jeder einzelne Behandlungsschritt erfordert die volle Aufmerksamkeit eines gesamten Teams, das den Patienten über einen längeren Zeitraum kennenlernen muss. Tiefe Verbrennungen verursachen oft erhebliche ästhetische Schäden, die psychologisch stark belastend sein können. Angst, Vertrauensverlust und emotionale Not müssen zusätzlich zu den körperlichen Schmerzen behandelt werden. Auch das Pflegepersonal kann hierbei psychologische Unterstützung benötigen.
Die Krankenhausbehandlung muss in speziellen Einheiten erfolgen, die häufig nur begrenzt verfügbar sind. Die Dauer von Intensivbehandlung und Krankenhausaufenthalt kann sich über Wochen bis Monate erstrecken, da jede Phase der Heilung Zeit benötigt.
Die Patienten durchlaufen wiederholte Operationen. Zu Beginn erfolgen die Verbandswechsel täglich unter Vollnarkose in einem beheizten Operationssaal, um Wärmeverluste zu vermeiden. Diese Prozeduren können mehrere Stunden dauern. Mehrere chirurgische Eingriffe, wie Débridement und Hauttransplantationen, sind notwendig, um die Heilung zu fördern und Infektionen zu vermeiden.
Diese aufwendige Versorgung erfordert multidisziplinäre Teams, bestehend aus Intensivmedizinern, Chirurgen, Physiotherapeuten, Ernährungswissenschaftlern und Psychologen, um alle physischen und psychischen Aspekte der Erkrankung umfassend zu betreuen.
Fazit
Glücklicherweise sind Katastrophen wie die in Crans-Montana relativ selten. Im Alltag kommt es jedoch häufig zu Verbrennungen, etwa durch Sonnenbrand oder kleinere thermische Verletzungen. Manchmal sind die Verbrennungen schwerer, beispielsweise durch heißes Wasser oder siedendes Frittieröl. Je schwerer die Verbrennung, desto komplexer und langwieriger ist die Heilung.
Brände, insbesondere in geschlossenen Räumen, gehören zu den tödlichsten Szenarien. Sie verbinden Hautverletzungen, Atemwegsbeeinträchtigungen, innere Schäden und Vergiftungen durch giftige Gase.
Schwere Verbrennungen stellen eine hohe emotionale Belastung dar – sowohl für die Opfer als auch für Angehörige und das medizinische Personal. Es handelt sich um eine akute systemische Erkrankung, die koordiniertes Handeln der Rettungskette, die Anwendung klinisch fundierter internationaler Leitlinien und eine langfristige Nachsorge erfordert.
Das Team von www.science.lu ist in Gedanken bei den Opfern von Crans-Montana.
Autorin: Diane Bertel
Redakteur: Jean-Paul Bertemes (FNR)