Sternfreunde freuen sich auf ein seltenes Himmelsschauspiel und einen Höhepunkt des astronomischen Jahres: Am kommenden Montag bekommt die Sonne Besuch vom Planeten Merkur. Wer an diesem Tag durch ein Teleskop mit Spezialausrüstung zur Sonne blickt, wird den sonnennächsten Planeten als winzigen schwarzen Punkt über die Sonnenscheibe wandern sehen.

Dieses Himmelsphänomen, Merkurdurchgang oder Merkurtransit genannt, war zuletzt im Mai 2016 zu sehen. Nach dem nun bevorstehenden Transit wird Merkur erst wieder im Jahr 2032 über die riesige Sonnenscheibe wandern.

Bei der Beobachtung dieser Minisonnenfinsternis ist größte Vorsicht geboten: Um das kleine Merkurscheibchen vor der gleißend hellen Sonnenscheibe zu sehen, ist ein besonders ausgerüstetes Teleskop oder aber eine Projektionsfläche vonnöten. Eine Sonnenfinsternisbrille reicht nicht aus, weil der schwarze Merkurpunkt zu winzig ist.

Auf keinen Fall sollten Himmelsgucker auf den Gedanken verfallen, etwa durch ein Fernglas ohne Spezialfilter auf die Sonne zu blicken - eine sofortige Erblindung könnte die Folge sein. Astronomen raten daher, das Ereignis unter Anleitung von Experten zu verfolgen.

Gelegenheit dazu dürfte sich am Montag reichlich bieten, falls die Sonne hinter den Novemberwolken hervor kommt. Dann wollen viele Volkssternwarten ihre Pforten wegen des Merkurtransits öffnen, wie die Vereinigung der Sternfreunde (VdS) und das Haus der Astronomie in Heidelberg im Vorfeld mitteilten.

Allerdings ist laut Deutschem Wetterdienst während des Merkurdurchgangs vielerorts mit bewölktem Himmel zu rechnen. Im Osten und Süden könnte es aber abseits zäher Nebel- oder Hochnebelfelder bis zum Montagabend auch längere freundliche Abschnitte geben.

Freien Blick auf die Sonne vorausgesetzt, wird in unseren Breiten die erste Hälfte des Merkurtransits vom frühen Montagnachmittag bis zum Sonnenuntergang zu sehen sein. Mit kleinen Abweichungen je nach Beobachtungsstandort beginnt er um 13.35 Uhr mitteleuropäischer Zeit, wenn Merkur quasi an den linken Rand der Sonne stößt.

In der Folgezeit zieht der kleinste Planet des Sonnensystems als winziger schwarzer Punkt fast exakt über die Mitte der Sonnenscheibe. Doch obwohl Merkur der schnellste Planet am Himmel ist, dauert seine Reise vom Sonnenrand bis zur Sonnenmitte fast drei Stunden: Erst um 16.20 Uhr hat Merkur die Sonne zur Hälfte überquert, wie die VdS und das Haus der Astronomie weiter berichten.

Um diese Uhrzeit neigt sich allerdings die Sonne am Himmel über Deutschland bereits ihrem Untergang entgegen. In Berlin sinkt unserer Zentralgestirn um 16.20 Uhr unter den Horizont, weiter westlich gegen 17.00 Uhr. Mit der Sonnenscheibe verschwindet dann natürlich auch der "schwarze" Merkur.

Von der Erde aus gesehen können nur Planeten vor der Sonnenscheibe vorbeiziehen, die innerhalb der Erdumlaufbahn die Sonne umkreisen. Und dies sind nur zwei - der innerste Planet Merkur und die Venus, die wir als strahlend hellen Morgen- oder Abendstern kennen.

Dabei sind Venusdurchgänge noch erheblich seltener als Merkurtransite. Der letzte Durchgang der Venus vor der Sonne war zwar erst vor rund siebeneinhalb Jahren zu sehen - den nächsten wird es allerdings erst wieder im Jahr 2117 geben. Merkurdurchgänge dagegen kommen 13 bis 14 Mal pro Jahrhundert vor.

Der von Kratern übersäte Merkur ist bislang deutlich weniger erforscht als beispielsweise der Mars. Das könnte sich ändern, wenn die 2018 gestartete europäisch-japanische Forschungsmission BepiColombo den sonnennächsten Planeten 2025 erreicht.

Mit einem Durchmesser von 4880 Kilometern ist Merkur im Mittel nur knapp 58 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt - zum Vergleich: Der Abstand zwischen Erde und Sonne beträgt 150 Millionen Kilometer.

Von der Erde ist Merkur schwieriger und seltener zu beobachten als alle anderen Planeten unseres Sonnensystems, weil er sich stets in der Nähe der Sonne befindet. So soll der berühmte Astronom Nikolaus Kopernikus einer gern zitierten Legende zufolge 1543 auf dem Sterbebett bedauert haben, dass ihm nie ein Blick auf Merkur vergönnt gewesen sei.