Autor: Kai Dürfeld (für scienceRELATIONS - Wissenschaftskommunikation), Co-Autor: Jean-Paul Bertemes (FNR)

Interviewpartner und Experteneinschätzungen: Dr. Isabel De La Fuente Garcia

 

Seit dem 14. Dezember können in Luxemburg gefährdete Kinder im Alter von 5 bis 11 Jahren, oder Kinder im selben Alter, die mit gefährdeten Personen zusammenleben, zum Schutz gegen Covid-19 geimpft werden. Über eine Empfehlung für alle Kinder in dem Alter soll demnächst entschieden werden.

Unabhängig von der Situation stehen Eltern vor der schwierigen Frage: Soll ich mein(e) Kind(er) gegen COVID-19 impfen lassen?

Um bei all diesen Überlegungen und der anschließenden Entscheidung zu unterstützen, haben wir hier die Faktenlage zusammengestellt. Es geht nämlich darum, Verschiedenes abzuwägen. Auf der einen Seite stehen die Risiken einer COVID-19-Erkrankung inklusive möglicher Spätfolgen. Dies haben wir in Teil 1 dieser Serie behandelt:

Auf der anderen Seite stehen Wirksamkeit und Sicherheit der Impfstoffe speziell für den kindlichen Organismus. Dies behandeln wir in diesem zweiten Teil der Serie. Und auch gesellschaftliche Fragestellungen wie das Thema Herdenimmunität, Schulschließungen und die häufigen Quarantänen für Kinder sollten nicht außer Acht gelassen werden. Diese Themen werden sowohl im ersten als auch in diesem zweiten Teil in Betracht gezogen. 

Um die Fakten einzuordnen, haben wir Dr. Isabel De La Fuente Garcia um ihre Expertenmeinung gebeten. Die Kinderärztin arbeitet unter anderem als Konsiliarärztin für Infektionskrankheiten an der Kannerklinik des Centre Hospitalier de Luxembourg. Darüber hinaus ist sie ständige Expertin des Conseil Supérieur des Maladies Infectieuses beim luxemburgischen Gesundheitsministerium und Mitglied im Beirat des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC).

Foto: Dr. Isabel De La Fuente Garcia

 

Welche Impfstoffe sind für Kinder zugelassen?

In Luxemburg hat der Oberste Rat für Infektionskrankheiten (CSMI) die Impfung mit dem BioNTech / Pfizer Impfstoff für gefährdete Kinder und Kinder, die mit gefährdeten Personen in Kontakt stehen, empfohlen. Damit reagierte das Gremium auf die Erweiterung der Zulassung des Impfstoffes auf Kinder ab 5 Jahre durch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) vom 26. November 2021.

Übrigens: In den USA hat der Impfstoff von BioNTech / Pfizer bereits am 29. Oktober 2021 eine Notfallzulassung für die Verwendung bei Kindern zwischen 5 und 11 Jahren von der US-amerikanischen Behörde für Lebensmittel- und Arzneimittelsicherheit FDA  erhalten. Auch in Israel dürfen auch in Israel Kinder ab 5 Jahre seit November 2021 mit dem BioNTech / Pfizer Impfstoff geimpft werden.

Was hat die FDA und was hat die EMA nochmal nachgeprüft?

Kinder bekommen zwar den gleichen Impfstoff wie Erwachsene, allerdings in einer anderen Dosierung. Warum, erklärt Isabel de la Fuente:

„Das Immunsystem von Kindern und ganz besonders von solchen zwischen fünf und elf Jahren unterscheidet sich vom Immunsystem anderer Altersgruppen. Es führt generell zu einer stärkeren Immunantwort. Deshalb musste die Dosierung angepasst werden. Denn es ist das Ziel, mit der geringstmöglichen Dosis die größtmögliche Schutzwirkung zu erzielen.“

In ihrer Studie haben BioNTech / Pfizer diese Dosis bestimmt und gezeigt, dass sie bei Kindern zwischen fünf und elf Jahren sowohl effektiv als auch sicher ist. Die Gesundheitsbehörden in den USA (FDA) und in Europa (EMA) haben anhand der Studienergebnisse entschieden, den Impfstoff jetzt auch für Kinder der untersuchten Altersgruppe freizugeben.

