(C) Andy Genen

Lizzie und Nouga wandern durch die Felder in der Nähe von Kehlen. Als sie zu einem Hof kommen, steigt ihnen ein seltsamer Geruch in die Nase. Neugierig gehen sie näher.

Lizzie: Schau mal, Nouga! Da liegen bergeweise gammeliges Obst und Gemüsereste herum und dort sind riesige Misthaufen. Kein Wunder, dass das hier so stinkt. Was die wohl mit dem ganzen Mist machen?

In diesem Augenblick kippt Nico eine Fuhre Mist auf den Hof. Er schaut verwundert zu Lizzie und Nouga. Kinder dürfen eigentlich gar nicht auf das Gelände. Schnell erklären sie ihm, was sie angelockt hat.

Nico: Ihr habt Recht, wenn ich eine frische Fuhre Mist vom Bauernhof ablade, stinkt es gewaltig. Aber wir brauchen den Mist und die anderen Abfälle – ihr seid schließlich auf dem Hof einer Biogasanlage.

Biogas! Na, klar!

Lizzie stupst Nouga an. Aus Biogas kann man Strom und Wärme gewinnen. Das hat ihnen jedenfalls neulich die Lehrerin in der Schule erzählt. Doch Nouga scheint nicht überzeugt und geht um den Lastwagen herum: Wo ist denn das viele Gas? Ich sehe nur Mist.

Nico lacht: Stimmt. Das Gas müssen wir erst noch herstellen. Dazu brauchen wir Mist oder Gülle und Abfälle, die von Pflanzen und Tieren stammen: zum Beispiel Lebensmittelreste, vergammeltes Obst und Gemüse aus den Supermärkten oder Abfälle aus Kantinen. Das nennt man organischen Abfall oder Biomüll.

Nouga staunt: Und daraus wird dann Biogas?

Nico: Die Abfälle aus dem Hof kommen in die Grube dort. Darin ist ein großes Mahlwerk, das den Biomüll zu Brei zerkleinert. In der Halle dort drüben sammeln wir außerdem verpackten Biomüll aus Supermärkten. Der muss erst noch von den Plastikverpackungen befreit werden, bevor wir ihn zu Brei zermahlen und nutzen können.

Lizzie: Und dann füllt ihr den zu Brei gemahlenem Müll in die riesigen Türme, stimmt’s?

Nico: Genau. Kuhmist und Gülle dürfen aber nicht fehlen. Mit den Kuhfladen und dem Urin werden von den Tieren nämlich auch ganz bestimmte Bakterien ausgeschieden, also winzige Lebewesen, die im Magen der Tiere leben und ihnen helfen, das Gras zu verdauen. Dabei produzieren sie ein Gas. Kühe müssen deswegen übrigens ständig rülpsen. Die Bakterien haben auch unserem Biomüll zum Fressen gern. Deshalb mischen wir den Brei aus Müll mit Gülle und zermahlenem Mist.

Nouga staunt: Und was geschieht dann in den Türmen?

Nico: In den Türmen ist es warm und Luft gibt es auch nicht – die Bakterien fühlen sich darin wohl wie im Kuhmagen und beginnen gleich, die Masse zu verdauen. Während sie es sich gut gehen lassen und den Brei verwerten, entsteht unser Biogas.

Lizzie: Mit dem sie dann Energie gewinnen.

Nico: Das Gas, das die Bakterien für uns produzieren, liefert genauso viel Energie wie Erdgas. Während das Erdgas aber irgendwann aufgebraucht ist, können wir Biogas aus Müll herstellen. Mit dem Gas aus unserer Anlage können wir zum Beispiel über 3.000 Häuser mit Energie versorgen – also eine Stadt, so groß wie Mersch.

 

Autor: Corinne Kroemmer, überarbeitet scienceRELATIONS
Illustrationen: Andy Genen

Infobox

Die Biomasse

Biomasse ist ein Sammelbegriff für das gesamte organische Material, sowohl pflanzlichen wie tierischen Ursprungs. In einer Biogasanlage kann man also im Prinzip alle Lebensittel und landwirtschaftliche Nebenprodukte wie Mist, Gülle, Silagen oder Pflanzen benuzten.

In der Praxis werden jedoch oft Planzen verwendet, die zu dem Zweck angepflanzt wurden, wie Mais, Gras oder Zwischenfrüchte (z.B. Grünroggen). Andere landwirtschaftlichen Produkte, wie Mist, Gülle und Silagen werden ebenfalls vewendet. Einige Anlagen, wie die in Kehlen zum Beispiel, haben sich darin spezialisiert, Lebensmittel aus der Überproduktion, abgelaufene Lebensmittel aus Supermärkten oder Reste aus den Kantinen zu verwenden.

Biogas, Erdgas und Methangas

Bei der Vergärung der organischen Produkte entsteht Biogas, der zu 55-60% aus Methangas besteht. Um Erdgas zu erhalten, wird der Biogas gereinigt und an Methangas angereichert (bis zu 97%).

Das Blockheizkraftwerk

In einem Blockheizkraftwerk wird aus Biogas Strom und Hitze gewonnen. Beide werden dann in bestehende Verteilungssysteme eingespeist, um die einzelnen Häuser damit zu versorgen. 

Während diesem Prozess wird der Biogas in einem Motor verbrannt, der einen Generator antreibt. Dieser stellt Strom her, der in das bestehende Verteilungssystem eingespeist wird. Bei der Stromherstellung erhitzt der Generator. Diese Hitze wird gesammelt und in eine bestehende Fernwärmeleitung engespeist, die die Häuser dann mit Warmwasser versorgt.

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