Axel Hochkirch(MNHN)/Tiago de Sousa(ANF)

Beispiele von invasiven Pflanzen und Tieren in Luxemburg.

Axel Hochkirch studierte Biologie an der Universität Bremen, wo er im Fach Zoologie promovierte. Er habilitierte an der Universität Osnabrück und arbeitete danach als Laborleiter und außerplanmäßiger Professor im Fach Biogeographie der Universität Trier. Seit 2023 ist er Leiter der Naturschutzbiologie am Musée national d'histoire naturelle (MNHN) in Luxemburg. Axel Hochkirch engagiert sich bereits seit seiner Kindheit für Naturschutz und ist in zahlreichen internationalen Gremien tätig, insbesondere der IUCN Species Survival Commission, in der er das Komitee für den Schutz wirbelloser Arten und die Spezialistengruppe für Heuschrecken leitet. Seit 2026 ist er Präsident des „Observatoire de l'environnement naturel Luxembourg“. Foto: Axel Hochkirch. 

Nilgänse und Nutria, Asiatische Tigermücken und Hornissen, Riesenbärenklau und japanischer Staudenknöterich: immer mehr fremde Tier- und Pflanzenarten erobern unsere Natur. Wann gelten Arten überhaupt als einheimisch und wann als „invasiv“?

Axel Hochkirch: Eine Faustregel lautet: Pflanzen und Tiere, die auf natürlichem Weg zu uns eingewandert sind, gelten als einheimisch. In Mitteleuropa ist vor allem seit dem Ende der letzten Eiszeit - also vor etwa 11.000 Jahren - eine Wiederbesiedlung von Arten aus dem Süden Europas zu beobachten. Als gebietsfremd bezeichnen wir Arten, die ein Gebiet mit Hilfe des Menschen besiedelt haben: die sogenannten Neobiota.

Wie viele Neobiota sind in Luxemburg denn nachgewiesen?

Axel Hochkirch: Auf der Website Neobiota.lu sind 163 Arten gelistet, aber diese Zahl ändert sich ständig, da wir immer wieder neue Arten nachweisen. Dazu zählen auch viele unproblematische gebietsfremde Arten. Problematisch - also invasiv - sind sie erst dann, wenn sie in großer Zahl Lebensräume besiedeln, heimische Arten verdrängen oder wirtschaftliche Schäden anrichten. Das betrifft geschätzt vielleicht 30 bis 40 Arten. Die Asiatische Hornisse zum Beispiel, die 2020 erstmals in Luxemburg auftauchte und sich rasant ausbreitet, jagt gezielt vor Bienenstöcken, frisst unsere Bienen und kann ganze Stöcke vernichten. Damit schadet sie der Imkerei.

Die Asiatische Hornisse (Foto: Axel Hochkirch) 

Die aus Südamerika eingeführte Kartoffel zum Beispiel gilt also nicht als invasiv…

Axel Hochkirch: Nein, Nutzpflanzen nicht - zumindest solange sie sich nicht in die freie Landschaft ausbreiten. Der Begriff „invasiv“ ist in der Wissenschaft ohnehin umstritten, denn oft wissen wir nicht genau, ob sich eine neue Art tatsächlich negativ auswirkt. Bei der Nilgans zum Beispiel ist sich die Forschung noch uneins. Sie hat sich in Luxemburg und Europa stark ausgebreitet und man fürchtet, dass sie heimische Wasservögel verdrängt. Ich habe selbst zur Aggressivität von Wasservögeln geforscht und dabei zeigte sich, dass die Nilgans sich nicht aggressiver verhält als Graugänse oder Kanadagänse, und zum Beispiel deutlich weniger aggressiv als das heimische Blässhuhn. Andererseits haben Wissenschaftskollegen im Naturschutzgebiet Haff Réimech beobachtet, dass die Nil- und Kanadagänse dort viel junges Schilf fressen und so die Schilfbestände reduzieren. Das wiederum kann seltene einheimische Vogelarten, die dieses Schilf zum Nisten brauchen, bedrohen.

Die Nilgans (Foto: Axel Hochkirch) 

Können Sie uns weitere Beispiele dafür geben, wie invasive Tier- oder Pflanzenarten unsere Umwelt verändern?