Wie wurden die Studien durchgeführt und wie waren die Ergebnisse?

Der BioNTech / Pfizer Impfstoff BNT162b2 wurde in zwei Phasen für die Verwendung bei Kindern zwischen 5 und 11 Jahren klinisch getestet. In der ersten Phase wurde die wirksame Dosis an wenigen Kindern getestet und schließlich bei 10 Mikrogramm festgelegt. Das entspricht einem Drittel der Impfstoffmenge, die für Erwachsene sowie Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 15 Jahren festgelegt ist.

In einer weiteren Phase wurde der Impfstoff auf Verträglichkeit und Wirksamkeit geprüft. Daran nahmen insgesamt 2.268 Kinder zwischen 5 und 11 Jahren teil. Zwei Drittel der jungen Probanden erhielten jeweils zwei Dosen des BioNTech / Pfizer Impfstoffes BNT162b2 im Abstand von 21 Tagen. Das restliche Drittel diente als Kontrollgruppe und erhielt eine Kochsalzlösung als Placebo. Weder die Kinder noch die Forscher, die die Daten auswerteten, wussten dabei von der Gruppenzuordnung.

 

Um die Sicherheit des Impfstoffes einschätzen zu können und eventuelle Nebenwirkungen zu erkennen, werteten die Wissenschaftler elektronische Tagebücher aus, die die Eltern der jungen Probanden führen mussten. Teilnehmer aus der Impfstoffgruppe hatten nach beiden Injektionen häufiger mit Rötung, Schwellung und Schmerz an der Einstichstelle zu kämpfen als Teilnehmer der Placebogruppe. Andere Beschwerden wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Fieber, Erbrechen oder Durchfall traten nach beiden Dosen sowohl in der Impfstoff- als auch in der Placebogruppe auf. Insgesamt waren all diese beobachteten Reaktionen mild und klangen nach wenigen Tagen wieder ab. Schwere Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet.

 

Impfstoffgruppe

Placebogruppe

Nebenwirkung

Dosis 1

Dosis 2

Dosis 1

Dosis 2

Rötung an der Einstichstelle

15 %

19 %

6 %

5 %

Schwellung an der Einstichstelle

10 %

15 %

3 %

3 %

Schmerz an der Einstichstelle

74 %

71 %

31 %

29 %

Müdigkeit

34 %

39 %

31 %

24 %

Kopfschmerzen

22 %

28 %

24 %

19 %

Muskelschmerzen

9 %

12 %

7 %

7 %

Schüttelfrost

5 %

10 %

5 %

4 %

Durchfall

6 %

5 %

4 %

5 %

Erbrechen

2 %

2 %

1 %

1 %

Fieber

3 %

7 %

1 %

1 %

Die Tabelle vergleicht, die in der Zulassungsstudie beobachteten Nebenwirkungen für die erste und zweite Dosis des BioNTech / Pfizer Impfstoffes zwischen Impfstoffgruppe und Placebogruppe.

Die Immunogenität des Impfstoffes, also seine Wirkung auf das Immunsystem, wurde anhand von Blutproben untersucht. In diesen wurde die Menge an Antikörpern ermittelt. Dabei stellte sich heraus, dass die Kinder trotz der geringeren Dosis ein Antikörperlevel entwickelten, was sich mit dem von geimpften Erwachsenen und Jugendlichen vergleichen lässt.

Um die Wirksamkeit des Impfstoffes zu ermitteln, wurden die Covid-19 Fälle unter den jungen Studienteilnehmern ab dem siebten Tag nach der zweiten Dosis beobachtet. Aus der Impfstoffgruppe erkrankten drei Kinder an Covid-19; aus der Placebogruppe erkrankten 16. Daraus ergibt sich eine Wirksamkeit des Impfstoffes bei Kindern zwischen 5 und 11 Jahren von 90,7 Prozent.

