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Ein Großteil der Vitamin-D-Herstellung im Körper wird über UV-Strahlung, also vor allem die Sonneneinstrahlung auf der Haut stimuliert. Einen geringen Anteil nehmen wir über die Nahrung auf. Lange bekannt ist, dass Vitamin D eine entscheidende Rolle bei der Gesundheit der Knochen spielt. Und es gab in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Studien, die sich mit den gesundheitlichen Auswirkungen befasst haben. Luxemburg, wo aufgrund der klimatischen Verhältnisse die UV-Strahlung eher schwach ausgeprägt ist, war dennoch bislang eines von wenigen europäischen Ländern, in dem keine nationalen Daten über die Vitamin-D-Versorgung der Bevölkerung gesammelt wurden.

Raucher fast doppelt so anfällig für Vitamin-D-Mangel wie Nichtraucher

Im Rahmen der so genannten ORISCAV-LUX-Studie, die am Luxembourg Institute of Health (LIH) im Auftrag des Gesundheitsministeriums durchgeführt wurde, hat man erstmals mittels einer repräsentativen Stichprobe aus der Bevölkerung den Vitamin-D-Wert erfasst. „Die Studie wurde zwischen 2007 und 2008 mit Proben von 1432 gesunden Erwachsenen durchgeführt. In mehr als 80 Prozent der Fälle wurde ein Mangel an Vitamin D (weniger als 75 Nanomol pro Liter) festgestellt“, so Ala’a Alkerwi, Forscherin und Projektleiterin der ORISCAV-LUX-Studie.

In Verbindung mit soziodemografischen und klinischen Daten und Informationen zur Lebensweise der Teilnehmer erlauben diese Ergebnisse Rückschlüsse auf Bevölkerungsgruppen, die besonders gefährdet sind. „Raucher scheinen doppelt so anfällig für Vitamin-D-Mangel zu sein wie Nichtraucher“, erklärt Alkerwi. Zu den gefährdeten Gruppen gehörten auch Übergewichtige sowie Einwohner portugiesischer und nicht-europäischer Herkunft.

Vitamin-D-Mangel als Hinweis für ein schlechtes Wohlbefinden

„Interessant ist, dass Menschen, die ihren gesundheitlichen Zustand selbst als schlecht bezeichnen, in der Regel auch einen Vitamin-D-Mangel hatten“, so die Forscherin. Das deute darauf hin, dass ein geringer Vitamin-D-Wert als ein Kennzeichen für ein allgemein schlechtes Wohlbefinden zu sehen sei, fügt sie hinzu.

Die Ergebnisse sind für Ärzte und für Physiker von großer Bedeutung, zeigen sie doch, dass eine optimale Versorgung mit Vitamin D ein Indiz für gesundes Altern ist. „Es wird vermutet, dass es  zwischen Vitamin-D-Mangel in Kombination mit Osteoporose oder Muskelschwund einen Zusammenhang zu häufigen chronischen Erkrankungen wie Krebs,  Immun- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen gibt, betont Saverio Stranges, Co-Autor und Wissenschaftlicher Direktor des Population Health Department am LIH.

Aus Sicht der Forscher ist es daher unerlässlich, ein stärkeres Bewusstsein für die Bedeutung von Vitamin D zu entwickeln – und das sowohl in der Bevölkerung also auch bei den Vertretern der Gesundheitsberufe. Wichtig seien konkrete Empfehlungen, um auf dieses wichtige, aber bislang kaum beachtete Gesundheitsproblem in Luxemburg aufmerksam zu machen. Inwieweit eine orale Verabreichung von Präparaten ein probates Mittel gegen das Defizit sein könnte, sei noch nachzuweisen. An erster Stelle der Maßnahmen sollten jedoch die Förderung regelmäßiger Aktivitäten im Freien sowie Empfehlungen für die Verwendung gesunder Lebensmittel stehen.

Autor: Luxembourg Institute of Health
Foto: shotshop.com

Infobox

Vitamin D

 

Vitamin D oder genauer Vitamin D3 ist eigentlich kein Vitamin, sondern eine Substanz, die ähnlich wie ein Hormon funktioniert. Es beeinflusst die Proteinherstellung und den Stoffwechsel. Ein Großteil der Vitamin-D-Herstellung im Körper wird über Sonneneinstrahlung auf der Haut stimuliert. Einen geringen Anteil nehmen wir über die Nahrung auf, z.B. durch Fettfische oder Hühnereier. Vitamin D ist wichtig für die Gesundheit der Knochen, und es gibt Hinweise von Studien, dass ein Mangel die Anfälligkeit für chronische Krankheiten wie z.B. Krebs erhöhen kann.

 

ORISCAV-LUX-Umfrage

 

ORISCAV-LUX steht für Observation of Cardiovascular Risk Factors in Luxembourg. Die ORISCAV-LUX-Umfrage, bei der es also um die Beobachtung der Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ging, wurde zwischen November 2007 und Januar 2009 an einer repräsentativen Stichprobe der Bevölkerung durchgeführt.  Die epidemiologische Untersuchung zielte darauf ab, grundlegende Informationen über die Beschaffenheit  von veränderbaren und vermeidbaren Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sammeln, um so Zusammenhänge zu den Lebensgewohnheiten herleiten zu können.

Zusätzlich wurde ein Gesundheits-Programm entwickelt, über das Behörden mit Daten über den Gesundheitszustand der Bevölkerung versorgt werden. Diese Daten dienen als Grundlage für  Gesundheitsempfehlungen oder Präventionsprogramme.

 

Publikation

 

Die wissenschaftliche Publikation “Prevalence and Correlates of Vitamin D Deficiency and Insufficiency in Luxembourg Adults: Evidence from the Observation of Cardiovascular Risk Factors (ORISCAV-LUX) Study”, die in der internationalen Fachzeitschrift "Nutrients" veröffentlicht wurde ist hier abrufbar.

 

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