Wer als Kind mit Migrationshintergrund schon ab der Geburt einen deutschen Pass hat, hat später höhere Bildungschancen. Kinder, die nach der Staatsbürgerschaftsreform von 1999 geboren wurden, besuchten demnach häufiger einen Kindergarten, wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des ifo-Instituts hervorgeht.

"Ihre Deutschkenntnisse und ihre sozioemotionale Entwicklung verbesserten sich schon vor der Grundschule", erklärte Helmut Rainer, Leiter des ifo-Zentrums für Arbeitsmarkt- und Bevölkerungsökonomik. Kinder mit Migrationshintergrund, die direkt nach der Reform geboren wurden, seien früher eingeschult worden und hätten seltener eine Klasse wiederholen müssen.

Demnach erhielten nach der Reform Geborene häufiger eine Empfehlung für das Gymnasium. Die automatische Erlangung der deutschen Staatsbürgerschaft habe dazu beigetragen, die Kluft zwischen Kindern mit und ohne Migrationshintergrund zu verringern, erklärte Rainer. Die Reform habe für Eltern mit Migrationshintergrund Anreize gesetzt, "verstärkt in das Humankapital ihrer Kinder zu investieren". Langfristig hätten sich die Karrierechancen der Kinder durch den Besitz eines deutschen Passes verbessert.

Seit dem 1. Januar 2000 erhalten Kinder ausländischer Eltern mit der Geburt automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft. Es gilt das sogenannte Geburtsortsprinzip. Davor waren Kinder nach dem sogenannten Abstammungsprinzip nur dann deutsche Staatsbürger geworden, wenn mindestens ein Elternteil die deutsche Staatsbürgerschaft besaß. Jeder vierte Mensch in Deutschland hat einen Migrationshintergrund.