(C) Uwe Hentschel

Im neuen Luxembourg Science Center soll Schülern der Zugang zur Wissenschaft vermittelt werden. Aber ist das nicht eigentlich Aufgabe der Lehrer?

Bei der Frage, wo genau denn der Unterschied zwischen einem Science Communicator und einem Physik-, Chemie oder Biologielehrer liegt, muss Guillaume Trap nicht lange überlegen. „Wir haben ein anderes Ziel als Lehrer“, erklärt er. „Bei Lehrern geht es in erster Linie darum, Wissen zu vermitteln“, sagt er. Aufgabe der Lehrer sei es, ein vorgegebenes Pensum zu erfüllen. „Wir aber sehen uns eher als Inspiration“, sagt Wissenschaftsvermittler Trap. „Wir wollen, dass der Funke überspringt.“

Um das zu erreichen, arbeitet Trap mit fünf weiteren Science Communicators. Dazu gehören eine Biologin, ein Mathematiker, zwei Grundschullehrer sowie ein Lehrer für Elektrotechnik und natürlich Trap selbst. Er ist Astrophysiker, war zuletzt als Scientific Mediator am Pariser Palais de la découverte tätig und leitet jetzt das Luxembourg Science Center in Differdange, das nach einem mehrmonatigen Probelauf mit Schulklassen nun offiziell eröffnet wurde.

Vor allem diejenigen erreichen, die es anscheinend nicht interessiert

Die Adressaten des Science Center sind Interessierte jeden Alters, vor allem aber Schüler. Und unter denen sind viele, die sich mit naturwissenschaftlichen Fächern sehr schwer tun. Was möglicherweise daran liegt, dass im Unterricht der praktische Bezug fehlt.

Aus diesem Grund gibt es im Science Center viele Mitmachstationen, an denen wissenschaftliche Phänomene wie beispielsweise Gravitation, Elektromagnetismus, Statik oder Hebelwirkung spielerisch erforscht werden. Und darüber hinaus auch Labore, in denen täglich mehrere Workshops angeboten werden. Darunter ist auch ein Labor, das jeder Schüler bereits aus den eigenen vier Wänden her kennt: eine Küche. Für die meisten ist die Küche nur ein Raum zum Kochen. Für einen Science Communicator jedoch ist es ein Ort, an dem er anschaulich Zusammenhänge aus Physik, Chemie, Biologie und Mathematik erklären kann.

Jeder Science Communicator hat andere Sicht auf Zusammenhänge

Als Physiker interessiert sich Trap in erster Linie für Partikel. Für einen Chemiker sind es Moleküle und für die Kollegin aus der Biologie wiederum Zellen. „Das Interessante an unserem Job ist, dass wir mit unterschiedlichen Sichtweisen an die Sachen herangehen“, sagt der Leiter, der darin auch die große Herausforderung seiner Arbeit sieht: „In unserem Science Center wird viel Wert darauf gelegt, dass jeder von uns jeden Workshop übernehmen kann und sich damit zwangsläufig auch mit Dingen auseinandersetzt, die neu für ihn sind.“

Letzteres gilt im Grunde natürlich auch für Lehrer, die schließlich hin und wieder ihre Kollegen im Unterricht vertreten müssen. Doch da hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf. Wenn überhaupt, dann lässt die der Beruf des Science Communicators wohl am ehesten mit dem eines Entertainers vergleichen. „Wir müssen immer bereit sein, je nach Situation spontan zu reagieren“, erklärt Trap. Und um das Publikum bei Laune zu halten, müsse bei der Vermittlung der wissenschaftlichen Zusammenhänge immer die richtige Balance gefunden werden, fügt er hinzu. „Damit diejenigen, die sich mit der Thematik auskennen, nicht aus Langeweile abschalten.“

Kein Wettkampf zwischen Science Communicator und Lehrer

Und was ist mit den Lehrern? Sind diese denn nicht frustriert, wenn sie sehen, wie die Wissenschaftsvermittler die Schüler für Dinge und Zusammenhänge begeistern, während es ihnen selbst nicht gelingt? „In der Regel ist die Resonanz der Lehrer sehr positiv“, sagt der Science Communicator. „Wir sehen das ja auch nicht als Wettkampf um die Gunst der Schüler. Unsere Aufgabe besteht vielmehr darin, die Lehrer zu unterstützen“, so Trap.

Deswegen habe er auch kein Problem damit, es auch mal dem Lehrer zu überlassen, die wissenschaftlichen Zusammenhänge zu erklären. „Da sind wir für alles offen“, sagt der wissenschaftliche Leiter. „Was wir aber definitiv nicht mögen, sind Lehrer, die einfach nur in der Ecke stehen bleiben und ihre Schüler sich selbst überlassen.“

Autor: Uwe Hentschel

Foto: Uwe Hentschel

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