Hollywood lässt uns erschaudern: Ein riesiger Asteroid oder Komet rast auf die Erde zu und wird alles Leben vernichten. Ist die Bedrohung erst einmal entdeckt, steht die Menschheit vor der alles entscheidenden Frage: Wie sorgen wir dafür, dass wir nicht das Schicksal der Dinosaurier teilen. Im zweiten Teil unserer Miniserie „Happy Asteroid Day“ schauen wir, wie die Traumfabrik sich dieser Aufgabe stellt und wie nah oder fern sich das an der Realität entlangbewegt.

Wie halten wir das Ding bloß auf?

Bei Deep Impact wird nicht lang gefackelt. Acht Nuklearsprengsätze sollen’s richten. Die muss eine tapfere Raumschiffcrew nur noch an Ort und Stelle fliegen. Dafür haben Amerikaner und Russen all ihre Differenzen beiseitegelegt und das größte Raumschiff gebaut, das die Menschheit bis dahin gesehen hat. Das hat man im All zusammengeschraubt und es fliegt mit einem Kernantrieb. Dafür waren die Russen zuständig und einer der ihren darf auch mitfliegen. Der Rest der Crew sind allesamt amerikanische Helden – einer war schon auf dem Mond, die anderen haben sich ihre Fähigkeiten im Simulator angeeignet. Einmal abgeliefert, bohrt sich die nukleare Fracht dann ferngesteuert etwa 100 Meter tief in den Kometen und soll anschließend gezündet werden.

Auch in Armageddon sagt man zu Kernwaffen nicht nein. Doch hier will man ganz dicke Bretter bohren. Denn schließlich ist der Kolloss ja auch fast hundert Mal so groß, wie der der Konkurrenz. Deshalb sollen die Bomben hier 250 Meter tief im kosmischen Killer versenkt werden und ihn dann mit einem Präzisionsschlag in zwei Teile sprengen. Die sollen durch die Explosion so weit auseinandergetrieben werden, dass sie rechts und links an der Erde vorbeifliegen. Gebohrt wird per Hand. Und auch hier liegt das Schicksal wieder in den Händen amerikanischer Helden. Diesmal allerdings recht raubeiniger Ölbohrleute. Die Frage, warum es wohl leichter sein solle, Bohrspezialisten zu Astronauten auszubilden als Astronauten das Bohren beizubringen hat der Regisseur seiner Zeit wohl kurz und knapp mit „shut up“ kommentiert. Zum Ziel geht es hier mit zwei neuartigen, hochgeheimen Space Shuttle des US-Militärs.

Schon wieder Atombomben. Auch in Don't look up sind die Massenvernichtungswaffen die erste Wahl. Auf Interkontinentalraketen montiert, wollen die Atommächte dem Planetenkiller ihr geballtes Arsenal entgegenwerfen. Die Wucht einer koordinierten Detonation soll ihn dann aus seiner Bahn werfen, sodass er die Erde verfehlt. Eigentlich funktioniert das alles auch ferngesteuert. Da solch ein Ereignis aber immer einen Helden erfordert, lässt man dort einen alten Haudegen im Shuttle die Drohnen auf ihren Weg ins All begleiten. Und ja, auch hier will Amerika die Welt mal wieder im Alleingang retten.

Realitätscheck: Tatsächlich überlegen schlaue Köpfe schon seit einigen Jahren, wie sich ungebetene Besucher aus dem All fernhalten lassen. Planetary Defense nennt sich das. Dabei geht es nicht nur um steinerne oder eisige Brocken aus den Weiten des Alls. Auch die Frage, wie man außerirdische Mikroorganismen von der Erde und irdische von anderen Himmelskörpern fernhält, beschäftigt die Experten auf diesem Gebiet. Ein internationales Projekt ist dabei NEOShield 2 des Horizont 2020 Programms der EU.

Bei allen Abwehrszenarien spielt Zeit eine außerordentliche Rolle. Hat man viel davon, ließe sich der Himmelskörper etwa mit einem riesigen Segel auf einen anderen Kurs bringen, das vom Sonnen getragen wird. Oder man erwärmt eine Seite des Brockens, indem man das Sonnenlicht mit Spiegeln bündelt. Das verdampft einen Teil des Materials und drückt den Kleinkörper ein winziges Stück aus seiner Bahn.

Nicht Rückstoß, sondern Schwerkraft könnte ebenfalls die Bahn verändern. Denn die wirkt immer in beiden Richtungen. So zieht der Asteroid zwar eine Raumsonde an, diese wiederum aber auch den Asteroiden. Würde sie nun durch ein Triebwerk konstant auf gleicher Entfernung gehalten, würde das den Asteroiden aus seiner Bahn lenken. Das ließe sich sogar sehr genau steuern. Der Pferdefuß: Ein solches Manöver dauert viele Jahre.

Wenn es so lange dauert, ihn zu ziehen, warum schubst man ihn nicht einfach aus dem Weg. Auch das ist eine ernsthafte Überlegung. Im Prinzip wird er dazu mit einem Projektil beschossen. Die europäische Weltraumorganisation ESA und die amerikanische NASA haben gerade eine solche Mission am Start. Die amerikanische Sonde DART ist seit November 2021 zum Asteroiden Didymos unterwegs. Den etwa 780 Meter großen Brocken soll sie im Herbst 2022 erreichen und dort einschlagen. Die europäische Sonde Hera soll dann 2024 starten und nachschauen, was der Schubser denn gebracht hat.