Anmerkung: Wie man hier sieht, ist der Schutz – wie auch bei den Erwachsenen – nicht 100%. Kinder können sich also trotz Impfung noch infizieren. Die Wahrscheinlichkeit ist jedoch stark reduziert. Dies hat oftmals auf individueller Ebene kaum sichtbare Effekte (entweder man ist infiziert oder nicht, und man weiß nicht wie es einem ergangen wäre, wenn der Impfstatus ein anderer gewesen wäre). 90% Wirksamkeit haben jedoch einen spürbaren Effekt auf Ebene der öffentlichen Gesundheit. Es kommt zu weniger Infektionen – bzw es können mehr physische Kontakte/weniger Restriktionen zugelassen werden.

In keiner der beiden Gruppen kam es zu einem schweren Verlauf oder zum Auftreten von PIMS (Paediatric multisystem inflammatory syndrome), einer seltenen Komplikation, die bei an Covid-19 erkrankten Kindern auftreten kann.

„Wir schätzen den Impfstoff als sehr effektiv gegen Infektionen und vor allem gegen schwere Verläufe ein. Um eventuell mögliche seltene Nebenwirkungen der Impfung zu entdecken, war die Teilnehmerzahl der Studie aber zu klein. Da eine Covid-19 Infektion aber bei Kindern zwischen 5 und 11 Jahren sehr selten zu schweren Verläufen führt, müssen wir beim Impfen noch kritischer auf die Sicherheit des Impfstoffes schauen. Deshalb haben wir entschieden, auf die Daten der Impfprogramme aus anderen Ländern zu warten und anhand derer erneut zu beraten. Ich denke, Anfang Januar werden wir mit den Daten über etwa 5 Millionen doppelt geimpfter Kinder eine sehr solide Entscheidungsgrundlage haben.“

 

Warum hat sich die luxemburgische Impfkommission trotzdem jetzt gegen eine allgemeine Impfempfehlung für Kinder entschieden?

Isabel de la Fuente ist Mitglied der Impfkommission und hat die Empfehlung geschrieben. Die Entscheidung begründet sie:

„Der Oberste Rat für Infektionskrankheiten (CSMI) ist NICHT gegen die generelle Impfung von Kindern. Wir haben lediglich beschlossen, die Impfkampagne in zwei Schritten durchzuführen:

  1. Schutz der am meisten gefährdeten Kinder (Kinder mit gesundheitlichen Problemen und Kinder, die Kontakt zu Familienmitgliedern mit gesundheitlichen Problemen haben).
  2.  Impfung der allgemeinen Kinderpopulation: In dieser Altersgruppe tritt die geringste Rate an Komplikationen bei einer Covid-19 Erkrankung auf. Deshalb haben wir beschlossen, noch einige Wochen zu warten und mehr Daten zur Sicherheit zu sammeln, bevor wir die Impfkampagne für alle öffnen. Bislang haben weltweit bereits 5 Millionen Kinder ihre erste Impfung erhalten und mehr als 1,5 Millionen ihre zweite. Wenn sich aus diesen Erfahrungen keine Sicherheitsprobleme ergeben, hoffen wir, die Impfung rasch für weitere Kinder öffnen zu können. Das könnte Anfang 2022 aber eventuell auch schon Ende 2021 geschehen.“

Dass es eine Impfempfehlung für gefährdete Kinder gegeben hat, begründet sie so:

„In Luxemburg hatten die meisten der hospitalisierten Kinder – auch jene, die PIMS entwickelt haben – keine Vorerkrankungen. Weltweit sieht das aber anders aus. Denn international betrachtet, haben die meisten Kinder, die wegen akuter Covid intensivmedizinisch behandelt werden müssen oder daran sterben, verschiedene Vorerkrankungen. Deshalb haben wir entschieden, diese Gruppe auch hier in Luxemburg zuerst zu schützen. Außerdem sind noch nicht alle Impfdosen in Luxemburg angekommen, die wir für eine komplette Impfung aller 5- bis 11-Jährigen benötigen. Deshalb wollen wir den Kindern, die den Impfstoff am dringendsten benötigen, auch die Möglichkeit geben, ihn schneller zu erhalten. Indem wir nur gefährdete Kinder impfen, können wir zwar nicht alle Krankenhausaufenthalte im Zusammenhang mit Covid oder PIMS vermeiden, aber wir werden das Risiko schwerer Komplikationen in der am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppe verringern.

