Teilnehmer des Workshops von John Schollar, John Watson und Fernand Schroeder im Jahr 2013.

(C) John Schollar

Das Bild zeigt Teilnehmer des Workshops von John Schollar, John Watson und Fernand Schroeder im Jahr 2013.

Seit mehr als 20 Jahren ist der Brite John Schollar bei Luxemburgs größtem Fest der Wissenschaften dabei.  Im Interview erklärt er, was ihn daran so reizt.

John Schollar, Sie gehören zu den vielen Teilnehmern des Luxembourgs Science Festivals. Was verbindet Sie mit der Wissenschaft?

Ich bin pensionierter Wissenschaftspädagoge und war bis vor einem Jahr Direktor des NCBE, einem Zentrum für naturwissenschaftliche Bildung an der University of Reading in Großbritannien. Die Gentechnik und die Molekularbiologie sind  in den letzten Jahren sehr weit fortgeschritten. Weshalb es wichtig ist, Lehrern und auch der Öffentlichkeit ein besseres Verständnis zu vermitteln von dieser Wissenschaft und Technologie, die hinter den Forschungsarbeiten in Laboratorien auf der ganzen Welt stehen. Ich glaube, dass Menschen mit einem besseren Verständnis fundiertere Entscheidungen über ihre Zukunft treffen können.

Sie sind bereits seit der Gründung des Festivals 1995 jedes Jahr mit einem Workshop vertreten. Wie kam es überhaupt dazu?

Ich war in den frühen 90er Jahren Mitglied eines europäischen Projekts namens EIBE, das von der Europäischen Kommission finanziert wurde. Dabei traf ich Johan Watson, der damals Lehrer an der Europäischen Schule in Luxemburg war. Er fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, beim ersten Luxembourg Science Festival mitzuwirken und mit ihm zusammenzuarbeiten. John wusste, dass ich zuvor schon viele Jahre bei den Science Festivals in Edingburgh und Cheltenham dabei gewesen war.

Und was reizt Sie an diesen wissenschaftlichen Festivals?

Ich liebe es, Dinge zu erfahren und zu hinterfragen. Und als Wissenschaftspädagoge möchte ich mein Interesse, meine Aufregung und mein Verständnis für die Biologie auch an andere weitergeben. Ein Großteil meiner Arbeit mit Schülern bestand immer darin, ihnen zu helfen, den Lehrplan der Schule zu verstehen. Aber wenn man mit Menschen beim Science Festivals zusammenarbeitet, kann das viel aufregender, ergiebiger und spaßiger werden. Lord Reith, der erste Direktor der BBC, sagte einmal, dass die BBC informieren, unterrichten und unterhalten solle. Und darin sehe ich auch meine Rolle, wenn ich einen Workshop bei einem Wissenschaftsfestival organisiere: Ich will informieren, unterrichten und unterhalten.

Mit welchen Forschungsthemen beschäftigen Sie sich dabei in Ihren Workshops?

Zu den großen Herausforderungen in der Molekularbiologie zählt, komplexe Ideen und Laborvorgänge für alle verständlich zu machen und praktische Anwendungen zu entwickeln, die von Schülern und der Öffentlichkeit sehr leicht durchgeführt werden können.  Wir haben zum Beispiel mit Hilfe von Hefe Strom erzeugt oder nach molekularbiologischen Beweisen für die Evolution des Mammuts gesucht. In einem Jahr konnten die Besucher des Festivals ihre eigene DNA aus ihren Backenzellen extrahieren und dann in kleine Mini-Reagenzgläser füllen, um sie dann als „DNA-Schmuck“ um den Hals zu tragen. Ich versuche jedes Jahr, eine neue Aktivität für das Wissenschaftsfestival zu entwickeln.

Und worum geht es dieses Mal?

In diesem Jahr werden John Watson und ich versuchen, die Smartphones der Besucher als Mikroskope zu verwenden, um Tier- und Pflanzenzellen zu untersuchen. Dazu wird mit Lego eine Halterung gebaut, um das Telefon in Position zu halten. Und mit Hilfe einer Kunststofflinse, wie wir sie aus Laserpointern kennen, werden wir das Bild vergrößern. Und zwar so groß, dass die Besucher alle Zellen deutlich sehen können. Für das „Fachpublikum“ habe ich etwa drei Millimeter dicke Glasperlen. Die können die Besucher des Wissenschaftsfestivals genauso verwenden wie Leeuwenhoek vor über 300 Jahren, als er sein eigenes Glasperlenmikroskop konstruierte. Damit umzugehen ist viel schwieriger als die Verwendung eines Laserobjektivs - aber der Aufwand lohnt sich, wenn man es richtig macht.

Sie kennen die Veranstaltung bereits seit Beginn und kommen immer wieder. Was ist so besonders am Luxembourg Science Festival?

Was mir vor allem gefällt, ist die Vielfalt der Besucher. Die Menschen kommen mit unterschiedlichen Hintergründen: Einige haben nur wenig wissenschaftliche Erfahrung, andere wiederum sind selbst in der Forschung tätig. Das Festival hat Besucher, die in Luxemburg geboren sind, die in Luxemburg ihre Heimat gefunden haben, oder aber nur dort arbeiten. Auch die Moderatoren kommen von den verschiedensten Institutionen aus ganz Europa. Das alles verleiht dem Festival ein sehr internationales Gefühl – und spiegelt damit auch das Wirken in der Wissenschaft wider. Auch dort kommen die Menschen aus allen Teilen der Welt, um gemeinsam in wissenschaftlichen Einrichtungen zu forschen.

Autor: Uwe Hentschel

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