Ein Forscherteam unter deutscher Beteiligung hat die bislang ältesten nachweislich von Menschen benutzten Holzwerkzeuge entdeckt. Es handelt sich um einen etwa 430.000 Jahre alten Stock und ein ebenso altes kleineres Holzstück, wie die Universität Tübingen am Montagabend mitteilte. Beide stammen aus einer Fundstätte in Griechenland. Den Experten zufolge beweisen "deutliche Arbeits- und Abnutzungsspuren", dass sie von Menschen bearbeitet und anschließend verwendet wurden.

Der Stock aus Erlenholz sei wahrscheinlich zum Graben oder zum Ablösen von Baumrinde verwendet worden, hieß es. Das kleine Holzstück stamme von einer Weide oder Pappel und zeige ebenfalls Spuren menschlicher Bearbeitung sowie der potenziellen Verwendung als Werkzeug. Nach Angaben der Universität sind die beiden Fundstücke mindestens 40.000 Jahre älter als alle zuvor gefundenen menschlichen Holzwerkzeuge.

Sie stammen aus der Grabungsstätte Marathousa 1 auf der Halbinsel Peloponnes in Griechenland. Dort wurden unter anderem auch schon Steinwerkzeuge und Überreste eines zerlegten Urelefanten gefunden. Forscher gehen daher davon aus, dass es sich um einen Schlachtplatz handelt, der im sogenannten Mittelpleistozän am Ufer eines Sees lag.

Das Mittelpleistozän begann vor etwa 775.000 Jahren und endete vor rund 130.000 Jahren. Es gilt den Tübinger Experten zufolge als kritische Phase der menschlichen Evolution. In dieser Zeit entwickelten sich komplexere Verhaltensweisen.

Holzwerkzeuge sind demnach generell schwieriger nachzuweisen als solche aus Knochen und Stein, weil sie viel leichter zerfallen und nur unter besonders günstigen Umständen längere Zeit überdauern. Die bislang ältesten bearbeiteten Hölzer wurden demnach unter anderem in China, Deutschland, Sambia und Großbritannien gefunden. Sie sind aber jünger.

Beteiligt an der nun in der Fachzeitschrift "PNAS" veröffentlichten Untersuchung waren Wissenschaftler aus Deutschland, Großbritannien und Griechenland. Geleitet wurde diese von zwei Experten des Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität im baden-württembergischen Tübingen und der Uni Reading in Großbritannien.