5G

Pixabay, Mohamed Hassan

5G ist ein Mobilfunkstandard, der, wie auch 4G oder 3G, ermöglicht Daten mit Hilfe von elektromagnetischer Strahlung zu übertragen.

In Luxemburg steht der Aufbau von 5G kurz bevor. Im Juli wurden Frequenzen im 700 MHz und 3600 MHz Band an lokale Mobilfunk­anbieter versteigert. Die ersten 5G-Netze sollen bereits Ende des Jahres in der Hauptstadt zur Verfügung stehen. Doch, wie auch in anderen Ländern, regt sich Widerstand gegen den neuen Mobilfunkstandard. Am 24. April 2020 wurde beim Parlament eine Petition eröffnet, die den Ausbau von 5G in Luxemburg sofort und definitiv stoppen will. Die nötigen 4500 Unterschriften waren innerhalb kürzester Zeit beisammen. Die Petition wird  am 6. Oktober ab 14 Uhr im luxemburgischen Parlament diskutiert.

Da das Thema komplex ist, zum Teil heftig diskutiert wird und im Internet viele Argumente und Studien zu finden sind, die sich teilweise wiedersprechen, haben wir den aktuellen Stand der Wissenschaft zum Thema recherchiert und in diesem Faktencheck zusammengetragen. Wir wollen hiermit einen Überblick über den aktuellen Kenntnisstand vermitteln und dazu beitragen, die Diskussion zu versachlichen.

Wir gehen im folgenden Artikel darauf ein, was 5G ist, wie die Technologie sich von 4G unterscheidet und wie sie in Zukunft genutzt werden soll. Wir beleuchten außerdem, ob es wissenschaftliche Belege für gesundheits- oder umweltschädliche Effekte von 5G gibt und geben Einschätzungen zu wissenschaftlichen Studien und Berichten. Dabei gehen wir gesondert auf die Herausforderungen ein, die sich für die Forschung stellen, den Effekt von 5G auf unsere Gesundheit wissenschaftlich zu prüfen.

Da dieser Beitrag sehr ausführlich ist, hier zuerst eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Punkte:

5G und die Kontroverse um 5G - in a nutshell

5G ist ein neuer Mobilfunkstandard. Die Mobilfunkindustrie nummeriert ihre Technologie-Generationen durch. Bei 1G waren wir noch analog unterwegs, ab 2G dann digital. Mit 3G wurde die mobile Internetgeschwindigkeit größer und nahm mit dem aktuellen 4G nochmals zu. 5G ist nun die neue Generation, die bald Standard werden soll. 5G wird das Internet nochmals schneller machen, indem größere Datenmengen übertragen werden können. Zudem hat 5G eine geringere Latenzzeit, funktioniert also mit bedeutend weniger Zeitverzögerung – was neue Anwendungsbereiche ermöglicht. (z.B. in den Bereichen Internet der Dinge, Robotik, Telemedizin, …) für die Industrie. Außerdem ermöglicht 5G, dass mehr Geräte eine einzelne Funkzelle nutzen können.

In einer ersten Phase kann man übrigens noch nicht über 5G telefonieren. Dies wird, zumindest vorerst, noch weiter über 4G passieren. 5G gilt anfänglich nur für Internet-Datenübertragung.

5G nutzt, wie auch schon 3G und 4G oder andere drahtlose Technologien wie z.B. Wifi, elektromagnetische Strahlung. In einer ersten Phase sind die Frequenzen, die für 5G genutzt werden, ähnlich denen, die für 3G und 4G benutzt wurden (in den Bereichen 700 MHz und 3,6GHz) In einer zweiten Phase sollen dann auch höhere Frequenzen genutzt werden (im Bereich 26GHz).

Dies ist Teil der Kontroverse um 5G: Kritiker sagen, dass diese höheren Frequenzen problematisch seien für unsere Gesundheit, weil sie energiereicher sind als die Strahlung bei 4G und es noch keine Langzeitstudien und -erfahrungen gibt. Bedenken kreisen z.B. um das Krebsrisiko, die Spermienqualität, Strahlensensibilität oder oxidativen Stress in den Zellen. Befürworter sagen, sie seien keine Gefahr für die Gesundheit der Menschen, da es sich um nicht-ionisierende elektromagnetische Strahlung unterhalb der Grenzwerte handelt, die nicht genügend Energie enthält, um den menschlichen Zellen bzw dem Körper Schaden zuzufügen. Die luxemburgische Regierung betont, dass sie sich an die « Recommandation du Conseil du 12 juillet 1999 relative à la limitation de l'exposition du public aux champs électromagnétiques de 0 Hz à 300 GHz » (1999/519/EU) hält, welche Maximalwerte angibt, um den Schutz der Bevölkerung gegenüber elektrischen Feldern zu gewährleisten.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Strahlenbelastung durch 5G insgesamt steigen soll, hauptsächlich dadurch, dass mehr Antennen gebraucht werden, aber auch dadurch, dass dann mehr Daten transferiert werden. Befürworter halten dem entgegen, dass 5G pro Datenvolumen weniger Energie braucht, dass die Strahlung zielgerichteter (und dadurch weniger) wird und dass, falls mehr Antennen vorhanden sind, die Strahlung abnimmt, weil Handys dann besseren Empfang haben und sowieso die meiste Strahlung, der der Mensch ausgesetzt ist, vom Handy und nicht von den Antennen ausgeht. Dazu muss auch angemerkt werden, dass in vielen Ländern, u.a. auch in Luxemburg, 4G an seine Grenzen stößt, und also auch für 4G weitere Antennen gebraucht werden.

Den letzten Punkt, ob durch 5G nun die Strahlenbelastung hoch oder runter geht, kann die Wissenschaft im Voraus wohl nicht sicher beantworten. Tatsächlich ermöglicht die Technologie, Strahlenbelastung durch die oben genannten Effekte zu reduzieren. Diese Effekte werden aber möglicherweise durch den sogenannten Rebound-Effekt und durch die zusätzlichen Antennen aufgehoben, oder führen gar eventuell tatsächlich zu mehr elektromagnetischer Strahlung als bisher. Schwer zu sagen ist dies auch deshalb, weil auch ohne 5G das mobile Datenvolumen weltweit permanent steigt. Zurzeit geht man davon aus, dass sich das weltweite mobile Datenvolumen alle 12-18 Monate verdoppelt. Je mehr Daten verschickt werden, desto höher die Strahlenbelastung. Es wird also schwer sein zu ermitteln, wie viel Strahlung genau auf 5G zurückzuführen sein wird und wie viel auf den ohnehin stattfindenden Datenvolumenwachstum.  

Was nun die Frage der Gesundheitsschädlichkeit der elektromagnetischen Strahlung angeht, ist der Stand der Wissenschaft, dass es keine eindeutige wissenschaftliche Evidenz dafür gibt, dass die von 5G genutzten Frequenzen schädlich sind für den menschlichen Körper. Es gibt eine ganze Reihe Studien, die sich mit 3G und 4G beschäftigt haben. Wenn man diese all zusammen betrachtet, kann kein eindeutiger Beweis für gesundheitsschädliche Effekte gefunden werden - und 5G nutzt ja einen Teil seiner Frequenzen in ähnlichen Bereichen wie 3G und 4G. Was die Frequenzen von 5G angeht, die höher sind als die von 3G/4G, so sind auch diese in einem Bereich angesiedelt, für den es insgesamt keine wissenschaftliche Evidenz für Gesundheitsgefährdung gibt. Es gibt jedoch vereinzelte Studien, die negative Effekt zeigen. Einige davon sind allerdings umstritten, weil sie methodologische Fehler enthalten. Und es gibt einzelne Studien, die keine negativen Effekte zeigen. Das macht die Sache kompliziert: Jedes Lager findet Studien, die ihre Thesen belegen. Aufschlussreicher sind hier sogenannte Meta-Studien, die viele Studien zusammen analysieren und als Kollektiv auswerten. Tut man dies, stellt sich heraus, dass es insgesamt eben keine wissenschaftliche Evidenz für eine Gesundheitsgefährdung für den Menschen durch 5G gibt.

