Internet of Things

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Internetfähige Geräte sind heutzutage quasi omnipräsent.

Herr Mock, man hat das Gefühl, dass sich immer mehr Geräte ans Internet ankoppeln, während dies früher auf den Computer beschränkt war…

Tatsächlich. Internetfähige Geräte sind heutzutage quasi omnipräsent. Die Firma McKinsey schätzt, dass weltweit jede Sekunde 127 neue Geräte an das Internet angeschlossen werden. Bis 2025 ist anzunehmen, dass es dann 64 Mrd. Geräte sein werden. Das reicht vom Babyphone, über Kameras bis zu Temperatursensoren. Es gibt Messgeräte zum Energieverbrauch, Wasserzähler, Google Home, Alexa…

Und es geht immer schneller…

Ja. Eine Folge von dem, was wir Mooresches Gesetz nennen. Dieses besagt, dass sich ca. all 18 - 24 Monate die Anzahl der Transistoren auf Chips verdoppelt, wodurch sich die Rechenleistung in den letzten Dekaden exponentiell erhöht hat. Tatsächlich geht die Entwicklung dadurch rasant voran. Heutzutage ist es vergleichsweise billig, einen Chip in alle möglichen Geräte einzubauen. Zudem hat sich die Datenübertragung enorm verbessert, das Internet ist fast allgegenwärtig.

So, dass selbst Wasserflaschen ans Internet angeschlossen werden…

Sie spielen auf die „Smart-Waterbottle“ an. Ein Beispiel, dass ich auch in meinen Vorlesungen bringe. Die Flasche wird mit einem Sensor ausgestattet, der dem Nutzer meldet, ob er oder sie genug getrunken hat. In manchen Situationen kann das vielleicht tatsächlich hilfreich sein, wenngleich es natürlich in erster Linie eine Spielerei ist. Es gibt aber auch ausgesprochen sinnvolle Einsatzbereiche.

Wo etwa?

Über ein Beispiel aus meinem eigenen Arbeitsbereich berichte ich als Keynote-Speaker auf der anstehenden AdHoc-Now-Konferenz 2019 in Luxemburg: Zusammen mit Kollegen arbeite ich an der Universität Santa Barbara in Kalifornien an einem Smart-Farming-Projekt. Wir unterstützen dort Landwirte mit ans Netz angebundenen Sensoren darin, Zitrusfrüchte vor Frost zu schützen – durch den gezielten Einsatz einer Art riesiger Föne, die nur dort zum Heizen verwendet werden, wo es nötig ist. Sehr sinnvoll ist es in der Landwirtschaft auch, Düngemittel oder Pflanzenschutzmittel dank moderner Sensorik nur dort einzusetzen, wo es nötig ist.

Das klingt nach hochentwickelter, teurer Technik. Kommt so etwas nur in privilegierten, westlichen Ländern zum Einsatz?

Derzeit ist dies natürlich noch im Wesentlichen in entwickelten Ländern verbreitet. Ich habe aber auch ein anderes Projekt mit einem Stipendiaten aus Peru durchgeführt. Zusammen haben wir neue Techniken entwickelt, die eine Kommunikation von Sensoren auch dort erlaubt, wo es keine flächendeckende Mobilfunkabdeckung gibt. Die Sensoren selbst kommunizieren mit dem so genannten Zigbee-Protokoll, einem neuen Kommunikationsprotokoll das im Bereich Internet der Dinge entstanden und populär geworden ist. So etwas hilft dann auch in ländlichen Regionen von Entwicklungsländern.

Was wäre ein weiterer, sinnvoller Anwendungsbereich?

Denken Sie an den Energiebereich. Das Rocky-Mountain-Institut hat berechnet, dass wir unseren Energieverbrauch um den Faktor vier reduzieren könnten, wenn wir Energie effektiver einsetzen würden. Mit den heutigen Sensoren können wir uns dem nähern. An der Hochschule und kooperierenden Technologiezentren in Landshut haben wir beispielsweise Stromzähler, Fotovoltaikanlagen, Wasserleitungen und Wetterstationen an das Netz angebunden. So können wir in Zukunft die Energiesysteme intelligent steuern und etwa ein kleines Blockheizkraftwerk je nach Bedarf und Wetterlage aktivieren. Wir sehen zudem sofort, wenn irgendwo etwas schiefläuft, etwa eine Wasserleitung leck geschlagen ist und der Wasserverbrauch in die Höhe schießt.

Vielen Menschen ist so eine genaue Überwachung auch nicht ganz geheuer…

Datensicherheit ist ein wichtiges Thema und es werden zum Teil Fehler wiederholt, die man glaubte überwunden zu haben. 2016 gab es einen großen Angriff auf einen Internetdienst. Und dieser wurde nicht von einzelnen Rechnern aus durchgeführt, sondern von Babyphonen, die mit einem einfachen Passwort ausgeliefert wurden, das häufig nicht geändert wurde. Hacker haben die Geräte dann erfolgreich zusammengeschaltet und für den Angriff missbraucht. Die Menschen sind heutzutage schon viel sensibler, was die Sicherheitsthematik angelangt, dennoch muss noch mehr Bewusstsein hierfür entstehen.

Was erwarten Sie vom Internet of Things für die nächsten zehn Jahre?

Prognosen sind schwer – vor allem wenn sie die Zukunft betreffen. Ich kann mir aber gut Geräte vorstellen, die mehr Unterstützung im Alltag bieten und die Menschen anstuppsen, man redet vom Nudging, ein richtiges Verhalten an den Tag zu legen: Etwa im ökologischen Bereich oder im Energiebereich. Es wäre auch sehr wünschenswert, wenn die Landwirtschaft, dank elektronischer Unterstützung, zielgenauer und umweltfreundlicher arbeiten könnte.

Text: Tim Haarmann

Infobox

Kurzlebenslauf

Markus Mock ist Informatiker und Professor im Bereich mobile und verteilte Systeme an der Hochschule Landshut. Seine Forschungsschwerpunkte liegen unter anderem im Bereich maschinelles Lernen, Internet of Things und Energieeffizienz durch Big Data. Bevor er an die Hochschule Landshut berufen wurde, arbeitete er im Silicon Valley unter anderem für Google und Amazon und als Assistenzprofessor an der Universität Pittsburgh. Markus Mock wurde an der Universität Washington promoviert.

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