In der zweiten Phase der Kinderimpfung, in der die Impfung allen 5- bis 11-Jährigen in Luxemburg angeboten wird, hoffen wir, Komplikationen wie PIMS bei Kindern dieses Alters zu verhindern und die COVID-19-Krankenhausaufenthalte in der allgemeinen pädiatrischen Bevölkerung dieses Alters zu verringern.“

 

Mal abgesehen vom persönlichen Schutz der Kinder vor einer Infektion: Welche anderen Gründe sprechen für eine Impfung?

Auch wenn Kinder seltener schwer erkranken, leiden sie doch stark unter der Pandemie. Isabel de le Fuente sagt:

„Die Kinder sind aktuell die wahren Leidtragenden der Pandemie. Denn sie bringen eine ganze Menge Opfer; allen voran ihr Sozialleben und ihre Bildung. Und sie bringen diese Opfer hauptsächlich für die Erwachsenen. Wir haben andere, gefährlichere Viren, die Kinder befallen. Aber wir haben deswegen nie die Dinge getan, die wir jetzt bei Covid tun, weil Kinderkrankheiten für Erwachsene nicht besonders gefährlich sind. Aktuell setzen wir die Kinder sehr unter Druck, weil wir wissen, dass das Virus in ihnen zirkuliert. Ich denke, die Impfung ist ein Notausgang für Kinder. Denn wenn sie geimpft sind, haben sie – wie geimpfte Erwachsene auch – mehr Chancen, wieder am Sozialleben teilhaben zu können; wieder zurück in die Schule, zurück ins soziale Leben mit Freunden, Sport, Musik, Theater zu dürfen. Ich persönlich halte diesen Grund für sehr wichtig.“

Könnten Kinder vielleicht das Zünglein an der Waage sein, um der Pandemie durch Herdenimmunität endlich Herr zu werden?

Ein weiteres Argument, das auf den ersten Blick für eine Impfung von Kindern spricht, ist die heiß ersehnte Herdenimmunität. Jener Punkt, an dem so viele Menschen vor dem Virus geschützt seien, dass es keine Bedrohung mehr für unser Gesundheitssystem ist, könnte ja eventuell mit den Kindern erreicht werden? Dazu meint unsere Expertin:

„Die Kinder vor Covid zu schützen, ist einer der Gründe einer Impfung. Ein anderer ist, die Pandemie unter Kontrolle zu bringen. Wenn wir die Verbreitung des Virus in Kindern verlangsamen, können wir dazu beitragen, die Verbreitung des Virus in der gesamten Bevölkerung zu verlangsamen. Allerdings haben Modelle der ECDC errechnet, dass die Impfung von Kindern nur dann bei der Eindämmung der Pandemie helfen wird, wenn bereits eine hohe Anzahl der Erwachsenen geimpft ist und gleichzeitig eine hohe Impfbereitschaft bei den Kindern besteht. In Luxemburg sind immer noch 25 Prozent der Bevölkerung nicht geimpft. Deshalb würde es sehr lange dauern, die Pandemie durch eine Impfaktion der Kinder zu verlangsamen. Das war ein weiterer Grund für unsere Entscheidung. Wir denken, wir sollten uns bei der Impfung erst auf die Erwachsenen konzentrieren bevor wir mit den Kindern beginnen."

Infobox

Joël Mossong, Spezialist für die Ausbreitung von Viren, sieht die Impfung für Kinder aus Sicht des Pandemiegeschehens als sehr wichtig an

„Momentan zirkuliert das Virus einfach am meisten in dieser Altersgruppe. Für das Pandemiegeschehen ist das nicht gut. Ich denke, es ist zu kurz gedacht, nur die gesundheitlichen Risiken der Kinder – die ja tatsächlich nicht sehr hoch sind – in Pandemiezeiten zu betrachten. Kinder sind bei hohen Inzidenzen die Leittragenden, weil sie so oft in Quarantäne müssen, der Schulablauf so oft gestört wird, sie ein hohes Risiko haben, das Virus in die Familien zu tragen – was auch eine psychologische Belastung ist. Es wundert mich nicht, dass die Eltern der Impfung ihrer eigenen Kinder positiver gegenüberstehen als die Gesamtbevölkerung gegenüber der Impfung für Kinder. Sie wissen, was die hohen Inzidenzen für einen Einfluss auf ihr Kind haben.“

Anmerkung: In einer rezenten repräsentativen Umfrage hatten 56% der Bevölkerung eine positive Haltung gegenüber der Impfung für 5- bis 11-jährige. Und 66% der Eltern von 5- bis 11-jährigen gaben an, ihre Kinder impfen lassen zu wollen.