Was die Sache nun aber kompliziert macht: Es gibt auch keine absolute Sicherheit, dass 5G bzw elektromagnetische Strahlung in Frequenzbereichen wie 5G nicht schadet. Langzeitstudien gibt es auch nicht, da 5G eben erst in den Startlöchern steht. Die WHO beispielsweise klassifiziert wegen dieser Unsicherheiten elektromagnetische als «möglicherweise krebserregend». Was bedeutet das? Die Kontextualisierung ist hier wichtig (siehe Infobox).

Die WHO stuft potentielle Krebserreger in fünf Gruppen ein.

  • Gruppe 1 bedeutet krebserregend, wie z.B. Rauchen, alkoholische Getränke, Plutonium oder Asbest.
  • Gruppe 2A bedeutet wahrscheinlich krebserregend, wie z.B. rotes Fleisch, Acrylamid, Nachtschichtarbeit oder offene Kamine
  • Gruppe 2B bedeutet möglicherweise krebserregend wie eben etwa nicht-ionisierende elektromagnetische Strahlung, Benzin, Chloroform oder eingelegtes Gemüse
  • Gruppe 3 bedeutet dass eine Bewertung des Krebsrisikos nicht möglich ist, wie z.B. bei Koffein oderTee
  • Gruppe 4 bedeutet wahrscheinlich nicht krebserregend, wie etwa Caprolactam

Die Klassifizierung “möglicherweise krebserregend” heißt, dass es Hinweise, aber keine Beweise für eine Gefährdung gibt, und dass die Forschung deshalb das Thema im Auge behalten sollte. Die Klassifizierung richtet sich also nach der Beweislage. Elektromagnetische Strahlung, wie sie bei 5G zum Einsatz kommt, wird in der selben Kategorie gelistet wie etwa eingelegtes Gemüse oder Benzin. Bei z.B. rotem Fleisch oder Nachtschichtarbeit ist die Beweislage etwas klarer, deshalb werden diese als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft, also eine Gruppe höher. 

Dies mag einige Menschen beruhigen, andere beunruhigen. Ein vorläufiges Fazit der Wissenschaft könnte lauten: Mit dem derzeitigen Stand des Wissens gibt es vorerst keinen Grund zur Panik (vor allem weil 5G auch nicht sofort funktionsfähig sein wird, sondern die gesamte Infrastruktur erst über Jahre hinweg aufgebaut werden muss). Seit Jahrzehnten sind Menschen elektromagnetischer Strahlung ausgesetzt in Frequenzbereichen identisch oder ähnlich denen, die bei 5G eingesetzt werden. Es gibt also viele Daten und Erfahrungswerte. Gäbe es offensichtliche, negative Effekte auf die Gesundheit der Menschen, die sich immer wieder in Studien zeigen würden und in Metastudien hervortreten würden, dann wären diese der Wissenschaft aufgefallen. Die Tatsache dass dies bisher nicht der Fall ist, zeigt zumindest, dass falls es doch negative Effekte auf die Gesundheit der Menschen gibt, diese schwer messbar sind und insgesamt wohl eher keine massiven negativen Auswirkungen zu befürchten sind. Im Vergleich dazu, als Kontext, können z.B. jährlich ca 4,2 Millionen vorzeitige Tote auf Luftverschmutzung zurückgeführt werden. Hier ist die wissenschaftliche Datenlage klarer. 

Dies soll aber nicht sagen, dass nun alles gut sei und alle Sorgen der Kritiker unbegründet. Wir wissen ja eben auch nicht mit Sicherheit, ob 5G nicht etwa doch - vor allem langfristig - gesundheitsschädliche Effekte hat, die wir bisher mit den Methoden der Wissenschaft bloß nicht messen konnten. Denn es ist auch klar, dass die Wissenschaft methodologische Schwierigkeiten hat, gesundheitliche Effekte von elektromagnetischer Strahlung zu ermitteln. Darauf gehen wir im Artikel genauer ein. Einerseits weil die Effekte eben nicht offensichtlich sind und also schwer messbar sind. Andererseits, weil u.a. aus ethischen Gründen Menschen nicht einfach so bestrahlt werden können; weil es schwer ist kausale Rückschlüsse zu ziehen, wenn Menschen vielen verschiedenen Stressfaktoren im Alltag ausgesetzt sind; und weil es zu diesem Zeitpunkt tatsächlich unmöglich ist, bereits Langzeitstudien vorzulegen…Aus all diesen Gründen sollte das Thema ernst genommen werden und weiter geforscht werden und Grenzwerte streng geprüft und eingehalten werden.

Auch die Sorgen der Bevölkerung müssen ernst genommen werden. Wobei man beim Thema 5G unterscheiden kann zwischen Sorgen, die um die Effekte der Technologie selber kreisen, Sorgen, die allgemeiner darum kreisen ob das denn alles so weitergehen muss (immer mehr, immer schneller…), Sorgen aufgrund von Missverständnissen (nicht jeder kennt sich perfekt mit elektromagnetischer Strahlung aus und kann die Effekte unterschiedlicher Strahlung einschätzen…zudem klingt das Wort Strahlung erstmal für viele bedrohlich, obwohl Strahlung per se nicht negativ für den Menschen sein muss und Strahlung nicht gleich Strahlung ist…) und Sorgen aufgrund von verbreiteten, faktisch falschen Verschwörungstheorien.

Welche Position sollte die Gesellschaft bzw die Politik beziehen? Wie mit den verbleibenden Unsicherheiten umgehen? Wie mit dem wirtschaftlichen Druck umgehen (wenn wir nicht mitmachen, überholen uns die anderen Wirtschaftsmächte)? Wie auf die Sorgen der Bürger eingehen? Sollten wir lieber bremsen, oder versuchen unter den Ersten zu sein? Vertrauen wir darauf, dass es insgesamt bisher keine gesicherte wissenschaftliche Evidenz für eine Gesundheitsgefährdung gibt, oder reicht uns dies nicht aus, weil es eben einzelne Studien gibt, die auf mögliche negative Effekte hindeuten? Dies bleiben Fragen, die weiterhin kontrovers diskutiert werden (sollen/müssen) und durch gezielte Forschung unterstützt werden sollten. 

Wir sehen es nicht als unsere Aufgabe, diese Fragen zu beantworten, sondern wollen lediglich über den Stand und die Methodologien der Wissenschaft informieren.

Hier dann nun im Detail alles was Du zum Thema 5G wissen musst:

Was genau ist 5G?

Zunächst einmal bedeutet 5G einfach «fünfte Generation». Gegenwärtig in Betrieb ist der Mobilfunkstandard 4G – auch LTE oder Long Term Evolution genannt. An einigen Stellen ist auch noch 3G im Einsatz – bekannt als UMTS (für Universal Mobile Telecommunications System).

Die 5G-Technologie verspricht eine wesentlich höhere Geschwindigkeit bei der Datenübertragung. Im Vergleich erreicht das 3G-Netz eine Übertragungsgeschwindigkeit von mageren 42 Megabit pro Sekunde (MBit/s). 4G ist mit bis zu 1 GBit/s über zwanzigmal schneller. 5G wird in der ersten Phase bis maximal 3 GBit/s liefern, später deutlich mehr.

