SciTeach Center

Eine Forscherecke ist eine „Zone“ im Klassensaal, die für freies, selbstbestimmtes Entdecken und Erforschen reserviert ist.

Sandy Heinericy und Nora Kneip sind Lehrerinnen im Zyklus 1 und 2.1. Seit drei Jahren arbeiten sie Teilzeit auch im SciTeach Center. In Zusammenarbeit mit einem Team aus Wissenschaftlerinnen erarbeiten und betreuen sie hier Ifen-Fortbildungen zu naturwissenschaftlichen Themen.

science.lu hat die beiden zu den sogenannten Forscherecken befragt.

„Forscherecken“ sollen forschend-entdeckendes Lernen im Klassenzimmer begünstigen. Was genau kann ich mir unter einer Forscherecke vorstellen?

Sandy: Eine Forscherecke ist eine „Zone“ im Klassensaal, die für freies, selbstbestimmtes Entdecken und Erforschen reserviert ist. Bei mir in der Klasse handelt es sich um einen Tisch am Fenster im hinteren Teil des Klassenzimmers. Dieser ist mal mehr oder mal weniger Raumeinfordernd. Es könnte aber auch ein Teppich sein. Das wäre eventuell noch besser, weil die Kinder sich hier noch freier bewegen könnten. 

Als LehrerIn habe ich dann die Aufgabe diese „Forscherecke“ mit spannenden Alltags-Gegenständen zu füllen. Diese sollten sich einem Thema zuwenden z.B. Bäume, Boden, Obst und Gemüse, oder auch Zähne. Es kann alles Mögliche sein.

Nora: Am besten funktioniert es mit Themen, die die Kinder schon aus ihrem Alltag kennen. Man kann das Thema und die Gegenstände aber auch gemeinsam mit den Kindern bestimmen. Wählt man das Thema Wald, kann man dann z.B. einen Ausflug in den Wald machen und alle möglichen Objekte (Boden, Blätter, Rinde, Früchte, Insekten, usw…) für die Forscherecke sammeln. Nach einigen Wochen oder Monaten sucht man sich dann ein neues Thema mit neuen Gegenständen aus.

Es gibt aber auch Gegenstände, die in einer Forscherecke immer zu finden sein sollten. Welche sind das?

Sandy: Was in einer Forscherecke auf jeden Fall nicht fehlen darf sind Gegenstände die beim Erforschen und Beobachten helfen: ein Lineal oder ein Zollstock, Pinzetten und Lupen, eine Waage oder auch ein Spiegel. Ein Mikroskop kommt bei etwas älteren Kindern auch ganz gut an. Bücher zum Thema sind natürlich auch ganz wichtig. In diesen können die Kinder z.B. eigenständig nach Antworten auf ihre Fragen suchen. Andere Kinder möchten die Bücher auch einfach nur durchblättern, das ist natürlich auch in Ordnung.

Nora: Außerdem braucht es Material zur Dokumentation. Ein wichtiger Aspekt der Forscherecke ist nämlich, dass die Kinder nicht nur Beobachten und Ausprobieren, sondern ihre Beobachtungen auch aufschreiben, zeichnen oder fotografieren. Hierzu eignet sich ein iPad gut. Wenn man dieses nicht in der Forscherecke liegenlassen möchte, kann man die Kinder auffordern die Lehrperson zu fragen ein Foto von ihrer Beobachtung zu machen.

Sandy: Ich habe z.B. eine kleine Klingel in meiner Forscherecke hängen. Wenn die läutet weiß ich: da hat jemand etwas Tolles beobachtet und will ein Foto oder Video machen.

Welche Aufgabe übernimmt die Lehrperson nach dem Ausrichten der Forscherecke?

Nora: In der Forscherecke sollten die Kinder die Möglichkeit haben eigene Fragen zu formulieren und selbständig beobachten und Antworten finden. Als LehrerIn sollte man da versuchen so wenig wie möglich einzugreifen. Trotzdem sollten auch in einer Forscherecke bestimmte Grundregeln aufgestellt und eingehalten werden. Diese kann man z.B. mit den Kindern zusammen aufstellen und als Erinnerung in der Forscherecke aufhängen. Piktogramme eignen sich hier sehr gut.

Sandy: Eine Grundregel sollte sein, dass die Forscherecke immer so verlassen wird, wie sie vorgefunden wurde. Hier kann es helfen, wenn man die verschiedenen Stationen im Initialzustand abfotografiert und das Foto als Vergleichsmöglichkeit dazu legt. So wissen die Kinder, auch nach dem Experimentieren, wie die Forscherecke beim Verlassen wieder auszusehen hat.

Wann benutzen die Kinder die Forscherecke und wird das nicht ein riesen Durcheinander?

