(C) Pixabay

Für diese Studie haben die Forscher des Luxembourg Institute of Socio-Economic Research (LISER) und der London School of Economics den BMI von Kindern getrennter Eltern mit den Werten von Kindern verglichen, deren Eltern zusammengeblieben sind. Der BMI-Anstieg war in der Trennungsgruppe ausgeprägter als bei Kindern derselben Altersklasse, deren Eltern sich nicht trennten. Ein besonders starker Anstieg wurde bei Kindern festgestellt, die vor der Trennung noch nicht das sechste Lebensjahr erreicht hatten.

Der Body-Mass-Index (kg/m2) erlaubt es, das Körpergewicht eines Menschen sowie die damit verbundenen potenziellen gesundheitlichen Risiken einzuschätzen. Der BMI gibt an, ob ein Mensch unter-, normal-, oder (stark) übergewichtig ist. Mit folgender Formel, kannst Du deinen BMI bestimmen: teile dein Körpergewicht (Kg) durch das Quadrat deiner Körpergröße (m2). Diesen Wert musst du dann mit einer BMI-Tabelle abgleichen um herauszufinden ob du dein Idealgewicht besitzt. Die BMI-Tabellen varrierein je nach Alter und Geschlecht. 

Beobachtung über die gesamte Kindheit hinweg

Die Untersuchung basierte auf den Daten der Millennium Cohort Study – eine Studie, deren Verfasser die Entwicklung von etwa 7.500 zwischen 2000 und 2002 im Vereinigten Königreich geborenen Kindern mitverfolgt hatten. Als erster Messpunkt wurde ein Lebensalter von neun Monaten festgelegt. Danach erfolgten weitere Messungen jeweils im Alter von 3, 5, 7 und 11 Jahren.

Um die Ergebnisse nicht zu verfälschen, klammerten die Wissenschaftler Faktoren wie das soziale Herkunftsmilieu, das Alter der Eltern bei der Geburt oder andere entwicklungsunabhängige Faktoren aus, die mit familiärer Instabilität und einer Tendenz zum Übergewicht in Verbindung gebracht werden. Hierfür folgten sie einem strengen Protokoll:



„Es wurden standardisierte Werte für den BMI in den jeweiligen Altersstufen festgelegt. Anschließend wurde für jedes Kind die Entwicklung des ‚individuellen BMI‘ an den vier Beobachtungspunkten in Bezug auf den Mittelwert ermittelt. Danach wurde auf Basis der gesamten Kohorte die Entwicklung des BMI ohne Trennungserlebnis bezogen auf den individuellen Mittelwert vorausgesagt. Am Ende wurden bei den Trennungskindern die Auswirkungen der Trennung als Abweichung vom Normwert bewertet“, erläutert Pr. Dr. Van Kerm, der sich an der Universität Luxemburg und als Forscher des LISER mit sozialer Ungleichheit und Sozialpolitik beschäftigt.

In dieser Kohorte haben etwa 1.500 Kinder die Trennung ihrer Eltern erlebt. Das entspricht 20 Prozent. Der Vergleich der BMI-Messungen der Trennungsgruppe mit den Werten der Kinder, die in ihrer Kindheit keine Trennung erlebten, zeigt eine deutliche Zunahme des BMI bei Trennungskindern – etwa 24 Monate nach der Trennung im signifikanten Bereich. Die Studie untersuchte auch, inwiefern die Tendenz der Kinder zum Übergewicht steigt. Auch hier deuten die Ergebnisse darauf hin, dass ein erhöhtes Risiko vorliegt.

Bestätigung durch weitere Studien

Die Ergebnisse dieser Untersuchung bestätigen zahlreiche andere Studien, die sich mit den schädlichen Auswirkungen einer Trennung der Eltern auf unterschiedliche Entwicklungsbereiche der Kinder beschäftigten – von den kognitiven Fähigkeiten über das emotionale und mentale Wohlbefinden bis hin zu den schulischen Leistungen.

Die Auswertung der Studie lässt noch keine Aussagen zu möglichen Präventivmaßnahmen zu, anhand derer sich die Tendenz zum Übergewicht bei einigen Kindern vorhersagen oder eindämmen ließe. Dennoch lässt sich festhalten: Das Risiko einer Gewichtszunahme steigt nach einer Trennung mit der Zeit an. Daher wäre es den Forschern zufolge sinnvoll, möglichst früh nach der Trennung entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten.„Wenn wir frühzeitig eingreifen, können wir unter Umständen den Mechanismus antizipieren oder zumindest bremsen, der dazu führt, dass manche Kinder zunehmen oder sogar fettleibig werden“, so das Forscherteam.

Autor: LISER


Editor : Constance Lausecker und Jean-Paul Bertemès

EU-Austritt Großbritanniens Welche Folgen hat der Brexit für die Europäische Forschung?

In der EU zählt Großbritannien zu den wichtigsten Forschungspartnern. Entsprechend besorgt ist die Wissenschaft mit Blic...

FNR
Transatlantische Zusammenarbeit Wissenschaftliche Delegation aus Luxemburg auf Mission in Québec

Um die Wissenschaft in beiden Ländern weiter voranzutreiben, wollen Forschungseinrichtungen aus Kanada und Luxemburg zuk...

Highly Cited Researchers 2018 Zwei Wissenschaftler der Uni Luxemburg gehören zu den einflussreichsten Forschern weltweit

Stéphane Bordas und Alexandre Tkatchenko werden laut der von Clarivate Analytics publizierten Liste „Highly Cited Resear...

Auch in dieser Rubrik

Christine Schiltz
Researchers‘ Days 2018 Gegen Mathe-Angst gibt es ein Mittel

Als Neurowissenschaftlerin beschäftigt sich Christine Schiltz, Teilnehmerin der Researchers‘ Days 2018, unter anderem mit den numerischen Fähigkeiten von Kindern damit, wie Kinder zählen lernen.

Health & Behaviour Conference Dort ansetzen, wo personalisierte Medizin an ihre Grenzen stößt

Unser Wohlbefinden hängt von unserem Gesundheitszustand ab, aber auch von unserem Verhalten. Eine Fachkonferenz an der Uni befasst sich mit der komplexen Wechselwirkung dieser beiden Faktoren.

Schmerzforscher Fernand Anton
Schmerzforschung Wer ist schmerzempfindlicher - Männer oder Frauen?

Es heißt oft, Männer könnten schon allein deshalb keine Kinder zur Welt bringen, weil sie dafür viel zu wehleidig seien. Doch stimmt das wirklich?

LALA - "Lauter lëschteg Lauter" Ein praktisch und wissenschaftlich erprobtes Leseförderprogramm für Vorschulen

Lernschwierigkeiten bei Kindern vorbeugen und ihnen so bessere Startchancen für die Schullaufbahn geben.