Damit ließe sich zum Beispiel ein hochauflösender Spielfilm in rund einer Minute herunterladen. Unter optimalen Bedingungen zumindest, im Alltag dürfte 5G nicht ganz so schnell sein.

So schnell soll 5G werden

*In der Realität können diese Werte nicht erreicht werden, es sei denn ein Nutzer hat die Antenne für sich alleine. Quelle: Swisscom/NZZ/nth.

Noch bedeutender als die Geschwindigkeit ist bei 5G die kurze Latenzzeit, also die Reaktionszeit des Systems. Im 4G-Netz sind es 5 bis 10 Millisekunden, bei 5G rund eine Millisekunde. Damit werden Systeme ermöglicht oder verbessert, die in Echtzeit Signale übermitteln und unmittelbar reagieren. Ein Beispiel das hier viel zitiert wird sind selbstfahrende Autos. Wobei diese auch funktionieren müssen, wenn sie in Funklöchern sind und auch jetzt bereits fahren können, ohne 5G Netz. Andere Beispiele sind das Internet der Dinge oder Tele-Chirurgie, das Chirurgen ermöglicht über Distanz zu operieren, oder verschiedenste Robotik-Anwendungen in der Industrie.

So schnell soll 5G reagieren

Quelle: Forschungsstiftung Strom und Mobilkommunikation/NZZ/nth.

Gerne führen die Hersteller auch an, dass das 5G-Netz energiesparend sei. Tatsächlich ist der Energieverbrauch pro übertragene Informationseinheit rund tausendmal tiefer als bei den Vorgängertechnologien. Weil man aber davon ausgehen kann, dass mit 5G das übertragene Datenvolumen steigen wird, dürfte dieser Energiespareffekt bald hinfällig sein. In der Fachsprache redet man vom Rebound-Effekt. Hierzu muss aber auch berücksichtigt werden, dass das Datenvolumen unabhängig von 5G über die letzten Jahre rasant gestiegen ist.

Wie alle drahtlosen Technologien nutzt 5G elektromagnetische Wellen, die sich im Raum ausbreiten. Umgangssprachlich redet man auch von elektromagnetischer Strahlung. Beispiele sind Radiowellen, Mikrowellen, Ultraviolette Strahlung, Wärmestrahlung (Infrarot) und Licht (der für das menschliche Auge sichtbare Teil des Spektrums). Diese Wellen unterscheiden sich durch die Wellenlänge (angegeben zum Beispiel in Meter) beziehungsweise die Frequenz, ein Wert, der angibt, wie oft die Welle pro Sekunde hin und her schwingt (angegeben in Hertz [Hz], wobei 1 Hz eine Schwingung pro Sekunde bedeutet). Es gilt: je kürzer die Wellenlänge, desto höher die Frequenz.

Strahlung ist nicht gleich Strahlung. Elektromagnetische Strahlung unterscheidet sich in ihren Effekten und ihrer Wirkung auf Materie je nach Frequenz bzw Wellenlänge. Radiowellen, mit niedriger Frequenz (30kHZ-300MHz), können sich z.B. sehr gut durch Materie hindurch über große Distanzen ausbreiten. Mikrowellen, mit etwas höherer Frequenz (ca 2450 MHz), können Wassermoleküle zum Bewegen bringen und somit wasserhaltige Materie erhitzen. Elektromagnetische Wellen mit der Frequenz 500 THz z.B. nehmen wir mit unseren Augen als grünes Licht wahr, Wellen mit der Frequenz 600THz als orangenes Licht. Steigt man immer weiter in der Frequenz, gelangt man irgendwann zu Strahlung, die man ionisierende Strahlung nennt (wie z.B. Röntgen- oder Gammastrahlung). Sie hat die Kapazität Materie zu verändern, indem sie Elektronen aus der Hülle von Atomen «schlagen» kann. Sie ist erwiesenermaßen gefährlich für den menschlichen Körper. Elektromagnetische Strahlung mit niedrigeren Frequenzen hat diese Fähigkeit nicht. Daher unterscheidet man in Bezug auf Gesundheitsaspekte in der Regel zwischen ionisierender und nicht-ionisierender Strahlung. Im Fall von 5G handelt es sich um Frequenzen im Bereich der nicht-ionisierenden Strahlung.

Wie wirkt 5G auf den menschlichen Körper?

Um die Wirkungen von elektromagnetischen Wellen einschätzen zu können, ist hier wichtig anzumerken: je höher die Frequenz, desto weniger gut kann die Strahlung Materialien durchdringen. So gelangt die 5G-Strahlung der GHz-Bänder zum Beispiel nur schwer durch Hauswände und nur wenige Millimeter in den menschlichen Körper. Anders als Röntgenstrahlen oder radioaktive Gammastrahlung ist sie wie gesagt aber nicht ionisierend, kann also kein Erbgut beschädigen. Trotzdem könnte sie direkte oder indirekte Effekte auf unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit haben.

Genau wie Mikrowellen verursachen Mobilfunkwellen, dass Wassermoleküle sich bewegen. Dabei entsteht Reibungswärme. Konkret bedeutet das, dass sich, dort wo das Handy nah am Körper ist, das Gewebe leicht erwärmen kann. Die Wärmewirkung von Mobilfunkwellen ist wissenschaftlich bewiesen.

Ist 5G gesundheitsschädlich?

Mit 5G ändert sich an der Strahlenbelastung zunächst wenig. Denn die als erstes vergebenen 5G-Frequenzen sind bereits für andere Zwecke wie z.B. WLAN in Verwendung.

Eine umfangreiche Literaturanalyse der Forschungsstiftung Strom und Mobilkommunikation schlussfolgert zu möglichen Risiken von bisherigen Mobilfunkexpositionen «dass keine gesundheitlich negativen Effekte von Mobilfunkstrahlung unterhalb der Grenzwerte wissenschaftlich belegt sind». Die Stiftung unterstreicht in ihrem Bericht aber auch: «ein großer Teil der in der Literatur diskutierten Wirkungen hat keine einheitliche oder eine zu dünne Datenlage, um gültige Schlussfolgerungen zu ziehen.» Häufig seien die Ergebnisse widersprüchlich oder die Arbeiten untereinander nicht vergleichbar. In verschiedenen Bereichen wäre mehr Forschung sinnvoll.

Fachleute gehen davon aus, dass 5G mit großer Wahrscheinlichkeit keine anderen Effekte auf unseren Körper haben als die bisher gebräuchlichen Mobilfunktechnologien. Die Argumentation stützt sich im Wesentlichen auf zwei Säulen:

  1. Im tiefen Frequenzbereich (unter 4 GHz) senden bereits die älteren Mobilfunkstandards wie GSM (2G), UMTS (3G) und LTE (4G), sowie WLAN. Hier existieren viele Studien, welche keine Gefährdung finden konnten. Der einzige biologische Effekt, der eindeutig nachweisbar ist, ist die Erwärmung des Gewebes. Diese ist aber durch die Grenzwerte limitiert und unproblematisch.
  2. Im hohen (zukünftigen) Frequenzbereich ist die Studienlage zwar deutlich dürftiger als bei den tieferen Frequenzen; und die Grenzwerte beruhen teilweise auf Extrapolationen und nicht auf Experimenten. Dennoch befürchten Fachleute auch hier keine Gefährdung für den Menschen. Dies, weil diese Felder nur wenig in den Körper eindringen. Ungefähr 90 Prozent der Energie werden in den ersten Millimetern der Haut absorbiert.