Natürlich könnte man auch mächtig schubsen. Zum Beispiel mit einer nuklearen Explosion in der Nähe des Asteroiden. Auch diese Variante wird in Betracht gezogen. Denn sie gibt vor allem dann Hoffnung, wenn die Zeit knapp ist. Allerdings sind hier noch viele Fragen offen und Tests vor Ort eher nicht zu erwarten. Denn Kernwaffenexplosionen im Weltraum sind nach wie vor geächtet.

Bleibt noch die Möglichkeit, den Brocken a la Hollywood zu sprengen. Auch hier würde kein Weg an Nuklearsprengsätzen vorbeiführen. Denn die setzen nun mal die meiste Energie aller menschengemachten Waffen frei. Ein Objekt wie in Armageddon würden sie dabei wohl nicht mal kratzen. Da würde auch das 250 Meter tiefe Loch keine Rolle spielen. Das wäre angesichts der Dimensionen des Asteroiden ohnehin nur ein Kratzer an der äußeren Haut. Physikstudenten haben nachgerechnet und kamen zum Ergebnis, dass das ganze Waffenarsenal der Welt nicht ausreichen würde, den Koloss zu sprengen. Schon gar nicht exakt in 2 Teile. Die dann auch noch kurz vor der Erde so abgelenkt werden, dass sie vorbeifliegen. Ob das bei kleineren Brocken funktionieren könnte, weiß man heute einfach noch nicht.

Und was ist mit Plan B?

Plan B ist bei Deep Impact der Start von möglichst vielen Atomraketen, um den Kometen aus der Bahn zu lenken. Außerdem haben die Vereinigten Staaten eine riesige Bunkeranlage unter einen Berg getrieben, der einer Million Menschen das Überleben sichern soll.

Bei Armageddon ist das Ass im Ärmel eine Fernzündung der Bomben. Die soll erfolgen, wenn die Crew vor Ort versagt. Pläne wie den Asteroiden mit einem Laser zu spalten, mit Sonnensegeln davon zu schleppen, mit Atombomben abzulenken oder sie an seiner Oberfläche zu zünden, werden im Vorfeld alle von der NASA als unrealistisch aussortiert.

Eine ganz andere Strategie wird in Don't look up verfolgt – und das nicht gerade ein Reserveplan. Denn als ein Tech-Unternehmer die Rohstoffe wie seltene Erden und Edelmetalle auf den Kometen mit einem Wert von 140 Billionen Dollar abgibt, wird die Rettung der Menschheit dafür erstmal abgebrochen. Stattdessen sollen Drohnen mit Nanotechnologie und Quantensprengsätzen den Brocken in 30 Teile spalten und diese dann in irdischen den Ozean steuern, sodass sie dort von amerikanischen Schiffen aufgesammelt werden können. Der Rettungsplan der restlichen Welt- die natürlich von Reichtum ausgeschlossen wurde – schlägt auf der Startrampe im russischen Baikonur fehl. Für Amerikas wichtigste Menschen – Regierung, Tech-Giganten und Lobbyisten – steht als letzte Hoffnung noch ein interstellares Raumschiff in einer streng geheimen Garage. Das soll sie in Kälteschlafkammern verpackt, zu einer neuen Welt bringen.

Und die Realität? Die Sache mit dem Stupser durch Atomraketen wurde im vorigen Abschnitt schon diskutiert. Bleibt die Idee mit dem Abbau. Fakt ist, dass Asteroiden und Kometen tatsächlich ungeheure Rohstoffmengen in sich bergen. Diese zu nutzen, wird auch schon seit einer Weile untersucht. Allerdings ist es wahrscheinlich keine so gute Idee, den allerersten Asteroidenbergbau ausgerechnet mit einem globalen Killer zu beginnen. Wenn nur noch wenige Wochen Zeit bis zur Auslöschung bleiben.

 

Autor: scienceRELATIONS/Kai Dürfeld

Editoren: Jean-Paul Bertemes (FNR), Lucie Zeches (FNR)

Infobox

Quellen

https://arxiv.org/abs/astro-ph/0509595

https://www.esa.int/Space_in_Member_States/Germany/AIDA_Die_Abwehr_von_Asteroiden_im_Test

John S. Lewis: Mining the sky – untold riches from the asteroids, comets, and planets. Addison-Wesley, Reading 1997, ISBN 0-201-32819-4

O'Leary, B. (1977). Mining the Apollo and Amor asteroids. Science197(4301), 363-366.

Sonter, M. J. (1997). The technical and economic feasibility of mining the near-earth asteroids. Acta Astronautica41(4-10), 637-647.

Andrews, D. G., Bonner, K. D., Butterworth, A. W., Calvert, H. R., Dagang, B. R. H., Dimond, K. J., ... & Yoo, C. J. (2015). Defining a successful commercial asteroid mining program. Acta Astronautica108, 106-118.

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