Wie verändert die Omikron-Variante die Lage?

Die neue Omikron-Variante des Virus könnte nach ersten Untersuchungen zwar zu weniger schweren Verläufen führen, dafür aber noch ansteckender als die aktuell vorherrschende Delta-Variante sein. Diese könnte nach Meinung von Experten bald durch Omikron als vorherrschende Variante abgelöst werden. Dazu meint unsere Expertin:

„Wenn Omikron an unsere Tür klopft, wird die Impfung natürlich noch wichtiger. Zwar wird vermutet, dass Omikron weniger häufig zu einer schwereren Infektion führt. Allerdings scheint es immer klarer zu werden, dass es weitaus ansteckender ist als die anderen Varianten, die bisher im Umlauf waren. Wenn also die Omikron-Variante die gleiche Hospitalisierungs- und Komplikationsrate wie die Delta-Variante aufweist, aber zu einer höheren Zahl von Infizierten führt, wird dadurch die Gesamtzahl der Hospitalisierungen und Todesfälle viel höher sein als bei früheren Varianten. Und zwar in allen Altersgruppen.“

Was das für die Impfung von Kindern bedeutet, fasst Isabel de la Fuente zusammen:

„Auch wenn die Wirksamkeit des Impfstoffs im Vergleich zu früheren Varianten geringer sein mag, ist die Impfung der gesamten Bevölkerung sehr wichtig. Denn damit lässt sich die Krankheitslast verringern und die Fähigkeit der Gesundheitssysteme erhalten, sich mit anderen Gesundheitsproblemen und Krankheiten außer Covid-19 zu befassen. Und dies gilt für die gesamte Bevölkerung einschließlich der Kinder. In diesem Zusammenhang ist es also noch wichtiger und dringender, die Impfung der erwachsenen Bevölkerung einschließlich der Auffrischungsimpfungen fortzusetzen. Aber auch die Kinder zu impfen. Wir sind daher sehr froh, dass ein Impfstoff für Kinder zur Verfügung steht und wir mit dem Impfen beginnen können. Wir sehen uns auch die realen Daten zur Impfung von Kindern – insbesondere die zur Sicherheit – genau an, um jedem Kind zwischen 5 und 11 Jahren, das sich impfen lassen möchte, sehr schnell die Möglichkeit dazu zu geben.“

Und was spricht gegen eine Impfung für Kinder?

Wenn das Virus für Kinder kaum gefährlich ist; wenn nur verschwindend wenige ins Krankenhaus müssen und noch keines gestorben ist (siehe Teil 1); wenn auch die Impfung aller Kinder das Virus nicht komplett stoppen kann – warum soll ich mein Kind dann dem Risiko einer Impfung aussetzen, die gerade einmal bei 1.500 Gleichaltrigen getestet wurde? Isabel de la Fuente kennt die verschiedensten Ängste und Einwände. Sie sagt:

„Natürlich ist die Impfung in Luxemburg freiwillig. Deshalb haben Eltern selbstverständlich die Wahl, ihre Kinder nicht impfen zu lassen. Ich verstehe, wenn Eltern Bedenken wegen möglicher Nebenwirkungen haben. Ich verstehe, wenn sie ihre Kinder nicht gegen ein Virus impfen lassen wollen, das für diese wenig gefährlich ist. Und das ist eben auch ein Grund dafür, dass wir hier in Luxemburg entschieden haben, mit einer generellen Impfempfehlung für Kinder noch zu warten. Wir wissen zwar schon heute, dass der Impfstoff für Kinder gut verträglich ist. Ich persönlich mache mir keine Sorgen über langfristige Nebenwirkungen. Der Impfstoff wird im Körper rasch abgebaut, und eventuelle Reaktionen treten innerhalb eines Monats nach der Impfung auf. Ich glaube nicht, dass es in dieser Altersgruppe zu unerwarteten Nebenwirkungen kommen wird. Aber auch hier werden die Daten von mehreren Millionen geimpften Kindern meine Einschätzung untermauern und damit helfen, mögliche Bedenken zu zerstreuen.“

Infobox

Wie wird es mit dem Virus weitergehen?