Mehr zur Studienlage hinsichtlich der Gesundheitsgefährdung durch 5G findest Du weiter unten im Artikel. Wir gehen konkret auf folgende Fragen ein:

Werden wir durch 5G-Strahlung gekocht? Schädigt 5G Zellen? Verursacht 5G-Strahlung Krebs? Stört 5G die Fruchtbarkeit und Entwicklung? Stört 5G den Schlaf und beeinflusst es das Verhalten? Ist 5G für elektrosensible Personen besonders gefährlich? Sterben Bäume wegen 5G? Und ist 5G verantwortlich für die Covid-19 Pandemie?

Gibt es genügend Forschung zu gesundheitlichen Auswirkungen von 5G-Strahlung?

Das Literaturportal der Uniklinik RWTH Aachen, das auf das Thema der elektromagnetischen Felder spezialisiert ist, listet rund 2000 Publikationen auf, die sich mit biologischen und gesundheitlichen Effekten von Mobilfunkstrahlung befassen. Die überwiegende Mehrheit der Arbeiten betrifft Frequenzen und Intensitäten, die bei 3G und 4G in Gebrauch sind.

Zu 5G hingegen sind noch vergleichsweise wenige Forschungsresultate verfügbar. Jedoch gehen die meisten Experten davon aus, dass das vorhandene Wissen auch für 5G gilt. Denn erstens sind hier zumindest in einer ersten Phase Frequenzen in Gebrauch, die schon seit Jahren in WLAN- und für die Übermittlung von Radio- oder Fernsehsignalen verwendet werden. Und zweitens gibt es keinen physikalischen oder medizinischen Grund zur Annahme, dass innerhalb des Frequenzfensters das 5G besetzen wird, bisher unbekannte biologische Effekte nur bei bestimmten Frequenzen, Intensitäten, Modulationseigenschaften oder Bestrahlungsdauern auftreten. Diese Annahme stützen die Resultate von Simko und Mattsson, die ca 1000 publizierte Experimente in den verschiedensten Frequenzbereichen analysiert haben.

Was jedoch fehlt, sind die oft geforderten Langzeitstudien, weil die fünfte Mobilfunkgeneration eben erst am Anrollen ist.

Eine sehr umfassende, nach Themenbereichen sortierte Übersicht zum aktuellen Stand der Forschung gibt die Schweizer Forschungsstiftung Strom und Mobilkommunikation FSM in ihrem öffentlich zugänglichen Literaturverzeichnis.

Wenn Du in einem Video einen Überblick über den Stand der Forschung kriegen willst, empfehlen wir dieses Video von kurzgesagt – in a nutshell:

Weshalb ist es schwierig für die Forschung, eindeutigere Aussagen über eine mögliche Gefährdung durch 5G zu machen?

Die wissenschaftliche Datenlage mag für viele Menschen etwas verwirrend rüberkommen. Weshalb gibt es einzelne Studien, die dieses sagen, und andere Studien, die jenes sagen? Hier ist es wichtig, sich mit den Methoden der Wissenschaft auseinander zu setzen, um deren Stärken und Schwächen zu kennen - um dann in Zukunft die Aussagekraft einzelner Studie besser bewerten zu können.

Leider ist es gar nicht so einfach, gute, systematische wissenschaftliche Studien über mögliche negative Effekte von 5G oder sonstigen Mobilfunkstrahlen beim Menschen durchzuführen. Denn die Wissenschaftler sind hier mit methodologischen bzw. ethischen Dilemmas konfrontiert.

Am besten würde man eine sogenannte kontrollierte randomisierte Studie durchführen: eine Hälfte von freiwilligen Studienteilnehmern würde über einen langen Zeitraum Mobilfunkstrahlen ausgesetzt (Testgruppe) und eine zweite Hälfte nicht (Kontrollgruppe). Wer in welcher Gruppe landet, bestimmt ein Computer per Zufallsprinzip. Am besten so, dass weder Teilnehmer noch Wissenschaftler wissen zu welcher Gruppe wer gehört (das nennt man eine doppelblinde Studie). Diese Einteilung wäre in diesem konkreten Fall schon mal unmöglich, denn die Kontrollgruppe würde ja mitbekommen, dass sie z.B. kein Handy etc. benutzen dürfen. Auβerdem müsste man die Kontrollgruppe wohl an einem abgelegenen Ort unterbringen, wo es keine Mobilfunkstrahlung gibt und sie wären dann quasi von der Auβenwelt abgeschottet. Allein diese Isolierung könnte auch negative Effekte haben, was einen Vergleich mit der Testgruppe erschwert.

Viel wichtiger ist ein zweites Problem: Es ist aus offensichtlichen ethischen Gründen nicht erlaubt wissenschaftliche Studien durchzuführen, bei denen Menschen bewusst einer Gefahr ausgesetzt werden. Studien, die neue Medikamente beim Menschen testen sind hingegen vertretbar. Denn hier ist es umgekehrt: Für diese Medikamente wurde zuvor in Experimenten mit Zellen oder Tieren eine positive Wirkung bewiesen, die Menschen potenziell nutzen könnte.

Folglich können Wissenschaftler beim Thema negative Effekte von Mobilfunkstrahlen nur beobachtende Studien durchführen. Aber auch diese haben ihre Grenzen. Bei sogenannten Kohortenstudien wird beobachtet, ob bei einer möglichst groβen und für die Bevölkerung repräsentativen Gruppe Menschen, die zu Beginn der Studie alle gesund sind, einige im Laufe der Zeit krank werden und ob diese statistisch signifikant mehr Mobilfunkstrahlung ausgesetzt waren als jene, die nicht krank wurden. Der Nachteil dieser Studien: wenn Mobilfunkstrahlen nur in sehr seltenen Fällen negative Effekte oder bestimmte Krankheiten erzeugen, dann wird man das in einer Kohortenstudie nicht bemerken.

Ein anderes Studiendesign sind Case-Control-Studien: hier wird eine Gruppe kranker Menschen, sagen wir Krebskranke, und eine Gruppe gesunder Menschen verglichen. Bei beiden Gruppen versucht man – meist durch Befragung – retrospektiv herauszufinden, wie viel Mobilfunkstrahlung diese Menschen über die Jahre ausgesetzt waren, und ob es einen Unterschied zwischen den Gruppen gibt. Ein Problem dieser Studien ist der sogenannte „Recall bias“: fragt man kranke Menschen, ob sie z.B. ihr Handy in den letzten Jahren viel benutzt haben, sagen sie eher „ja“ als Menschen, die gesund sind.

So hat jedes Studiendesign seine Vor- und Nachteile und es ist nicht immer ganz einfach, die Aussagekraft der jeweiligen Studien einzuordnen. Fasst man aber alle einzelnen Studien mit ihren Stärken und Schwächen zusammen entsteht ein Gesamtbild, das so lange gilt, bis es neue Beweise für oder gegen den Status Quo gibt. Und der Status Quo bei Mobilfunkstrahlung ist im Moment, dass es zwar Hinweise, aber bisher keine eindeutigen wissenschaftlichen Beweise für schädliche Effekte von Mobilfunkstrahlung inklusive 5G-Strahlung gibt. Doch einige wichtige Kohortenstudien laufen noch, z.B. die COSMOS-Studie. http://www.thecosmosproject.org/

Für weitere Details zu den diversen Studiendesigns und wissenschaftlicher Methodologie im Fall Elektrosmog-Studien empfehlen wir dieses Video der Wissenschaftskommunikatorin Mai Thi Ngyen Kim:

Wann kommt 5G in Luxemburg?