Axel Hochkirch: Einige Tierarten wie der Waschbär sind Räuber und beeinflussen die Populationen ihrer Beutetiere. Beim Waschbär weiß man, dass insbesondere Amphibien wie Frösche unter ihm leiden. Manche Pflanzenarten verdrängen die heimischen durch Konkurrenz. Der japanische Staudenknöterich bildet zum Beispiel sehr große, dichte Bestände, in denen keine anderen Pflanzen mehr wachsen können. Wenn er sich stark ausbreitet, gehen ganze Lebensräume verloren.

Welche Arten machen Ihnen derzeit besondere Sorgen?

Axel Hochkirch:  Einzelne invasive Arten haben einen sehr starken Effekt. Zum Beispiel der invasive Chytridpilz, der die Haut von Amphibien besiedelt und schon zum Aussterben ganzer Arten in Mittelamerika geführt hat. Auch die Amphibienpopulationen in Luxemburg leiden unter diesem Pilz. Seit kurzem beobachten wir in Luxemburg zudem eine Art dieser Pilzgattung, die Feuersalamander befällt.

Am stärksten bedroht sind heimische aquatische Arten und Arten der Auenlandschaften. Neben dem bereits erwähnten invasivem Staudenknöterich besiedeln das Drüsige Springkraut und der Riesenbärenklau solche Lebensräume und verändern sie nachhaltig. In unseren Gewässern leben auch invasive Krebsarten, invasive Fische und invasive Wasserpflanzen, die zum Beispiel bestimmte Muscheln und Krebse bedrohen.

Links: Drüsiges Springkraut (Foto: Axel Hochkirch); Rechts: Riesenbärenklau (Foto: Adobe Stock)

Welche Eindringlinge können auch unserer Gesundheit schaden?

Axel Hochkirch: Da wäre zunächst der Riesenbärenklau, da sein Saft Giftstoffe enthält, die in Verbindung mit Sonnenlicht starke Hautausschläge mit Blasenbildung verursachen können. Im Jahr 2022 wurde zudem erstmals die Asiatische Tigermücke in Luxemburg nachgewiesen. Diese macht selbst zwar allein keine Probleme, sie ist aber dafür bekannt, Krankheiten wie das Dengue-Fieber, das Chikungunya-Fieber und das Zika-Virus zu übertragen. Bislang wurden diese Krankheiten nur im Mittelmeerraum beobachtet. Aber mit dem wärmer werdenden Klima ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie auch bei uns auftauchen.

Links: Riesenbärenklau in Merl (Foto: neobiota.lu); Rechts: Weibliche asiatische Tigermücke zu Beginn der Blutmahlzeit (Foto: James Gathany/CDV via Wikimedia Commons);

Sind invasive Tiere das größte Problem – oder Pflanzen?

Axel Hochkirch: Meiner Meinung sind Pflanzen die größere Herausforderung. Tiere erregen mehr Aufmerksamkeit, aber nur eine Handvoll der Arten bereitet Probleme. Bei den Pflanzen gibt es deutlich mehr invasive Arten und sie breiten sich auf viel größeren Flächen aus. Der japanische Staudenknöterich wird vermutlich die problematischste Art überhaupt in Luxemburg, weil er sich über riesige Areale verbreitet und unglaublich schwer zu bekämpfen ist.

Warum?

Axel Hochkirch: Seine Wurzeln haben ähnlich wie Bambus unterirdische Rhizome. Das sind extrem überlebensfähige Erdsprossen. Diese Rhizome können viele Meter in die Erde reichen und schaffen es auch aus tiefen Bodenschichten wieder ans Tageslicht. In Luxemburg hat man lokal versucht, solche Pflanzen auszugraben, und musste die Stelle dafür vier Meter tief ausschachten. Aufwand und Kosten sind enorm. Fällt beim Abtransport kontaminierter Erde ein fünf Zentimeter langes Rhizom vom Lkw, breitet sich die Pflanze wieder aus.

Der japanische Staudenknöterich (Foto: Tim Chambers)

Wie wurden diese Arten denn eingeschleppt?

