Krebsfrüherkennung durch körpereigene Moleküle

12.05.15

University of LuxembourgDiesen Artikel drucken

Können mikroRNAs bei der Früherkennung von Hautkrebs helfen? Eine Studie der Uni Luxemburg liefert wichtige Erkenntnisse.

In einer aufwendigen Studie haben Biologen der Universität Luxemburg herausgefunden, dass kleine Moleküle namens mikroRNAs sich entgegen vieler Hoffnungen mit heutiger Technik noch nicht zur Früherkennung von Hautkrebs sowie vermutlich anderer Krebsarten in Blutproben eignen. Dafür analysierten sie erstmalig die Gesamtheit aller mikroRNAs im Serum gesunder Menschen und erstellten somit, in Anlehnung an das besser bekannte „Genom“, ein erstes vollständiges Abbild des menschlichen sezernierten „miRNomes“. Dies ist ein wichtiger Schritt in der Erforschung neuer Krebsindikatoren. Von ihren „Reviewern“, den Kollegen, die die Arbeit begutachten, wurden sie für ihre gründliche Arbeit sogar ausdrücklich gelobt – eine Seltenheit. 

Körpereigene Moleküle als Krebsindikatoren?

Um Krebs früh auf die Schliche zu kommen, suchen Forscher rund um den Globus nach Molekülen, die in Blutproben früh auf die Entstehung der Krankheit hinweisen könnten. Vielversprechend unter diesen sogenannten Biomarkern sind mikroRNAs, kleine Moleküle, die im Körper als universelle An- und Ausschalter agieren. „mikroRNAs könnten besonders gute Marker sein, weil sie sehr stabil, somit gut nachweisbar und außerdem gewebespezifisch sind“, so Dr. Stephanie Kreis, Hauptdozentin in der Forschungsgruppe „Signal Transduction“ der Life Sciences Research Unit an der Universität Luxemburg. In Gewebeproben können die „Molekül-Schnipsel“ tatsächlich zur Früherkennung von Krebs dienen. Doch funktioniert das auch bei der einfacher durchzuführenden Blutprobe?

Moleküle variieren stark - auch bei gesunden Menschen

Bisherige Studien widersprechen sich, weil meist nur zwei bis drei gesunde Personen als Kontrollgruppe genutzt wurden – viel zu wenige, angesichts der Tatsache, dass diese Molekülart auch sehr stark zwischen einzelnen Individuen variieren, teilweise sogar zwischen Mann und Frau und einige auch nach Tageszeit. Nicht jede Variation kann also als Hinweis auf Krankheit interpretiert werden. Die Forscher in Luxemburg wollten es genau wissen. In der Studie, die Stephanie Kreis vor allem mit Christiane Margue, Susanne Reinsbach und Demetra Philippidou durchführte, analysierten sie in etwa 100 Blutproben jeweils 1100 einzelne mikroRNAs.

Neues Verfahren erlaubt genauere Interpretation von Blutanalyse

„Wir haben sehr viel Energie, Zeit und Geld in die technische Optimierung der mikroRNA Messungen gesteckt  und haben bei jedem Schritt die Qualitätskontrollen mehr oder weniger neu erfunden“, unterstreicht Dr. Stephanie Kreis. Sogar ein neues bioinformatische Verfahren haben die Forscher entwickelt, um instabile mikroRNAs auszusortieren. Nach rund zwei Jahren Arbeit ist so die weltweit erste Referenz über die meisten aller mikroRNAs im Blut gesunder Personen entstanden. Nun weiß man, welche dieser interessanten Moleküle in ähnlichen Mengen vorliegen und welche zwischen Individuen natürlich schwanken.  

„Wir konnten auch herausfinden, dass manche Moleküle, die in anderen Studien als potentielle Biomarker gepriesen wurden, gar keine sein können, weil ihre Variation natürlich ist und nicht aufgrund einer Krankheit auftritt“, so Dr. Kreis. Zwar gibt es auch interessante Schwankungen, die auf Hautkrebs hinweisen – der hier analysierten Krebsart – doch diese seien im Blut bisher nur in den Endstadien verlässlich als Indikator nutzbar, wenn der Patient schon längst weiß, dass er krank ist.

mikroRNAs haben Potential zu Krebsindikatoren

In wenigen Jahren, wenn die Nachweismethoden noch sensitiver geworden sind, werden mikroRNAs bei der Früherkennung von Krebs und anderen Krankheiten aber vermutlich eine große Rolle spielen. Den Grundstein für weitere Studien hat die Universität Luxemburg nun gelegt.
 

Autor: Uni Luxemburg
Photo: © 
Frank Meiers - cheese.lu -, Fondation Cancer (Dr. Christiane Margue (links) und Dr. Stephanie Kreis von der Universität Luxemburg)

 

 

Diaporama

Auch in dieser Rubrik

Kampf gegen den Krebs: „Natural Killer” Zellen auf dem Anmarsch!

07.12.17 Wissenschaftler am LIH entdecken einen Mechanismus zur Hemmung von Hautkrebswachstum durch Erleichterung des Angriffs von „Natural Killer” Immunzellen. > Ganzen Artikel lesen

Meet the Scientists: Jean-Yves Ferrand, Research Nurse

01.12.17 Jean-Yves Ferrand betreut die Teilnehmer von klinischen Studien, also wissenschaftlichen Studien mit Patienten oder gesunden Freiwilligen. > Ganzen Artikel lesen

Studienteilnehmer gesucht: Wie wirkt sich Mehrsprachigkeit auf die Entwicklung des Gehirns aus?

22.11.17 Das LIH lädt über 64-jährige, in Luxemburg ansässige Personen ein, die täglich zwei oder maximal drei Sprachen sprechen, bei ihrer Studie MemoLingua mitzuma...> Ganzen Artikel lesen

Alternative zu Tierversuchen: Doktorandin aus Luxemburg erhält Preis für ihre 3D-Zellkultur des menschlichen Mittelhirns.

18.11.17 Anna Monzel der Universität Luxemburg erhält den Young Researchers Prize der Kosmetikfirma Lush. > Ganzen Artikel lesen

App statt Besuch beim Therapeuten: Wie digitale Technologien das Gesundheitswesen verändern

15.11.17 Früher kam die Diagnose vom Arzt, heute immer häufiger von den digitalen Helfern, die wir mit uns rumtragen. Das erleichtert vieles, birgt aber auch Risiken. > Ganzen Artikel lesen

Infobox

Biomarker

Als Biomarker werden körpereigene Substanzen oder Moleküle betrachtet, die gemessen werden können und deren Variation Anzeichen für den Gesundheitszustand eines Menschen und/oder die Entwicklung einer Krankheit liefern können. Der Blutzuckerwert ist beispielsweise ein Biomarker, der zur Diagnose und Überwachung von Diabetes dient. 

Informationen für die Redaktion


Verwandte Themen