Die nationale 5G-Strategie lehnt sich an den EU-Aktionsplan «5G für Europa» an. Entsprechend hatte Luxemburg die Versteigerung von 5G-Frequenzen im März 2020 ausgeschrieben. Beworben hatten sich fünf Unternehmen, die Versteigerung begann am 13. Juli und wurde am 22. Juli 2020 abgeschlossen. Vier Bewerber (Orange, Post, Proximus und Luxemburg Online) erhielten Frequenzen im Bereich von 700 und/oder 3600 MHz für einen Zeitraum von 15 Jahren. Die ersten 5G-Dienste sollen bereits Ende 2020 in der Hauptstadt verfügbar sein. Bis 2025 soll es eine Abdeckung von mindestens 90% der Landesfläche geben.

Wo auf der Welt gibt es bereits 5G?

Diese Internetseite bietet eine interaktive Karte der bereits für Konsumenten verfügbaren 5G-Netzwerke.

Welches sind konkrete Anwendungen von 5G?

Interessant ist 5G vor allem für industrielle Anwendungen, autonome Verkehrssysteme und das «Internet der Dinge». Letzteres wird oft mit dem Kühlschrank erklärt, der selbständig Milch nachbestellt. Dies war jedoch ein eher unbeholfenes Beispiel der ersten Stunde, das sich bis heute hartnäckig gehalten hat. Wesentlich bedeutender wäre zum Beispiel ein Medikamentenschrank, der erkennt, wenn ein bestimmtes Medikament ausgeht oder dessen Haltbarkeitsdatum überschritten ist, und selbständig beim Lieferanten Nachschub bestellt.

Ein Netz, das dank sehr kurzer Latenzzeit in Echtzeit reagiert, kann zum Beispiel auch Maschinen oder Industrieroboter in Werkhallen vernetzen. Ein solches Pilotprojekt hat das Schweizer Telekommunternehmen Swisscom zusammen mit der Medtech-Firma Ypsomed durchgeführt. Die Produktionsabläufe wurden so transparenter, effizienter und sicherer.

Viel verspricht man sich von 5G auch für die Verkehrssysteme der Zukunft mit voll- oder teilautonomen Fahrzeugen. Damit beschäftigt sich beispielsweise ein Forschungsprojekt mit luxemburgischer Beteiligung in Zusammenarbeit mit der EU und China, um die Harmonisierung verschiedener 5G-Standards und den Nutzen der Technologie für selbstfahrende Autos zu untersuchen. Tests laufen dazu in Finnland, Italien und Großbritannien.

Braucht es für 5G neue Antennen?

Die Antwort ist nicht ganz eindeutig: ja und nein. Einige Verbesserungen der «fünften Generation» sind im unteren Frequenzbereich (700 MHz) auch mit heute gebräuchlichen Antennen zu erreichen. Man kann sie mit einem Softwareupdate für ein «langsameres 5G» aufrüsten (einige Anbieter sprechen in diesem Fall von 4G+ oder von 5G-wide). Um jedoch alle Vorteile von 5G zu nutzen, sind neue Antennen nötig, die für die Frequenzen im GHz-Bereich ausgelegt sind und als «adaptive Antennen» bezeichnet werden. Diese heißen so, weil sie ihre Abstrahlung bündeln und gezielt auf das empfangende Gerät ausrichten.

Weil das 5G-Signal weniger gut durch Hindernisse wie Häuser dringt, kann die Versorgung nicht mehr mit wenigen großen Antennen garantiert werden, die ihr Signal überall hin verteilen – wie das bei bisherigen Mobilfunkstandards der Fall ist. Für die Erschließung zum Beispiel einer Innenstadt sind zusätzliche kleinere Antennen nötig. So genannte Picozellen etwa haben eine Reichweite  bis etwa 200 Meter, weshalb für eine unterbrechungsfreie Versorgung etwa in einer Fußgängerzone mehr Antennen installiert werden müssen, die aber nur eine geringe Sendeleistung haben; weniger als 1 Watt. Das ist etwa soviel wie das eigene Handy leistet.

Ein 5G-Netz besteht aus Makrozellen und Kleinzellen. Das Endgerät kommuniziert entweder nur über die Makrozelle, nur über die Kleinzelle, oder über beide.

Was sind adaptive Antennen?

Bei 5G sollen so genannte adaptive Antennen zum Einsatz kommen. Sie unterscheiden sich von den herkömmlichen Mobilfunkantennen grundlegend. Im Gegensatz zu den heute gebräuchlichen Antennen verbreiten sie ihre Strahlung nicht über ein fächerförmig großes Gebiet, sondern formen einen gebündelten Strahl zu dem Gerät, das eine Verbindung benötigt. Dies wird in der Fachsprache «Beamforming» genannt. Dadurch sind mehrere Verbindungen gleichzeitig möglich, wobei die Qualität besser und die Geschwindigkeit höher ist als bei einer statischen Antenne. Und Personen, die gerade nicht am Telefonieren sind, bekommen eine deutlich geringere Strahlenbelastung ab.

Wie stark steigert 5G das Datenvolumen der Mobilkommunikation?

Das übertragene Datenvolumen in den Mobilfunknetzen steigt rasant an, wobei Telefonieren längst nicht mehr der Hauptdienst ist. Viel wichtiger ist die mobile Nutzung des Internets sowie Streaming von Musik und Videos. Dies führt dazu, dass gegenwärtig das transportierte Datenvolumen stetig zunimmt. Laut dem schweizerischen Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) verdoppelt es sich alle 12 bis 18 Monate. Schätzungen des US-Amerikanischen Marktforschungsunternehmens International Data Corporation (IDC) gehen davon aus, dass von 2018 bis 2025 das Datenvolumen weltweit auf mehr als das Fünffache steigt. Gemäß den Prognosen des Ericsson Mobility Report wird das Wachstum aber (noch) nicht von 5G getrieben, sondern von den bestehenden Technologien (3G, 4G). Haupttreiber wird die Übertragung von Videos sein. Und das globale Wachstum wird sich vor allem in Südostasien abspielen.

Erhöht 5G die Strahlenbelastung?

Prinzipiell festzuhalten ist, dass die hauptsächliche Strahlenbelastung für Menschen nicht von den Sendemasten kommt, sondern vom eigenen Handy. Über 90 Prozent der auf uns einwirkenden Mobilfunkstrahlung stammen vom eigenen Handy. Das zeigte eine Untersuchung des Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Instituts Swiss TPH.

5G-Handys haben etwa die gleiche Leistung wie die heute gebräuchlichen 4G-Geräte. Wobei man bei der Frage nach der «Stärke» unterscheiden muss zwischen der Sendeleistung eines Geräts (angegeben in Milliwatt, mW) oder der Stärke des elektrischen Feldes (in Volt pro Meter, V/m), das es abgibt. Beide Messgrößen haben letztlich einen Einfluss auf die Signalübertragung, aber auch auf die Exposition des menschlichen Organismus. Sowohl bei der Sendeleistung als auch der Feldstärke liegt 5G (wie auch 4G) nur leicht über dem WLAN, welches heute in praktisch allen Haushalten installiert ist. Für die Einstrahlung auf den Körper ist der Abstand zwischen Körper und Antenne entscheidend. Für viele 5G-Anwendungen, wie zum Beispiel im Internet Surfen, hält man das Telefon nicht am Ohr, sondern in Distanz vor sich, so dass die Einstrahlung weit unter der maximal möglichen liegt.

Quellehttps://www.br.de/nachrichten/wissen/faktenfuchs-schadet-5g-der-gesundheit,RZ6potB

Das Beamforming der Sendeanlagen wird die Strahlenbelastung aus zweierlei Gründen reduzieren: Erstens bündelt die Antenne ihre Strahlung auf das Handy, das eine Verbindung hat. Personen daneben werden also weniger bestrahlt. Aber auch die telefonierende Person profitiert: Weil die Übertragungskapazität und die Verbindungsqualität des Netzes besser ist, kann des Handy die Daten mit weniger Strahlung versenden als auf dem 3G- oder 4G-Netz. Also sinkt die Strahlenexposition für die Telefonierenden.