„Ich denke, selbst mit der Impfung von Kindern können wir die Zirkulation des Virus nicht komplett stoppen. Denn einerseits gibt es ja immer neue Varianten. Und andererseits gibt es global gesehen noch sehr viele Länder mit einer niedrigen Impfrate. Das Virus wird also weiter auf der Welt zirkulieren und auch immer wieder die Länder mit einer hohen Impfrate erreichen.

Auf der anderen Seite wissen wir, dass die Immunität nicht lebenslang gegeben ist. Um das Virus wirklich zu stoppen, müssten wir einen hohen Anteil der Bevölkerung – wohl über 80 Prozent – zur gleichen Zeit immunisieren und das auf der gesamten Welt. Und das ist natürlich sehr, sehr schwierig.

Trotzdem glaube ich, wenn der Immunschutz innerhalb einer Gesellschaft sehr stark ist, wird das Virus zwar zirkulieren, aber die Zahl der schweren Erkrankungen und der Todesfälle wird sinken. Sie wird sich vielleicht auf dem Level einer Influenza einpegeln. Denn in diesem Fall wird die Zirkulation des Virus unser Immunsystem immer wieder trainieren. Wir werden in einem solchen Fall durch die Impfung und die Zirkulation des Virus gut geschützt sein. Und das sollte jetzt unser Ziel sein: Wir sollten nicht versuchen, Covid zu stoppen. Wir sollten versuchen, schwere Verläufe und Todesfälle durch Covid zu minimieren.“

Isabel de la Fuente, Kinderärztin

Quellen

 DGPI: Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (2021): Stellungnahme der DGKH und DGPI: Infektions- und Übertragungsrisiken von SARS-CoV-2 und die Morbidität und Mortalität bei Kindern und Jugendlichen – Einfluss von saisonalem Verlauf, Virusvarianten und Impfeffekten (Stand 15.09.2021). Online verfügbar unter https://dgpi.de/sars-cov-2-risiken-kinder-einfluss-saisonalem-verlauf-virusvarianten-impfeffekt/, zuletzt aktualisiert am 16.11.2021, zuletzt geprüft am 16.11.2021.

Roessler, Martin; Tesch, Falko; Batram, Manuel; Jacob, Josephine; Loser, Friedrich; Weidinger, Oliver et al. (2021): Post COVID-19 in children, adolescents, and adults: results of a matched cohort study including more than 150,000 individuals with COVID-19. DOI: 10.1016/j.prrv.2020.08.001

 RKI (2021): RKI - Coronavirus SARS-CoV-2 - Todesfälle nach Sterbedatum (11.11.2021). Online verfügbar unter https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Projekte_RKI/COVID-19_Todesfaelle.html, zuletzt aktualisiert am 16.11.2021, zuletzt geprüft am 16.11.2021. 

Roessler, Martin; Tesch, Falko; Batram, Manuel; Jacob, Josephine; Loser, Friedrich; Weidinger, Oliver et al. (2021): Post COVID-19 in children, adolescents, and adults: results of a matched cohort study including more than 150,000 individuals with COVID-19. DOI: 10.1101/2021.10.21.21265133

Belousova, Katja (2021): Was verraten neue Daten zu Long Covid? In: Panorama, 24.10.2021. Online verfügbar unter https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/corona-long-covid-kinder-studie-dresden-100.html, zuletzt geprüft am 18.11.2021.

https://sante.public.lu/fr/espace-professionnel/recommandations/conseil-maladies-infectieuses/covid-19/covid-19-annexes/recommandation-vaccination-COVID-5-11-ans-20211129.pdf

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