Erstmals seit zwanzig Jahren hat es auf dem europäischen Festland wieder eine totale Sonnenfinsternis gegeben. Am Mittwochabend war ein Teil Spaniens in Dunkelheit getaucht, als sich der Mond vor die Sonne schob und einen Schatten auf die Erde warf.
Der Tag wurde zur Nacht: Erstmals seit zwanzig Jahren hat es auf dem europäischen Festland wieder eine totale Sonnenfinsternis gegeben. Am Mittwochabend war ein großer Teil Spaniens in Dunkelheit getaucht, als sich der Mond vor die Sonne schob und einen Schatten auf die Erde warf. In Deutschland und anderen Teilen Europas war die Sonne nur teilweise verdeckt, dennoch versammelten sich vielerorts tausende Menschen, um das Himmelsspektakel zu beobachten.
Millionen Schaulustige, darunter viele aus dem Ausland angereiste Touristen, beobachteten in Spanien, wie die Sonne in einem Streifen von Galizien bis zu den Balearen langsam für etwa zwei Minuten hinter dem Mond verschwand. Das Licht wurde langsam dunkler, bis nur noch ein Leuchten wie am Ende eines Tages zu sehen war. Nur noch die Corona, der Strahlenkranz der Sonne hinter dem Mond, war zu sehen.
"Das ist verrückt", sagte eine Frau in Tarragona an der Mittelmeerküste, bevor die dort versammelte Menschenmenge in Applaus ausbrach. In Spanien hatte es seit mehr als hundert Jahren keine totale Sonnenfinsternis mehr gegeben. Die spanische Wissenschaftsministerin Diana Morant sagte im Vorfeld, das Himmelsschauspiel sei wie "ein Weihnachtstag, der nur alle hundert Jahre kommt".
Begonnen hatte die Sonnenfinsternis in Europa am frühen Abend. Kurz vor 19.00 Uhr schob sich nach Angaben der russischen Weltraumagentur Roskosmos im Norden Russlands der Mond vor die Sonne. Das seltene Himmelsspektakel erstreckte sich dann über die nördliche Hemisphäre bis nach Grönland und wanderte später über den Atlantik südlich weiter.
In Deutschland war die Sonnenfinsternis zunächst im Norden zu beobachten, im Süden des Landes einige Minuten später. Die Sonne wurde in Deutschland zwar nur teilweise verdeckt, dennoch versammelten sich allein in Berlin auf dem Tempelhofer Feld tausende Menschen, um das Schauspiel auf der weiten Fläche des früheren Flughafens aus zu verfolgen. Um kurz nach 20.00 Uhr begannen sie immer wieder zu klatschen und zu jubeln, als von der Sonne nur noch eine schmale Sichel zu sehen war. "Das ist verrückt. Ich habe so was noch nie gesehen", sagte ein junger US-Tourist einem Journalisten der Nachrichtenagentur AFP.
Am Zeiss-Planetarium im Stadtteil Prenzlauer Berg hatten sich laut Polizei schon vor Beginn der Sonnenfinsternis mehr als 3000 Menschen versammelt, so dass die Sicherheitskräfte im Onlinedienst X darum baten, nicht mehr dorthin zu kommen. Sonnenfinsternis-Brillen seien auch nicht mehr verfügbar, schrieb die Polizei weiter. Schon Tage vor dem Spektakel waren die Schutzbrillen, ohne die Medizinern zufolge schwere Augenschäden beim Schauen in die Sonne drohen, nur noch schwer zu bekommen gewesen.
Auf dem europäischen Festland hatte es seit zwanzig Jahren keine totale Sonnenfinsternis mehr gegeben, in der isländischen Hauptstadt Reykjavik sogar seit dem Jahr 1433 nicht mehr. Dort bedeckte allerdings eine dicke Wolkendecke mit Regen den Himmel, so dass das Ereignis nicht zu sehen war.
Bei einer Sonnenfinsternis schiebt sich der Mond direkt zwischen Sonne und Erde und wirft einen schmalen Schattenstreifen auf unseren Planeten. Bei einer totalen Verdunkelung der Sonne entsteht eine seltsame Dämmerung, in der die Temperaturen sinken, Schatten in ungewöhnlichen Winkeln fallen und manche Tiere einschlafen.
Wer die Sonnenfinsternis verpasst hat, bekommt in einem Jahr eine neue Chance: Im August 2027 wird im Süden Spaniens und in Nordafrika eine totale Sonnenfinsternis zu sehen sein. Spanien hatte sich laut Wirtschaftsministerium von der diesjährigen Sonnenfinsternis hunderttausende zusätzliche Touristen und Mehreinnahmen in Höhe von 347 Millionen Euro versprochen.