Soweit die Theorie.

Wie aber sieht es aus, wenn viele Leute gleichzeitig telefonieren? Steigt damit nicht die Gesamtbelastung, weil viele gebündelte Strahlen ausgesendet werden? Theoretisch kann es vorkommen, dass sich die gebündelten Strahlen mehrerer Nutzer am gleichen Ort aufsummieren. Dort ist dann die Feldstärke höher als bei konventionellen Antennen, dafür sind aber die Sendezeiten wegen der höheren spektralen Effizienz kürzer – unter dem Strich sinkt die Exposition gegenüber älteren Technologien um einen Faktor 2–3. Dies haben Messungen der französischen Behörde ANFR in einem 5G-Funknetz 2019 gezeigt.

Wo sind wir der größten Strahlenbelastung ausgesetzt?

Wie oben erwähnt, ist es wichtig, zu unterscheiden zwischen der Strahlung vom eigenen Telefon am Ohr, jener der Telefone um uns herum und jener der Sendeantennen.

Untersuchungen zeigen, dass wir weitaus der größten Strahlenbelastung ausgesetzt sind, wenn wir in öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind – dort ist der Empfang meist suboptimal und viele Passagiere um uns herum telefonieren oder surfen im Internet. Daraus schließt Martin Röösli, dass für die Strahlenbelastung vor allem das persönliche Verhalten ausschlaggebend ist. Röösli ist Professor für Umweltepidemiologie am Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut in Basel. Dort hat er mehrere epidemiologische Studien zu gesundheitlichen Auswirkungen elektromagnetischer Felder durchgeführt. Er gilt als einer der international erfahrensten Experten und ist unter anderem Mitglied der Internationalen Kommission für den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (ICNIRP).

Infobox

Wie stark strahlt mein Handy?

Um eine mögliche Wirkung von Strahlung abzuschätzen, ist es wichtig zu wissen, wie viel der eintreffenden Strahlung in einem bestimmten Gewebe des Körpers absorbiert wird. Als Maß hierfür wurde die «spezifische Absorptionsrate» definiert – abgekürzt der SAR-Wert. Er wird als Leistung pro Masse in der Einheit W/kg ausgedrückt.

Je kleiner der SAR-Wert ist, desto geringer wird das Gewebe durch die Strahlung erwärmt.

Wobei sich dieser Wert auf die maximale Sendeleistung bezieht. Im täglichen Betrieb ist die vom Mobiltelefon abgegebene Leistung meistens geringer. In gut ausgebauten Netzen mit einer hohen Dichte von Sendemasten sendet es mit erheblich geringerer Leistung als in schlecht ausgebauten Netzen. Auch beimTelefonieren in Fahrzeugen und Gebäuden erhöht sich die benötigte Sendeleistung.

Somit ist auch die Strahlenbelastung beim Telefonieren mit schlechtem Empfang um ein Vielfaches höher als in einem dichten Netz.

Die Bestimmung des SAR-Werts durch die Hersteller der Mobiltelefone ist mit der Europäischen Norm EN 62209-1 reglementiert. Sie legt die Messbedingungen fest, damit Werte verschiedener Hersteller vergleichbar sind. Bei modernen Geräten liegt er zwischen 0,10 und 1,99 W/kg. Beim Kauf eines Mobiltelefons lohnt es sich also auf einen möglichst tiefen SAR-Wert zu achten.

Werden wir durch 5G-Strahlung «gekocht»?

Die Behauptung, dass 5G uns «kocht», ist in letzter Zeit populär, aber falsch. Wie schon gesagt: die Strahlung von 5G in den heute hauptsächlich genutzten Frequenzfenstern dringt weniger tief in den Körper ein als bei den Vorgänger-Technologien. Trotzdem ist die Frage nach einer Erwärmung berechtigt. Immerhin nutzen Mikrowellenöfen eine Frequenz von 2,45 GHz – also im Bereich von 5G. Die Erwärmung in der Mikrowelle ist darauf zurückzuführen, dass die Strahlung in das Gargut eindringt und ihre Energie auf das Gewebe überträgt. Doch die Mikrowelle hat eine Leistung von bis zu 1000 Watt. Bei Mobiltelefonen sind es wie oben erwähnt je nach Netz maximal 1 bis 2 Watt.

Warum empfinden wir beim Telefonieren trotzdem ein Wärmegefühl am Ohr? Dies ist in erster Linie auf die Wärmeabstrahlung des Displays und des Akkus zurückzuführen, sowie die isolierende Wirkung des Gerätes und der Hand. Die Strahlung trägt nur einen kleinen Teil dazu bei. Es wird uns also warm ums Ohr hauptsächlich weil wir das Handy gegen unser Ohr drücken.

Schädigt 5G Zellen?

Die Forschung zu zellulären Effekten elektromagnetischer Strahlung ist sehr uneinheitlich. Diskutiert werden verschiedenste Effekte: Genschäden und Veränderungen in der Genaktivität oder Beeinträchtigung der Zellmembran, von Zellfunktionen oder der Blut-Hirn-Schranke sowie die Vitalität von Zellen. Meist ist es so, dass einige Studien Effekte finden, andere nicht.

Vor allem aber gibt es bei all den postulierten Effekten keine oder uneinheitliche Erklärungen für mögliche Wirkmechanismen. Weiter ist unklar, ob allenfalls messbare Effekte auf zellulärer Ebene auch eine Schädigung oder Störung bedeuten müssen, oder ob die internen Reparaturmechanismen der Zellen damit fertig werden.

Einzig Studien zum sogenannten oxidativen Stress haben wiederholt Hinweise auf einen Zusammenhang mit elektromagnetischer Strahlung geliefert: Möglicherweise werden durch die Strahlung in der Zelle mehr aggressive Sauerstoffradikale gebildet. Ob und welche gesundheitliche Bedeutung damit verbunden ist, ist jedoch unklar. Hier wäre gezielte Forschung sinnvoll.

Verursacht 5G-Strahlung Krebs?

Wie schon oben bei den thermischen Effekten, kann diese Frage nicht mithilfe epidemiologischer Studien geklärt werden, da 5G noch nicht eingeführt ist. Hingegen lassen sich 20 Jahre Epidemiologie und Laborforschung mit den bisherigen Mobilfunkstandards auf 5G übertragen: Zwar sind – wie immer in der Forschung – Ergebnisse nie abschließend, aber in den letzten Jahren hat sich die Faktenlage in Richtung «Entwarnung» entwickelt.

Die nationalen Krebsstatistiken zeigen über einen Zeitraum von 15 Jahren keine ungewöhnlichen Anstiege. Dies würde man – sofern das Risiko nicht sehr klein ist – aber erwarten.

Auch epidemiologische Studien zeigen insgesamt kein statistisch signifikant erhöhtes Krebsrisiko. Zwar ist bei gewissen Krebssubtypen eine leichte Zunahme zu erkennen, was in der Regel öffentlich prominent diskutiert wird. Dafür kommt es bei anderen Typen in derselben Krebsklasse zu einer Abnahme ­– was dann eher weniger kommuniziert wird. Solche Effekte sind gemäß Experten auf veränderte Kodierungspraktiken und verbesserte Diagnostik zurückzuführen.

Für Krebs am Hörnerv etwa wurde in der größten bisher durchgeführten Studie, die sogenannte Interphone-Studie, eine um den Faktor 1,3 erhöhte Wahrscheinlichkeit für Vieltelefonierer ausgewiesen, die jedoch gemäß den Forschern auf unplausiblen Angaben zur Telefonnutzung durch die befragten Erkrankten beruhen. Zum Vergleich: Rauchen steigert das Risiko für Lungenkrebs um etwa den Faktor 60-70.

