(C) Geocoptix

„Die Tatsache, dass die Vermessung aus der Luft ungleich schneller abläuft als auf dem Boden, ist unser Hauptverkaufsargument", sagt Gilles Rock.

Gilles Rock überwacht mit Drohnen-Technologie u.a. Pflanzen. Seine (potenziellen) Kunden sind Landwirte, Vermessungsbüros oder Archäologen. 

Unbemannte Flugsysteme: So nennt Gilles Rock die Hardware, auf der sein Unternehmen Geocoptix aufbaut. Auf diese Bezeichnung legt der Doktorand in Umweltfernerkundung und Geoinformatik besonderen Wert: „Der Begriff Drohne hat ein schlechtes Image. Da denken viele an Bespitzelung des Nachbarn oder Beinahe-Kollisionen mit Flugzeugen. Wir setzen die Technologie hingegen kontrolliert ein, zurzeit vor allem noch bei der Untersuchung von Land oder Gewässern bzw. bei der 3D-Erfassung oder zur Aufnahme archäologischer Stätten.“ (siehe Infobox)

Hauptverkaufsargument: Vermessung aus der Luft ist viel schneller

Die exakte Mission von Geocoptix definiert sich dabei aus den jeweiligen Bedürfnissen des Kunden. Dies sind neben öffentlichen Auftraggebern u.a. Ingenieurbüros, die den Einsatz der unbemannten Flugsysteme aufgrund des Faktors Geschwindigkeit schätzen: „Die Tatsache, dass die Vermessung aus der Luft ungleich schneller abläuft als auf dem Boden, ist unser Hauptverkaufsargument. So können wir von oben z.B. 50 Hektar Landfläche in 30 Minuten vermessen, während auf traditionellem Wege nur ein Bruchteil davon geschafft würde.“

Dabei gibt Gilles Rock offen zu, dass herkömmliche Methoden mitunter präzisere Resultate liefern. Jedoch sind diese nicht überall erforderlich. Gilles Rock: „Wenn es um Effizienz geht, ist unsere Technologie das Mittel der Wahl. Zudem sind unbemannte Flugsysteme auch dann einsetzbar, wenn Satelliten oder bemannte Flugzeuge durch Wolken eingeschränkt werden oder die gewünschte Auflösung nicht erreichen. Anhand dieser Kriterien entscheiden sich Kunden für uns; und daraus leiten wir auch unsere künftigen Geschäftsfelder ab.“ Mit Blick auf neue Anwendungsgebiete liegt ein Hauptaugenmerk des Start-ups auf landwirtschaftlichen Anwendungen, hier vor allem auf der Überwachung von Pflanzen und dem sogenannten „Precision Farming“.

Zielsetzung: Zuverlässige Daten zum Zustand von Pflanzen liefern

Ziel des in Trier ansässigen Unternehmens ist es, eine Methodik weiter zu entwickeln, mit der aus der Luft zuverlässige Daten zum Zustand von Pflanzen erhoben werden können: „Wenn wir mit unserer Technologie zu Aussagen z. B. mit Blick auf Nährstoffmangel, Schädlingsbefall und Ernteertrag gelangen, schaffen wir noch mehr. Denn dieser Ansatz würde einerseits eine Optimierung der landwirtschaftlichen Abläufe und andererseits eine Reduzierung der Umweltbelastung erlauben, da nur noch die wirklich benötigte Mengen Dünger bzw. Pflanzenschutzmittel verwendet werden müssten.

Sollte dies gelingen, dann wäre das ein signifikanter Entwicklungsschritt zur richtigen Zeit. Denn das 2014 gemeinsam mit Andreas Kaiser – wie Gilles Rock ein Geowissenschaftler Anfang 30 – gegründete Start-up war anfangs ein Side-Project neben dem PhD, spätestens 2017 jedoch soll aus Geocoptix ein Vollzeitprojekt werden. Gut möglich, dass dann auch ein Umzug nach Luxemburg ansteht. Gilles Rock: „Unser Land entwickelt sich ja gerade als Innovationsstandort, und als Luxemburger würde ich dazu schon gerne beitragen.“

Autor: Sven Hauser
Foto: Geocoptix

Infobox

Geocoptix – Innovationen, die vielseitige Möglichkeiten bieten

Die von Geocoptix angebotenen Dienstleistungen sind echte Innovationen, wie sie vor fünf Jahren noch undenkbar schienen. Das forschungsbasierte Startup hat sich als Ziel gesetzt, nicht nur Daten aus der Luft zu erheben, sondern daraus auch die vom Kunden benötigten Endprodukte zu entwickeln. Die damit verbundenen Möglichkeiten sind sehr vielseitig und umfassen neben den Anwendungsbereichen Vermessung und Precision Farming z.B. auch die Bereiche Forstmonitoring, Thermographie, Erosionsmonitoring und -modellierung, Bauinspektion sowie die ganzheitliche Entwicklung von wissenschaftlichen Konzepten.

Auch interessant

Screentime fir Kanner Wéi vill Zäit sollte Kanner virum Ecran verbréngen?

Smartphone, Spillkonsol, Telé, Computer - grouss oder kleng Ecranen si jo haut fest an eis Liewen integréiert. Mee wéi v...

FNR

Auch in dieser Rubrik

Artifizielle Intelligenz
Die Entwickler der Zukunft Wer wird die Software der Zukunft programmieren?

Angesichts der steigenden Nachfrage nach Software gibt es nicht genügend Entwickler um diese zu programmieren. Der Forscher Jordi Cabot erklärt, wer diese Lücke in Zukunft füllen könnte.

KI und Sportstatistik Wer wird Fußball-Europameister?

Mit Hilfe einer KI haben Forscher (u.a. aus Luxemburg) ermittelt, wer am wahrscheinlichsten Europameister wird. Wer? Welche Faktoren bestimmen die Siegeschancen? Und wie wurde die KI trainiert?

Fußball und Wissenschaft BVB: Wird ein luxemburgischer Forscher Borussia Dortmund in Zukunft helfen?

Am 1. Juni spielt Borussia Dortmund gegen Real Madrid im Champions League Finale. In Zukunft könnte der BVB auf die Dienste von Christophe Ley und dem MIDAS-Team der Uni Luxemburg, zurückgreifen

Cybersecurity Cyberangriff auf Luxemburg: Fragen an Experten

Prof. Marcus Völp der Universität Luxemburg über die Cyberangriffe der vergangenen Woche und der Zukunft.