In Luxemburg spielt der Gartenbau eine große Rolle. Viele invasive Pflanzen wie die Lorbeerkirsche oder der Sommerflieder, der in bestimmten Lebensräumen für heimische Arten problematisch ist – auch Schmetterlingsstrauch genannt – werden in Gartencentern verkauft, in Privatgärten angepflanzt und verbreiten sich durch Vögel in unseren Wäldern. Auch Schädlinge wie bestimmte Pflanzenläuse oder neue Zeckenarten werden oft über die Erde von Gartenpflanzen eingeschleppt. Die Asiatische Hornisse gelangte über Töpferware nach Europa, also über den Handel.

Was ist so schlimm an der Lorbeerkirsche?

Ihre Blätter sind hart und extrem langlebig, unsere heimischen Organismen können sie nicht zersetzen. Unter Lorbeerkirschen wächst also nichts anderes, und das verändert die gesamt Strauchschicht in unseren Wäldern. Gleiches gilt für den Staudenknöterich: Um ihn herum wächst nichts anderes mehr, so dass Insekten, die auf bestimmte heimische Pflanzen spezialisiert sind, keine Nahrung mehr finden. Weil wir unsere Gärten und Landschaften rund um den Globus immer einheitlicher mit den gleichen Zierpflanzen gestalten, sterben so immer mehr Arten aus.

Lorbeerkirsche im Naturschutzgebiet Haard – Hesselsbierg – Staebierg bei Dudelange (Foto: Tiago De Sousa/ANF aus dem Jahr 2017)

Invasive Arten: Das kannst Du selbst dagegen tun

Im eigenen Garten: Verzichte auf bestimmte invasive Arten wie den Sommerflieder (Buddleja) oder die Lorbeerkirsche (auch Kirschlorbeer genannt). Heimische Pflanzenarten im Garten haben den Vorteil, dass unsere heimischen Insektenarten davon profitieren, da sie häufig auf eine Pflanzenart spezialisiert sind und Arten aus Nordamerika oder China nicht nutzen können. Entsorge keine invasiven Arten in der Natur oder der Biotonne. Informationen zu Gartenpflanzen liefert die Broschüre “Invasive Neophyten und ihre Alternativen”. Importiere keine Olivenbäume  – mit der Erde oder in der Rinde werden häufig Eier und Larven von Insekten eingeschleppt.

Haustiere: Fische, Krebse, Wasserpflanzen oder Reptilien aus Terrarien niemals in der freien Wildbahn aussetzen. Dies ist ebenfalls eine häufige Ursache für das Vorkommen invasiver Arten, wie etwa der Rotwangen-Schmuckschildkröte am Haff Réimech.

Reisen: Kein Obst, Pflanzen oder Tiere aus exotischen Ländern importieren. Wanderschuhe und Wassersportausrüstung vor und nach Reisen gründlich reinigen.

Mitmachen: Neue invasive Tier- und Pflanzenarten können Bürger zum Beispiel über inaturalist.lu melden.

Infos: Mehr hierzu auf emwelt.lu, auf www.neobiota.lu  sowie in diesem Video über gebietsfremde Arten.

Wer überwacht diese Invasion in Luxemburg überhaupt - und wie?

Axel Hochkirch: Die Natur- und Forstverwaltung (Administration de la nature et des forêts – ANF), das Naturmusée, aber auch Naturschutzorganisationen sammeln Daten zur Biodiversität. Außerdem geben viele Naturliebhaber ihre Beobachtungen auf Citizen Science Plattformen wie inaturalist.lu weiter, laden Fotos hoch und tragen so zur Wissenschaft bei. Allein zur Asiatischen Hornisse schnellten die Meldungen von Bürgern letztes Jahr auf über 600 nach oben. Alle Meldungen zur Biodiversität in Luxemburg laufen bei den Forschern des Museums in einer Datenbank zusammen. Neben Erfassung und Statistik sind wir auch für die Weitergabe der Daten an internationale Stellen verantwortlich.

Luxemburg verfügt außerdem über ein Alert-System, das alle zuständigen Akteure informiert, wenn irgendwo eine invasive Art auftaucht. Einmal täglich erhalte ich Meldungen auf den Bildschirm. Wir sind jetzt dabei, dieses Warnsystem zu überarbeiten, um gezielt gegen neu auftauchende Arten und Arten mit akutem Handlungsbedarf vorzugehen. Für deren Bekämpfung ist vor allem die Natur- und Forstverwaltung (Administration de la nature et des forêts - ANF) zuständig. Und weil in Luxemburg die Entscheidungswege kurz sind, kann die Behörde auch schnell handeln.

