(C) Michel Brumat / Universität Luxemburg

Thorsten Lehnert und Sara Abed Masror Khah (Foto) verlassen sich auch auf eine aufschlussreiche Beziehung zwischen Pressefreiheit und Wirtschaftskrise.

In einer Studie zeigen Forscher der Uni Luxemburg, wie sich Pressefreiheit auf Marktschwankungen auswirkt und warum das gut für die Gesamtwirtschaft ist.

Die freie Vermittlung von Informationen in einem Land können zu verstärkten Schwankungen auf dem Finanzmarkt (Volatilität) führen - wegen vermehrter Aktienpreissprünge. Gleichzeitig weisen Länder mit höherer Pressefreiheit ein stärkeres Wirtschaftswachstum auf. Zu diesem Schluss kommen Professor Dr. Thorsten Lehnert und die Doktorandin Sara Abed Masror Khah von der „Luxembourg School of Finance“ in ihrer Studie Press Freedom and Jumps in Stock Prices, die im Journal Economic Systems erschienen ist.

Pressefreiheit führt zu mehr Wohlstand und Wachstum

In einem “freien” Umfeld sind Nachrichten und Informationen offen zugänglich und die Märkte reagieren unmittelbar darauf. Dies führt dazu, dass Wirtschaftsakteure wie Haushalte, Unternehmen, Investoren und die Politik neue Informationen besser verarbeiten können. Auf der anderen Seite können in einem „unfreien“ Umfeld, in dem die Medien für gewöhnlich stark von den Regierungen kontrolliert werden, Wirtschaftsnachrichten zurückgehalten oder deren Verbreitung verzögert werden, was zu geringeren sofortigen Auswirkungen an den Börsenmärkten führt.

Trotz geringerer Volatilität hat eine eingeschränkte Pressefreiheit aber keine positiven Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft. Lehnert erklärt: “Die Pressefreiheit in einem Land trägt positiv dazu bei, was Wirtschaftswissenschaftler als ,gute´ Volatilität auf den Börsenmärkten bezeichnen. Das führt zum Beispiel zu günstigen Bedingungen für Unternehmen, um die Risiken einzugehen, die für das Wirtschaftswachstum notwendig sind. Deswegen sollte es sicherlich nicht als Argument zur Einschränkung der Pressefreiheit verstanden werden. Im Gegenteil erzeugt Pressefreiheit mehr Wohlstand und Wachstum.”

Luxemburg in der Gesamtwertung weit vorne

Lehnert und Sara Abed Masror Khah beziehen sich auch auf ein interessantes Verhältnis zwischen Pressefreiheit und Wirtschaftskrisen. Mehrere EU-Mitgliedsländer sind im PFI Ranking seit der Finanzkrise 2008 deutlich nach hinten gerutscht. Griechenland zum Beispiel ist 64 Plätze zwischen 2009 und 2013 abgerutscht und kam auf den 99. Platz in einer Gesamtbewertung von 180 Ländern. Ungarn ist ebenfalls um 41 Plätze abgerutscht, vom 25. Platz im Jahr 2009 auf den 64. Platz 2013. Luxemburg hingegen, ein politisch stabiles Land, das weniger von der Krise betroffen war, kam 2009 auf den 20. Platz und hat es nach und nach auf den 4. Platz im Jahr 2013 geschafft.

“Auch wenn die Pressefreiheit die Börsenmärkte etwas volatiler macht, wirkt sie sich nicht nur positiv auf die Gesamtwirtschaft aus, sondern ist auch ein wesentlicher Bestandteil demokratischer Gesellschaften. Die Politik sollte eine unabhängige und faire Presse unterstützen”, schlussfolgert Lehnert.

Vorgehensweise der Forscher

Die Autoren haben auf Basis der Datenerhebung eines ausgewogenen Panels von 50 Ländern das Verhältnis zwischen Börsenmarkteigenschaften und Pressefreiheit analysiert, gemessen nach der jährlich von Reporter ohne Grenzen publizierten Rangliste der Pressefreiheit (PFI).

Foto © Michel Brumat / Universität Luxemburg

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