Kläranlage

In der Europäischen Union haben etwa 93 Millionen Menschen in ihrem Leben mindestens einmal eine illegale Droge konsumiert. Um die gesundheitlichen und sozio-ökonomischen Risiken dieses Marktes, der auch in Luxemburg existiert, zu reduzieren, ist eine Überwachung der Trends im Drogenkonsum erforderlich.

Das Laboratoire national de santé (LNS) und das Luxembourg Institute of Science and Technology (LIST) haben gemeinsam ein Forschungsprojekt durchgeführt, um den Konsum bestimmter Drogen mit Hilfe von Abwasseranalysen einzuschätzen.

Nachweis von Drogen bietet Hinweise über Konsum

Sämtliche im Projekt getestete Drogen konnten im Abwasser nachgewiesen werden.  Während Kokain, Heroin, Amphetamin, Cannabis und Ecstasy regelmäßig ebenfalls von der Polizei oder dem Zoll beschlagnahmt werden, ist der Nachweis von Crystal Meth (Methamphetamin) in den Proben etwas überraschend. Crystal Meth wird nämlich nur sehr selten im beschlagnahmten Proben im LNS nachgewiesen.

Hinsichtlich des Konsums verbotener Drogen bestätigen die Ergebnisse die vorhandenen Quellen allerdings insofern, dass mehr Kokain und Ecstasy auf dem Luxemburger Drogenmarkt vorhanden ist als Amphetamin und Methamphetamin.  Der Konsum von Kokain, der auf Basis der Ergebnisse geschätzt wird, liegt beispielsweise über dem europäischen Medianwert. Der Konsumwert von Metamphetaminen hingegen liegt unter dem europäischen Durchschnitt (mehr Infos zu Konsumschätzungen weiter unten im Artikel).

Abwasser: eine vielversprechende Matrix zum Aufspüren von Drogen

Psychopharmaka werden hauptsächlich über den Urin ausgeschieden und gelangen daraufhin in die Kanalisation. Dies ermöglicht die Menge an konsumierten Drogen innerhalb einer Bevölkerung, die an ein Kanalisationssystem angeschlossen sind, durch die gezielte Analyse der Ausgangsstoffe oder ihrer Stoffwechselprodukte (Verbindungen, die beim Abbau im Organismus entstehen) zu ermitteln.

Um ein zusätzliches Instrument zu den bereits vorhandenen Kontrollprogrammen (Beschlagnahmungen, Drug-checking, …) zu erhalten und die Entwicklung des Drogenkonsums in Luxemburg zu erfassen, hat der Service de toxicologie analytique – chimie pharmaceutique des LNS die ersten Messungen von Drogen im Abwasser der Kläranlage in Petingen durchgeführt.

Erfassung des Drogenvorkommens in Nanogramm

Mit Hilfe einer modernen Analysetechnik, Massenspektrometrie gekoppelt an die Flüssig-Chromatographie, haben die Wissenschaftler Drogen wie Kokain, Heroin, Amphetamin (Speed), Methamphetamin (Crystal Meth), MDMA (Ecstasy) in Proben nachgewiesen welche vom LIST während einer Woche Ende Juni 2018 entnommen wurden.

Dieses äußerst sensible Messverfahren erlaubt eine Erfassung und Quantifizierung der Psychopharmaka in Konzentrationen von weniger als einem Nanogramm pro Liter im Abwasser.

Von der nationalen Situation zur europäischen Position

Auch im europäischen Ausland werden ähnliche Studien durchgeführt. Dieser interessante Forschungsansatz, der vom europäischen Netzwerk SCORE (Sewage Analysis CORe group Europe) in Zusammenarbeit mit der Europäische Drogenbeobachtungsstelle (EMCDDA) initiiert wurde, kommt mittlerweile in fast 70 europäischen Städten zur Anwendung. So liegt der geschätzte Konsum in Petingen von:

  • Kokain bei 541 mg/Tag/1000 Einwohnergleichwerte (EW). Dies ist über dem europäischen Medianwert und in etwa vergleichbar mit Städten wie Basel und Genf, liegt aber unter den Drogen-Hotspots Amsterdam, Bristol und Zürich (>700 mg/Tag/1000 EW);
  • MDMA (Ecstasy) bei 17 mg/Tag/1000 EW. Dies ist ebenfalls über dem europäischen Medianwert und ist vergleichbar mit Genf, Basel und Porto;
  • Amphetamin (8,8 mg/Tag/1000 EW) und Methamphetamin (1,3 mg/Tag/1000 EW) liegen unter dem europäischen Durchschnitt.
  • Cannabis- und Heroinabbauprodukte wurden in allen Proben nachgewiesen. Aufgrund der hohen Abbaurate und der geringen Konzentration der Rückstände im Wasser rät die EMCDDA von einer Rückrechnung auf ein Konsumverhalten ab.

Die Analysen lassen keinen Rückschluss auf die Qualität der konsumierten Drogen zu und geben natürlich auch keine Informationen über die Anzahl der Drogenkonsumenten in Petingen und Umgebung, sondern „nur“ über die Gesamtmenge an konsumierten Drogen.

Die ermittelten Drogenkonzentrationen aller Drogen im Wasser sind sehr niedrig und stellen keine Gefährdung für die öffentliche Gesundheit dar beim Kontakt mit Flusswasser.

Weitere Abwasseranalysen sind geplant

Diese Ergebnisse der Kläranlage in Petingen unterstreichen die Bedeutung des Forschungsprojekts auf nationaler und internationaler Ebene, um Entscheidungsträger sowie Programme zur Aufklärung und Prävention gefährlicher Suchtstoffe mit Daten zu versorgen.

Mittelfristig möchten die Wissenschaftler des LNS und des LIST ein umfassenderes Bild des Konsums legaler und illegaler Drogen in Luxemburg erstellen und ihre Untersuchungen auf mehrere Kläranlagen ausbreiten und regelmäßige Kampagnen zu Ermittlung von Langzeit oder Wochentrends, ausdehnen. Auch punktuelle Erfassungen des Freizeitkonsums zum Beispiel bei Festivals sind möglich.

Autor: LNS, LIST
Editor: Michèle Weber (FNR)

 

Präsentation des LNS und LIST über das Projekt.

Infobox

Finanzielle Unterstützung

Das Projekt wurde finanziell unterstützt durch den „Fond de lutte contre certaines formes de la criminalité“.

Auch in dieser Rubrik

FNR Awards 2019 Für ein Computermodell, dass Stammzellenforschern bei der Umwandlung von Zellen hilft

Das neue Computermodell hilft Forschern jene Gene zu identifizieren, die wichtig für die Umwandlung von einem Zelltyp in einen anderen sind.

frail old man and young man
Welt-Diabetes-Tag Zusammenhang zwischen Diabetes und Gebrechlichkeit bei älteren Menschen entdeckt

Ein Diabetiker über 60 ist im Durchschnitt gebrechlicher als ein gleich alter Nicht-Diabetiker. Das ergab eine internationale Studie von Forschern des Luxembourg Institute of Health (LIH).

LIH
Bassam Janji Gunnar Dittmar
Sauerstoff und Zellstoffwechsel Forschung in Luxemburg zum Thema des Medizin-Nobelpreises 2019

Bassam Janji und Gunnar Dittmar vom Luxembourg Institute of Health forschen ebenfalls an den Mechanismen, für die es heute einen Nobelpreis gab. Mit einem gemeinsamen Ziel: Krebstherapien verbessern.

Visuomotorische Reaktionen
Visuomotorische Reaktionen im Tischtennis Reaktionsschnelligkeit: Das Gehirn macht den Unterschied

Tischtennisspieler müssen blitzschnell erkennen wohin der Ball fliegt, um entsprechend zu reagieren. Forscher identifizieren visuelle Prozesse im Gehirn als ausschlaggebend für schnelle Reaktionszeit