Herzstillstand: Erfolgreich reanimiert – nur was kommt danach?

22.05.18

University of LuxembourgDiesen Artikel drucken

Eine luxemburgische Studie zeigt, dass die Kommunikation zwischen Gehirn und Körper Hinweise auf die Überlebenschance nach einem Herzstillstand liefern.

Während die kontinuierliche Interaktion zwischen Herz und Gehirn bekanntermaßen die allgemeinen Körperfunktionen sicherstellt, bietet die neue Studie erstmals empirische Daten, die nachweisen, dass ein Indikator solcher Interaktion dazu genutzt werden kann, um die Überlebenswahrscheinlichkeit von Patienten vorherzusagen. 

Ein Herzstillstand geht mit einer hohen Sterblichkeitsrate einher. Auch nach erfolgreicher Reanimation unter Wiederherstellung der Blutzirkulation überleben nur etwa 50 Prozent der Patienten einen Herzstillstand. Die häufigsten Todesursachen nach einem Herzstillstand sind eine Hirnschädigung und irreversible Schäden am Herzen. „Die hohen Mortalitätsraten von Menschen, die einen Herzstillstand erleiden, zeigen, dass es zwingend zuverlässiger Indikatoren für die Überlebenschancen bedarf, zwecks weiterer Untersuchungen und Unterstützung des medizinischen Personals“, erläutert Dr. André Schulz, Psychologe an der Universität Luxemburg. 

Indikator verwendet, der auf Hirnströmen basiert

Zwischen Gehirn und Herz findet eine kontinuierliche Kommunikation statt. Vom Herzen aufsteigende Informationen werden zur Steuerung des kardiovaskulären Systems benötigt, um verschiedene Anforderungen bewältigen zu können. Wird diese Kommunikation unterbrochen, ist die Steuerung des kardiovaskulären Systems gestört und das kann zu kardiovaskulären Erkrankungen wie Bluthochdruck oder einer Beeinträchtigung der Herzfunktion führen. Aufsteigende neuronale Informationen vom Herzen werden im Gehirn repräsentiert. 

Diese Repräsentation im Gehirn wird durch Herzschlag-evozierte Potenziale (HEPs) erfasst. Bei einer Unterbrechung der Kommunikation zwischen Herz und Gehirn sind solche HEPs bedeutend schwächer.

„Die Nervenübertragung zwischen Herz und Gehirn lässt sich am lebenden Organismus nur sehr schwer ermitteln, da dies nur mittels stark invasiver Verfahren durchgeführt werden kann“, erklärt André Schulz. „Wir haben daher einen Indikator verwendet, der auf Hirnströmen basiert, mit dem sich eine Beobachtung auf einfache und nicht-invasive Weise durchführen lässt, da Patienten sogar in einem bewusstlosen Zustand Informationen verarbeiten.“

Adäquate Gehirn-Herz-Kommunikation für kardiovaskuläre Gesundheit sehr wichtig

Im Rahmen der Studie wurden die HEPs an 55 sedierten Patienten ermittelt, die ca. 24 Stunden zuvor einen Herzstillstand erlitten hatten, um das Verhältnis zwischen deren Amplitude und der Überlebensrate nach sechs Monaten herauszufinden. Die Patientengruppe, die die ersten sechs Monate nach einem Herzstillstand überlebt hat, wies nach einer Wiederherstellung der Kreislauffunktion einen sehr viel höheren HEP-Wert auf als die Patienten, die innerhalb des ersten halben Jahres verstarben. Diese wichtige Erkenntnis illustriert, dass es zur Gewährleistung der kardiovaskulären Gesundheit einer adäquaten Gehirn-Herz-Kommunikation (d. h. einer kardialen Interozeption) bedarf.

In naher Zukunft können demnach HEPs als prognostische Indikatoren für die Überlebensrate nach einem Herzstillstand verwendet werden. Die an der Studie beteiligten Forscher André Schulz, Angelika Dierolf, Claus Vögele (Universität Luxemburg), Pascal Stammet (Nationaler Rettungsdienst), Stefan Beyenburg, Christophe Werer (Centre Hospitalier de Luxembourg) und Yvan Devaux (Luxembourg Institute of Health) planen, diese Forschungslinie weiter zu verfolgen. Die Studie wurde unlängst in der renommierten Fachzeitschrift „Resuscitation“ veröffentlicht.

Autor: Universität Luxemburg
Illustration: iStock

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