Über den Stern von Bethlehem ist viel gerätselt worden: War es ein Komet, der die biblischen drei Könige zur Geburtsstätte Jesu geführt hat? War es eine aufleuchtende Supernova? Oder ist die Erzählung aus dem Matthäus-Evangelium nur ein Mythos? Vielleicht war das angebliche Himmelsphänomen aber auch eine ungewöhnliche Planetenkonstellation - und zwar eine, die in diesen Tagen erneut am Weihnachtshimmel zu beobachten ist.
ZWEI PLANETEN - EIN LICHTPUNKT
Die Akteure des bevorstehenden Himmelsschauspiels sind Jupiter und Saturn, die beiden größten Planeten unseres Sonnensystems. Seit Wochen bewegen sich die beiden hellen Wandelsterne von der Erde aus gesehen am Himmel aufeinander zu - und am Montag werden sie sich am abendlichen Südwesthimmel so nahe kommen, dass sie "fast zu einem gemeinsamen Lichtpunkt verschmelzen", wie die Vereinigung der Sternfreunde (VdS) und das Heidelberger Haus der Astronomie mitteilten.
GASRIESEN AUF TUCHFÜHLUNG
Astronomen bezeichnen solche Begegnungen von Himmelskörpern als Konjunktion. Ob das Zusammentreffen von Jupiter und Saturn an unserem Himmel wie von manchem vermutet etwas mit dem geheimnisvollen Stern von Bethlehem zu tun hat, ist keineswegs erwiesen - und aus astronomischer Sicht letztlich auch nicht von Bedeutung. Klar ist allerdings, dass sich die beiden Gasriesen Jupiter und Saturn diesmal besonders nahe kommen werden.
ERST WIEDER IN 60 JAHREN
"Die Konjunktion von Jupiter und Saturn am 21. Dezember 2020, die zufällig auf den Tag der Wintersonnenwende fällt, ist die beste, die uns das Universum für lange Zeit zu bieten hat", berichteten die VdS und das Haus der Astronomie. Ohnehin ist eine Konjunktion der beiden Riesenplaneten selten: Sie findet nur alle 20 Jahre statt und wird "Große Konjunktion" genannt. Ein Himmelsschauspiel wie am Montag wird allerdings erst wieder in knapp 60 Jahren zu sehen sein.
ZULETZT WENIGER SPEKTAKULÄR
Zum bislang letzten Mal näherten sich Jupiter und Saturn am 31. Mai 2000 einander an. Damals standen sie aber den Angaben zufolge zu nah an der Sonne, um am Nachthimmel sichtbar zu sein. Am 24. Juli 1981 waren die Verhältnisse demnach günstiger: Jupiter und Saturn tauchten am späten Abendhimmel auf, waren aber immer noch mehr als zwei Vollmonddurchmesser voneinander entfernt.
DIESMAL BEQUEME BEOBACHTUNG MÖGLICH
Diesmal jedoch werden sich die beiden Planeten bei bequemen Beobachtungsbedingungen auf bis zu einem Fünftel des Vollmonddurchmessers einander nähern - der Abstand der beiden Planetenscheibchen an unserem Himmel wird am Montag nur noch sechs Bogenminuten betragen. Dies bedeutet, dass sie mit bloßem Auge betrachtet beinahe nur noch einen einzigen Lichtpunkt bilden.
IM ALL WEIT VONEINANDER ENTFERNT
Eine ähnlich enge "Große Konjunktion" wird erst wieder am 15. März 2080 stattfinden, dann allerdings in der bereits hellen Morgendämmerung und damit unter schlechteren Beobachtungsbedingungen. Übrigens ist es keineswegs so, dass sich Jupiter und Saturn derzeit tatsächlich im Weltraum einander nähern. Im All sind sie weiterhin durchschnittlich 660 Millionen Kilometer voneinander entfernt, nur von der Erde aus gesehen können sich die beiden Gasriesen sehr nahe kommen.
JUPITER LINKS UNTERHALB VON SATURN
Wer in den nächsten Tagen Augenzeuge des seltenen Schauspiels werden will, braucht vor allem wolkenfreien Himmel - ein Teleskop ist dagegen nicht nötig. Schließlich strahlt Jupiter heller als die hellsten Sterne, und Saturn ist nur wenig lichtschwächer. "Beide sind auf den ersten Blick zu erkennen", berichteten die Astronomen im Vorfeld. Der hellere Jupiter steht dabei links unterhalb des lichtschwächeren Ringplaneten Saturn.
LOHNENDER BLICK DURCHS FERNGLAS
Freilich lohnt sich stets auch ein Blick durch Feldstecher oder Fernrohr auf die beiden Riesenplaneten. Bei Jupiter beispielsweise sind schon im Fernglas stets einige seiner vier großen Monde zu sehen. Um den spektakulären Ring um den Saturn erkennen zu können, ist allerdings ein Fernrohr oder Spektiv mit mindestens 30-facher Vergrößerung erforderlich.