Alle Akteure treffen sich regelmäßig in einem Expertengremium für gebietsfremde Arten. Daran nehmen neben den Behörden und den Wissenschaftlern des Naturmusée auch Forscher des Luxembourg Institute of Science and Technology (LIST) sowie Vertreter aus der Praxis wie der Naturparks oder Naturschutzsyndikate teil. Gemeinsam besprechen wir aktuelle Trends und setzen Aktionspläne auf.

Und welche invasive Arten in Luxemburg werden zurzeit prioritär bekämpft?

Axel Hochkirch: Die Asiatische Hornisse steht tatsächlich ganz oben auf der Liste. Aber die Zahl der Nester ist inzwischen so groß, dass es der ANF nicht mehr möglich ist, alle zu bekämpfen. Daher müssen geschädigte Imker immer häufiger auf kommerzielle Anbieter zurückgreifen. Auch der gesundheitsgefährdende Riesenbärenklau wird bekämpft.

Was sind nach Stand der Forschung die vielversprechendsten Methoden, um invasive Arten zu verhindern oder zumindest ihre Verbreitung einzudämmen?

Axel Hochkirch: Das hängt sehr stark von der invasiven Art ab. Der erste Hebel ist, Einschleppung zu verhindern. Insbesondere muss beim Transport von Waren und Personen stärker aufgepasst werden. Wer Obst aus anderen Ländern mitbringt, kann damit schnell eine invasive Insektenart transportieren. In Neuseeland wird bei der Einreise sehr auf saubere Schuhsohlen geachtet, damit keine Pflanzensamen eingeschleppt werden. Ganz wichtig ist auch, die ersten Vorkommen neuer Arten direkt zu bekämpfen. Die Asiatische Hornisse etwa hätte man direkt nach ihrer Einführung in Frankreich 2004 bekämpfen müssen. Heute ist dies kaum noch möglich.

Das Europäische Gesetz zu invasiven Arten verpflichtet die Mitgliedstaaten, die Ausbreitung einzudämmen. Die Liste mit den darauf aufgeführten Arten wird immer wieder angepasst. Neu aufgenommene Arten wie 2025 der japanische Staudenknöterich dürfen dann nicht mehr verkauft werden. Der Gartenhandel ist also auch ein wichtiger Hebel. Die meisten Arten lassen sich leider nicht mehr vollständig eliminieren. Dies ist nur beim Kanadischen Biber gelungen.

Was ist dann die Strategie?

Axel Hochkirch: Die Tendenz geht dahin, zu versuchen, die Arten lokal vor allem dort, wo sie besondere Schäden anrichten, einzudämmen. So bekämpfen wir gerade einen größeren Staudenknöterich-Bestand in einem Gebiet nahe Koerich, damit er sich von dort aus nicht flussabwärts ausbreitet und die Nahrungsquellen seltener Wildbienen- und Fliegenarten verdrängt. Zudem gibt es verschiedene Aktionspläne der ANF: Tümpel werden umzäunt, um Frösche gegen Waschbären zu schützen, bei Nilgänsen werden die Eier entfernt.

Dazu zählt auch die sachgemäße Entsorgung von Grünabfällen oder kontaminierter Erde, die die Ausbreitung von invasiven Pflanzen und Schädlingen reduzieren sollen. Denn diese gehören nicht in die Biotonne (siehe Infokasten). Aufklärung ist ebenfalls wichtig. So wachsen manche invasiven Arten entlang von Radwegen, werden dann abgemäht und verbreiten sich so noch stärker weiter.

Der Waschbär (Foto: Axel Hochkirch)

Sind solche Bekämpfungspläne tatsächlich wirksam?

