(C) Florian Reimann

PISA-Testaufgaben sind wohldurchdacht. 2018 gibt es erstmals den Themenbereich interkulturellen Kompetenzen, der von internationalen Experten entwickelt wurde, darunter eine Reihe von Forschern der Universität Luxemburg. Einer von ihnen ist Christoph Kemper.

PISA-Fragen fallen nicht vom Himmel. Ehe der Test steht, gehen Jahre ins Land, in denen Konzepte entwickelt und Testaufgaben konstruiert und erprobt werden, um schließlich auf die verschiedenen Länder angepasst sowie in die jeweiligen Sprachen übersetzt zu werden. Christoph Kempers Arbeit an PISA 2018 ist bereits seit dem Herbst 2015 abgeschlossen. Gemeinsam mit anderen Forschern an der uni.lu wurden Aufgaben zum Themenbereich „Global Competence“ entworfen.

Diese Kompetenz ist ein Pisa-Novum, wie Christoph Kemper erläutert: „Neben dem inhaltlichen Schwerpunkt Lesefähigkeit werden 2018 erstmals auch Wissen und Verständnis über kulturelle Unterschiede, effektive interkulturelle Kommunikation, Anpassungsfähigkeit und Offenheit für andere Kulturen getestet. So soll erfasst werden, ob Schülerinnen und Schüler in einer globalisierten Welt effektiv und angemessen zu handeln in der Lage sind.“  Doch wie testet man so etwas?

Weshalb wurden die Tests gerade in Luxemburg entwickelt?

Christoph Kemper koordinierte während acht Monaten in Belval 13 Forscher, die sich auf drei Expertenteams verteilten. Dabei hatte er Zugriff auf eine Vielzahl spezifischer Kompetenzen. „An der uni.lu verfügen wir über international anerkannte Exzellenz im Bereich der psychologischen Diagnostik und der Testentwicklung, dem computerbasierten Testen sowie der Usability“, so der promovierte Psychologe, der 2015 nach Luxemburg kam. 

Ebenfalls hilfreich war laut Christoph Kemper eine generelle Charakteristik von Hochschule und Standort: „Die uni.lu sowie das Land sind mehrsprachig und multikulturell. So können wir z.B. bei den Testaufgaben Erfahrungen aus den verschiedenen Kulturkreisen mit einfließen lassen.“ Dieser Standortfaktor zählte neben den akademischen Hard Facts wohl auch zu den Gründen, weshalb das gemeinnützige US-Unternehmen „Educational Testing Service“ (ETS), das von der OECD mit dem Projektmanagement für PISA 2018 beauftragt wurde, die uni.lu als Partner ausgewählt hat.

Und zu welchen Erkenntnissen gelangt man mit den Tests? 

Die Luxemburger Experten, die von den beiden PISA- Veteranen“ Romain Martin und Samuel Greiff geleitet wurden, orientierten sich auch an den veränderten Lernbedingungen der Schüler, so Christoph Kemper: „Bereits in PISA 2015 wurden Testaufgaben überwiegend computergestützt bearbeitet. Das entspricht nicht nur der Lebensrealität der Zielgruppe Fünfzehnjähriger, sondern gewährt zudem Einblicke in deren Lernverhalten.“     

Dass solche Einblicke auch jenseits von PISA sehr informativ sein können, versteht sich von selbst. So plant Christoph Kemper gemeinsam mit dem Luxembourg Centre for Educational Testing (LUCET) gerade ein längerfristig angelegtes Projekt zur Rolle so genannter nicht-kognitiven Fähigkeiten im Lernprozess von Jugendlichen: „Wir wollen herausfinden, ob und wie Eigenschaften wie Fleiß, Beharrlichkeit und Selbstkotrolle zum Schulerfolg beitragen und auch untersuchen inwieweit diese elternhausabhängig sind. Sprich: Sind zum Beispiel Kinder aus Unternehmerhaushalten erfolgsorientierter?“

Autor: Sven Hauser
Foto: Florian Reimann

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Auch interessant: Nicht-kognitive Fähigkeiten bei Erwachsenen

Für Christoph Kemper sind nicht-kognitive Fähigkeiten auch bei Erwachsenen ein spannendes und praxisrelevantes Forschungsthema: „Wir sind gerade dabei, in Zusammenarbeit mit dem Berliner Unternehmen LUXX United GmbH eine Methodik zu entwickeln, mit der die Motivation von Berufstätigen umfassend gemessen werden kann. Das ist auf den ersten Blick etwas ganz anderes – und hängt doch zusammen.“ Die im Rahmen dieser Forschung erzielten Erkenntnisse will die uni.lu auch in anderen Ländern – und vor allem in Luxemburg selbst – mit privatwirtschaftlichen Partnern in den Markt hinein tragen, um Studierenden, Auszubildenden und Berufstätigen dabei zu helfen, Ihre Potentiale und Präferenzen zu erkennen und z.B. fundierte Karriereentscheidungen treffen zu können. 

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