Sandy: Die Forscherecke kann z.B. im Freispiel besucht werden. Aber auch während dem Unterricht bietet sie den Kindern, die entweder schon fertig sind mit einer Aufgabe, oder nicht länger ruhig auf ihrem Stuhl sitzen können, eine Möglichkeit, sich anderswertig zu beschäftigen.

Wollen dann nicht alle Kinder permanent in der Forscherecke sein?

Nora: Man muss die Anzahl der „Forscherplätze“ natürlich begrenzen um sicher zu stellen, dass die Forscherecke nicht die Überhand im Klassenzimmer übernimmt. Das geht sehr gut, indem man den Kindern z.B. erklärt, dass in der Forscherecke nur mit Forscherbrille oder Forscherkittel geforscht werden darf. Die Anzahl der Brillen oder Kittel legt man dann selber auf 3-5 Stück fest. So können sich gleichzeitig höchstens fünf Kinder in der Forscherecke aufhalten.

Und das funktioniert?

Sandy: Sehr gut sogar. Für die Kinder ist es noch viel spannender, wenn sie eine Forscherbrille oder ein Kittel tragen dürfen, der sie als Forscher auszeichnet. Um zu verhindern, dass immer dieselben Kinder in der Forscherecke zu finden sind, kann man z.B. eine Namensliste aufhängen. In dieser tragen die Kinder sich dann jedes Mal ein, wenn sie die Forscherbrille aufsetzten. So behält man als LehrerIn auch eine gute Übersicht darüber, welche Kinder sich mehr und welche Kinder sich weniger für die Forscherecke interessieren.

Wie reagieren die Kinder denn allgemein auf die Forscherecke?

Sandy: Ich muss sagen, dass das sehr vom Thema der Forscherecke abhängt. Ich hatte Forscherecken, mit denen konnten sich die Kinder wochenlang beschäftigen (z.B. eine Forscherecke zum Körper). Bei anderen Themen (z.B. Gemüsesorten) fiel die Beschäftigungszeit kürzer aus. Insgesamt sind die Kinder aber unglaublich stolz auf ihre Forscherecke. Sie berichten nicht nur ihren Eltern, sondern auch ihren Schulkameraden aus anderen Klassen von dem was sie in ihrer Forscherecke beobachten. Da kommt es auch öfter mal vor, dass sich in der Pause die Schulkameraden vor unserem Fenster tummeln um ein Blick auf die Forscherecke und ihre Schätze zu erhaschen.   

An welchen Zyklus richtet sich das Konzept der Forscherecken?

Sandy: Prinzipiell kann eine Forscherecke in allen Zyklen der Grundschule umgesetzt werden. Natürlich muss das zur Verfügung gestellte Material dem Zyklus angepasst werden. Ich unterrichte im Zyklus 1 und da habe ich wirklich sehr gute Erfahrungen mit den Forscherecken gemacht.

Nora: Da ich kein festes Klassenzimmer habe, bin ich bis jetzt noch nicht dazu gekommen selber eine Forscherecke aufzubauen. Gerade überleg ich jedoch, eine „mobile Forscherecke“ zu entwickeln. Das Material könnte in einem kleinen Schubladen-Schränkchen auf Rollen verstaut werden. Diesen könnte ich dann von einem Klassenzimmer ins andere fahren und hier in einer Ecke einen Teppich auslegen, auf welchem geforscht werden kann.

Wir bedanken uns herzlichst für dieses interessante Gespräch.

Weitere Infos zu Forscherecken erhältst Du im SciTeach Center.

Fragen und Bearbeitung: Michelle Schaltz (FNR)

Die Ausarbeitung dieser Rubrik wurde von science.lu in Kooperation mit dem Script (Service de Coordination de la Recherche et de l´Innovation pédagogiques et technologiques) durchgeführt.

Auch in dieser Rubrik

Ifen Fortbildungen zur Rubrik Hands-on Workshops für LehrerInnen

Du bist LehrerIn und möchtest die Rubrik „Ideen für den naturwissenschaftlichen Unterricht in der Grundschule“ besser kennenlernen, indem du einige der angebotenen Experimente mit uns durchspielst?

Zum Konzept der Rubrik Wissenschaftliche Methode vermitteln

Das Ziel der Rubrik ist es, Dich als LehrerIn mit kurzen Beiträgen dabei zu unterstützen, naturwissenschaftliche Methoden zu vermitteln.

Feedback Dein Feedback interessiert uns!

Wir hoffen, dass unsere Beiträge behilflich sind und von Dir in der Schule benutzt werden können.

Die Lehrerinnen des SciTeach Center Science Unterricht interaktiv gestalten – trau dich!

Anfassen, ausprobieren, Fragen stellen: Sandy und Nora erklären wie sie „forschend-entdeckendes Lernen“ im Éveil aux Sciences-Unterricht umsetzen. Ihr Fazit: der Mehraufwand lohnt sich!