Ein derart gering erhöhtes Risiko richtig zu interpretieren, ist schwierig. Zum Beispiel weist eine Studie nach, dass Frauen, die mehr als zehn Jahre intensiv ihr Mobiltelefon gebrauchen, ein 2,5-fach erhöhtes Risiko für ein Akusticusneurinom haben – das ist ein gutartiger Tumor auf dem Hörnerv. Zweieinhalbmal mehr Tumore klingt dramatisch. Aber um das richtig einzuschätzen, muss man – neben der Zuverlässigkeit des Befunds selbst - auch berücksichtigen, wie häufig dieser Krebs überhaupt ist. Die Wahrscheinlichkeit für ein Akusticusneurinom beträgt 0,001 Prozent. Oder anders gesagt: Pro Million Menschen bekommen normalerweise jedes Jahr etwa 10 einen solchen Tumor. Das heißt, wenn eine Million Menschen mehr als zehn Jahre intensiv mit dem Handy telefonieren, gibt es statt 10 solche Krebsfälle deren 25.

Eine kausale Interpretation epidemiologischer Befunde ist sehr heikel, insbesondere, wenn eine Erkrankung nur minimal häufig auftritt. Eine Übersichtsstudie kam zum Schluss, dass das Akuticusneurinom leicht häufiger auf jener Seite des Kopfes auftritt, an der man das Telefon hält. Andere Forschende interpretieren das als «umgekehrte Kausalität». Will heißen: Auf der Seite, wo man das Telefon hält, entdeckt man den Tumor einfach früher – weil dort die Hörleistung abnimmt. Auf der anderen Seite kommt der Tumor genauso häufig vor, aber man entdeckt ihn seltener. Vollends verwirrend wird es, wenn man auf der Website einer Selbsthilfegruppe nachsieht. Denn dort haben die Leute das Neurinom vor allem auf der Seite, wo sie nicht telefonieren. Was natürlich nicht so zu interpretieren ist, dass Telefonieren vor dem Tumor schützt. Aber die Leute, die einen noch unerkannten Tumor haben, hören schlecht und weichen auf das besser hörende Ohr aus.

Wären elektromagnetische Felder ein starkes Risiko für Krebs, müsste man das nach Auffassung der Epidemiologen deutlich sehen.

Großes öffentliches Aufsehen haben vor rund zwei Jahren drei Studien erregt, die mittels Versuche an Ratten ein erhöhtes Risiko für Tumore im Gehirn und anderen Körperteilen gefunden hatten. Zwei Arbeiten stammten vom US National Toxicology Program (NTP), die andere vom Ramazzini Institute in Bologna.

Jedoch kam im Februar dieses Jahres (2020) eine groß angelegte Meta-Studie der U.S. Food and Drug Administration (FDA) zum Schluss, dass die öffentlich heftig diskutierten Studien deutliche Mängel aufweisen. So wurden die Tiere zum Beispiel am ganzen Körper bestrahlt und das für neun Stunden am Tag. Das entspricht nicht den realen Bedingungen, denen Menschen ausgesetzt sind: kurze, lokale Bestrahlung am Ohr. Die FDA stützt sich in ihrer Meta-Analyse auf 125 peer-reviewte Studien, die sie zwischen 2008 und 2018 mit einem möglichen Zusammenhang zwischen Hochfrequenzstrahlung und Krebs untersucht haben und kommt ebenfalls zur Schlussfolgerung, dass Studien mit Menschen oder Tieren schwer durchzuführen und zu vergleichen seien. Deshalb würden epidemiologische Daten die verlässlichsten Informationen liefern.

In der Folge hat die Internationale Kommission zum Schutz vor nicht-ionisierender Strahlung (ICNIRP) im März 2020 ihre lang erwarteten neuen Richtlinien für die Begrenzung der Exposition durch elektromagnetische Felder veröffentlicht. ICNIRP ist von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) anerkannt und viele internationale Ämter und Institutionen stützen sich bei der Festlegung der Grenzwerte durch Mobilfunkstrahlung auf ihre Empfehlungen.

Die neuen Richtlinien sollen vor allem in Bezug auf die hohen Frequenzen, die für 5G relevant sind, genauer sein als die alten. Und sie würden gewährleisten, dass auch 5G-Technologien keinen Schaden anrichten können. Wobei anzumerken ist, dass Grenzwerte in jeglichen Bereichen sehr konservativ berechnet werden. Das heißt, selbst wenn sie einmal überschritten würden, droht keine unmittelbare Gefahr, bzw. sind noch keine gesundheitsschädlichen Effekte zu erwarten.

Stört 5G die Fruchtbarkeit und Entwicklung?

Es gibt keine eindeutigen Hinweise, dass Mobilfunkstrahlung, wie man ihr im Alltag ausgesetzt ist, die Fruchtbarkeit negativ beeinflussen würde. Allerdings sind viele Studien von ungenügender Qualität, insbesondere weil befragte Personen die eigene Exposition gegenüber elektromagnetischer Felder nur sehr schwer abschätzen können. Zur Embryonalentwicklung im Mutterleib gibt es keine epidemiologisch aussagekräftigen Daten, und aus ethischen Gründen kann man keine Studien am Menschen durchführen.

Stört 5G den Schlaf und beeinflusst es das Verhalten?

Auch hier gilt: Ob der neue Mobilfunkstandard einen anderen Effekt hat als die älteren, ist zwar experimentell nicht nachgewiesen, aber es ist eher nicht zu erwarten.

Der Einfluss von Handy-Strahlung auf die Hirnströme ist mehrfach belegt. Vor allem erkennt man Effekte im Schlaf-EEG. Dabei handelt es sich um Effekte ähnlich wie beim Kaffee-Trinken oder bei der Computer-Arbeit vor dem Zubettgehen. Eine gesundheitlich negative Wirkung, etwa auf die subjektive Schlafqualität, ist aber nicht nachgewiesen.

Verschiedene Forschungsgruppen haben den Einfluss von Handystrahlung auf das Verhalten, insbesondere von Kindern und Jugendlichen, untersucht. Aber die Forschenden betonen durchwegs, dass weniger die Strahlung als vielmehr das Nutzungsverhalten die Effekte erklären könnte. Insgesamt gibt es keine Hinweise für einen kausalen Effekt der Strahlung auf das Verhalten.

Ist 5G für elektrosensible Personen besonders gefährlich?

Es gibt Menschen, die von sich sagen, dass sie elektromagnetische Felder spüren können, beziehungsweise mit körperlichen Symptomen darauf reagieren. Sie bezeichnen sich deshalb als «elektrosensibel» Jedoch kann eine kausale Verursachung von akuten Symptomen wie Kopfweh, Schlafproblemen, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und so weiter nicht durch die wissenschaftliche Evidenzlage belegt werden. In dieselbe Richtung weisen neuere Arbeiten, die chronische Wirkungen untersucht haben. Sicher ist, dass bei Personen, die sich selbst als elektrosensibel bezeichnen, unter Laborbedingungen – das heißt in Doppelblindstudien – eine solche Anfälligkeit nicht nachweisbar ist.

Belegt ist hingegen, dass die Angst vor Mobilfunkstrahlung das Wohlbefinden negativ beeinflussen oder schon vorhandene Beschwerden verstärken kann. Man spricht vom Nocebo-Effekt: Etwas hat also eine negative Wirkung, weil eine Person annimmt, dass diese negative Wirkung eintreten wird.

Sterben Bäume wegen 5G?