Axel Hochkirch: Pläne sind wichtig, um strategisch vorzugehen. So macht es etwa keinen Sinn, den japanischen Staudenknöterich in einem bestimmten Gebiet zu bekämpfen, wenn es flussaufwärts noch weitere Vorkommen gibt, von der das Gebiet schnell wieder besiedelt werden kann. Wenn man aber von der Quelle zur Mündung vorgeht, kann die Bekämpfung gelingen. Ist eine Art nicht mehr auszurotten, so kann zumindest ihr Einfluss an besonders kritischen Stellen reduziert werden. So hat man in Neuseeland erfolgreich Brutgebiete seltener Vögel umzäunt, um invasive Igel oder Katzen fernzuhalten.

Es gab schon Initiativen, um invasive Tiere wie den Signalkrebs in der Gastronomie zu verwenden. Ist es vielversprechend, neue Arten im Kochtopf oder zur Energiegewinnung zu verwerten?

Axel Hochkirch: Das sind bisher nur Ideen, es gibt noch wenig Forschung dazu. Wenn man invasive Arten wirtschaftlich verwertet, hat die Bekämpfung vermutlich größere Erfolgsaussichten. Ein Problem ist ja, dass die für die Bekämpfung zuständigen Behörden unterfinanziert und personell unterbesetzt sind.

Weiblicher Signalkrebs (Foto: Astacoides via Wikimedia Commons)

Ist der Kampf gegen invasive Arten damit letztlich chancenlos?

Axel Hochkirch: Nein. Entscheidend ist, den Kampf von der heimischen Art her zu denken und zu planen. Das heißt, zuerst die besonders gefährdeten heimischen Arten zu bestimmen und dann zu schauen, wie man sie schützen kann – das ist erfolgsversprechender, als einfach gegen Listen invasiver Arten zu kämpfen. Ziel der EU ist, bis 2030 die Anzahl der durch invasive Arten gefährdete Arten zu halbieren. In Luxemburg haben wir dazu vor zwei Jahren mit Experten eine Bestandsaufnahme gemacht, eine Strategie und Maßnahmen entwickelt. In einem kleinen Land wie Luxemburg sind wir dabei natürlich auf internationale Zusammenarbeit angewiesen. Die Belgier etwa haben ein geographisches Informationssystem entwickelt, um die Bekämpfung von Pflanzen entlang von Gewässern strategischer planen zu können. Auch Luxemburgs Strategie konzentriert sich auf gefährdete Arten entlang von Gewässern. Das belgische System soll deshalb nun auch in Luxemburg getestet werden.

Manche Naturschützer betrachten die Einwanderung neuer Arten als natürliche Dynamik und fordern Gelassenheit…

Axel Hochkirch: Die Frage ist doch, in was für einer Welt wir leben wollen. Die meisten Menschen freuen sich an seltenen und schönen Tieren und Pflanzen. Und meines Erachtens hat jede Art ein Recht auf dieser Erde zu leben. Insofern haben wir eine Verantwortung für unsere Umwelt. Dazu gibt es einen breiten Konsens. Fast alle Länder der Welt bis auf die USA haben die internationale Biodiversitätskonvention unterzeichnet. In Europa sind invasive Arten nicht das Problem Nr.1 für Flora und Fauna. Die größte Bedrohung für unsere Biodiversität sind intensive Landwirtschaft und Urbanisierung. In anderen Ländern und besonders auf Inseln wie zum Beispiel den Azoren sieht das jedoch völlig anders aus: Dort bedrohen invasive Arten die unglaubliche Vielfalt endemischer Arten sehr. Gelassenheit hilft diesen Regionen nicht.

Was fasziniert Sie persönlich so an Ihrer Arbeit?

Axel Hochkirch: Alle Tiere und Pflanzen sind einzigartig. Je intensiver man sich mit ihnen beschäftigt, desto mehr entdeckt man. Selbst kleine Fruchtfliegen zeigen aufwändige Balztänze! Außerdem verzeichnet der Naturschutz viele Erfolge. In meiner Kindheit in den 70er-Jahren gab es quasi keine Graureiher mehr, heute sehen wir sie überall. Schwarz- und Weißstorch sind zurück in Europa, viele Fischotter- und Libellenarten haben sich dank Gewässerschutzmaßnahmen erholt, der Biber und sogar der Wolf sind zurück. Das hätte sich noch in den 80er-Jahren niemand vorstellen können.

Interview: Britta Schlüter
Redaktion: Michèle Weber & Jean-Paul Bertemes (FNR) 

 

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