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Dr. Clément Thomas ist Forscher am 'Luxembourg Institute of Health' und leitet ein Projekt über eine besonders aggressive Form von Brustkrebs, das finanzielle Zuwendungen von der Fondation Cancer erhält.

39 Jahre

Forscher im 'Laboratory of Cellular and Molecular Oncology' des 'Luxembourg Institute of Health'

Hobbys: Aktivitäten mit der Familie, Philosophie, Mountainbike-Fahren, gutes Essen, schöne Autos.

Was hat Sie dazu bewogen, Forscher zu werden?

Ich entschied mich erst spät dazu. Als Kind träumte ich davon, Schreiner oder Zeichner zu werden. Das kreative Handwerk reizte mich. Das Interesse für Biologie kam erst zu Beginn meines Studiums auf. In Bezug auf die Kreativität hat mich die Wahl nicht enttäuscht, da man diese auch in der Forschung benötigt.

Ist es Ihr Traumjob?

Forschung ist ein sehr stimulierendes Gebiet, das eine große Bandbreite an Aktivitäten vereint. Es wird nie langweilig und kein Tag ähnelt dem anderen. Der Forscher muss sein Wissen ständig weiterentwickeln und seine Denkweise anpassen, das gefällt mir sehr gut. Man reist viel und trifft faszinierende Persönlichkeiten, die die eigene Arbeit beeinflussen. Ein Labor ist ein sehr lebendiger, wandelbarer Ort, der von Studenten und Besuchern aufgesucht wird. Generell herrscht dort eine gute Stimmung!

Was ist das Faszinierende an Forschung?

Die Klischeevorstellung vom Forscher, der ein bisschen verrückt ist, abstehende Haare hat und an sein Mikroskop gefesselt ist, trifft die Realität nicht unbedingt. Zuerst einmal ist die Forschung – zumindest in der Biologie – vorwiegend weiblich. Dann handelt es sich um ein sehr junges, dynamisches Umfeld. Und auch Forscher haben Familie und ein Privatleben mit Hobbys. Das Klischee des nonkonformistischen Forschers ist allerdings auch nicht komplett falsch. Und das ist gut so! Die Forschung akzeptiert bereitwillig originelle, kreative Persönlichkeiten. Es gibt nur wenige vordefinierte Richtlinien oder Einstellungen, die es anzunehmen gilt. Die akademische Forschung lässt einem einen großen Freiraum! Dies sollten Forscher meiner Ansicht nach verteidigen. In der Forschung zu arbeiten, bedeutet, sich an der Quelle von Innovationen zu befinden, die unser Leben ändern.

Warum haben Sie den Weg der Krebsforschung eingeschlagen?

Auf dem Gebiet von Krebs zu arbeiten, bringt eine neue Dimension in meinen Arbeitsbereich. Wie viele andere werde auch ich immer wieder mit der Neuigkeit konfrontiert, dass ein nahestehender Mensch an Krebs erkrankt ist. Es ist eine furchtbare Krankheit und so häufig, dass die Forschung ihr eine Priorität einräumen muss. Verheißungsvolle neue Herangehensweisen heben sich heraus, besonders jene, die die Stärkung der Immunabwehr anvisieren. Es ist eine besonders interessante Zeit, um am Kampf gegen den Krebs teilzunehmen.

Text: Fondation Cancer
Fotos: cheese.lu Frank Meiers

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Mehr Infos zu Clément Thomas

Clément Thomas und seine Arbeitskollegen interessieren sich für Mechanismen, die Tumorzellen benutzen um den Primärtumor zu verlassen und zu entfernten Stellen zu wandern, um dort neue Tumore (Metastasen) zu bilden. Ihre Arbeit konzentriert sich auf das frühe Stadium der sogenannten metastatischen Kaskade, in der Tumorzellen die Fähigkeit erlangen die extrazelluläre Matrix und Gewebebarrieren zu bearbeiten oder zerstören.

Besondere Zellstrukturen

Diese Fähigkeit wird durch Zellstrukturen, genannt Invadopodia, verliehen. Diese Invadopia setzten bestimmte Enzyme frei, die die Zellumgebung verändern oder zersetzen können. Die Bildung und Aktivität der Invadopodia erfordert eine bestimmte Struktur. Clément Thomas und seine Kollegen versuchen Komponenten dieser Invadopodia zu identifizieren, die als therapeutische Zielscheibe zur Verhinderung der Metastasenbildung dienen könnten.

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