Es gibt die Behauptung, die elektromagnetische Strahlung verhindere, dass Bäume die Nährstoffe in die Kronen transportieren. Dafür gibt es keine wissenschaftlichen Belege. Es existieren nur Fotos, die im Internet kursieren. Andreas Rigling von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald Schnee und Landschaft WSL hat sich die Bilder angesehen und sagt, ob mit oder ohne 5G gebe es immer irgendwo Bäume, die absterben. Dafür verantwortlich seien Trockenheit, Hitze und Schädlinge. Auch hier gilt: Ein Amateurbild ist kein Beweis. Der Strahlenexperte Martin Röösli sagt, dass viele der bereits aufgestellten 5G-Antennen noch kaum senden, weil noch sehr wenige Leute ein kompatibles Mobiltelefon nutzen. Wäre der Effekt derart stark, dass die Bäume gleich nach dem Einschalten der Antenne absterben würden, müsste man das schon bei den bereits installierten 5G-Antennen sehen.

Bei einem internationalen Workshop über mögliche Wirkungen elektromagnetischer Felder auf Tiere und Pflanzen kam das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz zum Schluss, «dass derzeit keine gesicherten wissenschaftlichen Belege für ernsthafte schädliche Wirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt vorliegen, es aber Einzelhinweise gibt, denen mit weiterer Forschung nachgegangen werden sollte.»

Ist 5G für die Corona-Pandemie verantwortlich?

Definitiv hat die Corona-Pandemie nichts mit 5G zu tun, wie eine Recherche des Investigativportals Correctiv zeigt. Covid-19 betrifft viele Regionen der Welt, wo noch keine einzige 5G-Antenne steht. Es gibt dazu keine wissenschaftlichen Studien, die aufzeigen, wie elektromagnetische Strahlung entweder die Krankheit direkt auslösen oder ein Virus derart verändern kann. Völlig abwegig ist zudem der Gedanke, dass die Strahlung die Viren verbreiten würde. Strahlung kann keine Materie bewegen, sondern sie bestenfalls energetisch anregen.

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Wo und wann hat die Opposition gegen 5G angefangen?

Wie der Global Desinformation Index in einem Bericht zu 5G zeigt, begann die Opposition gegen 5G nach zwei Reden des ehemaligen Vorsitzenden der US Federal Communications Commission (FCC) Tom Wheeler im Juni 2016, wo er die Einführung von 5G ankündigte. Weniger als einen Monat später, am 14. Juli, wurde Wheeler bei einer Pressekonferenz im FCC-Hauptquartier durch Fragen zur Gesundheitsgefährdung überrascht. Zwölf Tage später hat die «InPower»-Bewegung, die auf YouTube 9300 Abonnenten hat, ein Video hochgeladen: «Die Wahrheit über 5G». Das Video wurde über 112 000 Mal geklickt – und seither verbreitet sich die Botschaft mit den immer gleichen Argumenten immer weiter. Auf YouTube, Twitter, Facebook, Instagram, Web-Sites und über anonymisierte soziale Netzwerke wie 4chan, 8chan, Gab und Voat.

Der Hashtag #Stop5G soll auf einen gewissen Max Igan zurückgehen, der eine Website betreibt, die Verschwörungsmythen zu allen möglichen Themen – unter anderem auch 9/11 – verbreitet und der von Spendengeldern und Werbung auf seinen Kanälen lebt.

Das soll aber nicht so klingen, als würden alle Menschen, die sich Sorgen machen wegen 5G, auf abstruse Argumente von Verschwörungstheoretikern hereinfallen. Das Thema ist komplex und es bestehen (acu auf wissenschaftlicher Ebene) Unsicherheiten. Daher ist es verständlich, dass sich Menschen sorgen. Um die Sorgen der Menschen zu klären, braucht es von Seiten der Wissenschaft noch weitere gezielte Forschung.  

Gibt es Datenschutzprobleme bei 5G?

Ein Teil der Hardware, die für die Implementierung von 5G-Netzwerken nötig ist, stammt vom chinesischen Unternehmen Huawei. Einige Länder befürchten, dass diese Firma die Systeme so einrichtet, um Datenspionage betreiben zu können. Darum hat die britische Regierung Mitte Juli dieses Jahres die chinesische Firma Huawei als Lieferant beim Aufbau des 5G-Netzes in Großbritannien ausgeschlossen. Demnach ist es Netzwerkanbietern in Großbritannien ab 2021 verboten Huawei-Komponenten zu kaufen und zu verbauen.

Und z.B. der Direktor von Post Telecom in Luxembourg Cliff Konsbruck bestätigte in einem Interview mit RTL, dass sie ihr 5G-Netzwerk mit ihrem langjährigen Partner Ericsson aufbauen werden.

Fazit

Mittlerweile sind die Frequenzen in Luxemburg versteigert, 5G wird also kommen. Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es keine harten Indizien dafür, dass von der 5G-Technologie eine starke Gefährdung für Mensch und Umwelt ausgeht. Und dass bis zur Inbetriebnahme der neuen Netze weitere Studien hinzukommen, die das bisherige Wissen grundsätzlich in Frage stellen, ist sehr unwahrscheinlich.

Allerdings liegen noch relativ wenige für 5G spezifische Studien vor. Vieles wird aus den Studien mit den älteren Technologien hergeleitet. Jedoch geht die Fachwelt davon aus, dass das vorhandene Wissen über 3G und 4G auch für 5G gilt: unterhalb der erlaubten Grenzwerte sind negative gesundheitliche Effekte von Mobilfunkstrahlung nicht wissenschaftlich belegt.

Unbedingt geklärt werden muss die Frage der Gesamtstrahlenbelastung, wenn viele Personen auf geringem Raum gleichzeitig telefonieren. Hier ist noch nicht einmal klar, wie überhaupt gemessen werden soll. Was für 5G ebenfalls noch fehlt, sind epidemiologische Langzeitstudien.

Bis solche vorliegen, ist es wichtig, dass (die vorhandenen) Grenzwerte eingehalten werden. Und wir können durch das eigene Nutzungsverhalten unsere Strahlenbelastung möglichst tief halten - denn wie hier im Artikel gezeigt wurde, ist ein grosser Teil der Strahlung, der wir ausgesetzt sind, auf unser Nutzungsverhalten (telefonieren direkt am Ohr, Tragen des Handys in der Hosentasche...) zurückzuführen. Daher zum Abschluss ein paar Empfehlungen, wie wir Handystrahlung reduzieren können. 

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Empfehlungen, um Handystrahlung zu vermeiden
  • Beim Kauf eines Mobiltelefons auf einen tiefen SAR-Wert achten.
  • Mobiltelefon möglichst weit weg vom Körper tragen, also nicht in der Hosen- oder Brusttasche des Hemdes.
  • Beim Telefonieren das Gerät nicht an das Ohr halten, sondern ein Headset oder Kopfhörer verwenden. Aber Achtung: Drahtlose Headsets arbeiten mit Bluetooth, was auch wieder Strahlenexposition bedeutet.
  • Mobiltelefon möglichst oft ausschalten oder auf Flugmodus.
  • Möglichst wenig bei schlechtem Empfang, also abseits von gut erschlossenen Netzen telefonieren. Auch nicht in Gebäuden oder Fahrzeugen, die das Signal abschirmen. Sonst sendet das Mobiltelefon auf maximaler Leistung, was die Strahlenbelastung erhöht.
  • Viele Telekomunternehmen bieten den Service «WiFi-Call» an. Wer diesen nutzt, kann das Handy auf Flugmodus stellen und trotzdem via WiFi telefonieren.

Autoren: Beat Glogger (scitec-media), Jean-Paul Bertemes (FNR), Michèle Weber (FNR)
Editoren: Jean-Paul Bertemes (FNR), Michèle Weber (FNR), Joseph Rodesch (FNR)

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