Bioplastik herstellen

14.01.17

FNRDiesen Artikel drucken

Mit Stärkepulver, Essig und etwas Glyzerin kannst du dir kompostierbaren Kunststoff „kochen“ und damit z.B. eine Schale formen.

Durchführung

Achtung: Experiment von einem Erwachsenen überwachen lassen! (siehe Abschnitt Gefahrenhinweis).

Gib 1 Esslöffel Stärke und 1 Teelöffel Essig zu 4 Esslöffeln Wasser in einem Kochtopf. Dazu kommt noch 1 Teelöffel Glycerin. Das Glycerin bekommst du in einer Apotheke. Wenn du mehr Bioplastik herstellen willst, kannst du die Mengenangaben verdoppeln, verdreifachen, etc..

Verrühre das Gemisch gründlich mit einem Schneebesen und  erhitze es bei mittlerer Hitze. Dabei auf jeden Fall ständig weiterrühren. Nach ein paar Minuten wird das Gemisch zäher, Du musst du dann den Schneebesen gegen einen Kochlöffel austauschen um weiter rühren zu können. Nach spätestens 10 Minuten hast du eine klebrige und glasige Substanz in deinem Kochtopf. Die kannst du dann auf einem Backblech oder einer anderen geeigneten Unterlage verstreichen. Jetzt mindestens 24 Stunden lang warten, damit das Bioplastik trocknet. Dann kannst du es vom Backblech  abziehen. Das Bioplastik lässt sich gut zurechtschneiden falls du etwas daraus basteln willst.

Wenn du Gegenstände herstellen willst, kannst du das noch weiche Bioplastik in Stoff einreiben. Prüfe aber zuerst, ob das Bioplastik nicht mehr zu heiß ist, damit du dich nicht verbrennst! Diesen mit Bioplastik getränkten Stoff kannst du dann zum Beispiel auf eine umgedrehte Schüssel legen und glattreiben. Dann wieder mindestens 24 Stunden warten, bevor du den getrockneten Bioplastik-Stoff wieder abziehst. So kannst du zum Beispiel Schälchen aus Bioplastik-Stoff herstellen. Im Video siehst du ein Beispiel, aber lass deinem Erfindungsgeist freien Lauf!

 

 

Prinzip

Die Stärke, die in diesem Experiment als Rohstoff dient, besteht aus sehr langen Molekülketten, von denen viele verzweigt sind. Um daraus Bioplastik herstellen zu können, muss die Stärke mit Essig aufgekocht werden. Dabei findet eine chemische Reaktion statt, bei der die Seitenzweige „abgeschnitten“ werden. Das Ergebnis sind dann lange Stärke-Molekülketten, die man sich wie gekochte Spaghetti vorstellen kann. Die Wirkung der dritten Zutat, des Glyzerins, kann man sich gut mit diesem „Spaghetti-Modell“ erklären: lange, feuchte Spaghetti kleben aneinander und verhaken sich. Übertragen auf den Biokunststoff würde er nach dem Trocknen starr und deshalb leicht zerbrechlich sein. Das ölige Glyzerin dient als „Schmiermittel“, die Spaghetti beziehungsweise die langen Stärkemoleküle können aneinander vorbei gleiten. Der Biokunststoff wird weicher und bleibt biegsam, auch wenn er fertig getrocknet ist.  Das ist der Grund, warum du mit mehr oder weniger Glyzerin steuern kannst, ob dein Biokunststoff härter oder weicher wird. Probiere das am besten aus! Falls du kein Glyzerin zur Hand hast, kannst du es durch Speiseöl ersetzen. Es funktioniert damit aber leider nicht ganz so gut.

Industrielles Bioplastik wird nach ähnlichen Prinzipien in ausgefeilteren Verfahren hergestellt. Dabei dient sehr oft auch Pflanzenstärke als Rohstoff. Bioplastik wird in immer mehr Bereichen eingesetzt:  Verpackungsmaterial, Tüten, Wegwerfgeschirr, Folien in der Landwirtschaft oder Nähgarn für chirurgische Nähte sind nur ein paar Beispiele für das, was alles daraus hergestellt werden kann!

Gefahrenhinweis

Das heiße Bioplastik ist klebrig. Passe auf, dass du dich damit nicht verbrennst und führe den Versuch zusammen mit einem Erwachsenen durch!

Tipps
  • Statt Glyzerin kannst du auch Speiseöl nehmen. Es funktioniert damit aber nicht ganz so gut.
  • Je mehr Glyzerin du nimmst, umso weicher wird dein Bioplastik, je weniger, umso härter aber auch zerbrechlicher.
  • Wenn du farbiges Bioplastik herstellen willst, kannst du Farbe dazu geben. Lebensmittelfarbe eignet sich gut dafür, probiere aber ruhig auch andere Farbstoffe aus!
  • Falls du die Mengenangaben in Milliliter umrechnen willst, so entspricht ein Esslöffel  15 ml und 1 Teelöffel 5ml.
  • Aus dem „Bioplastik-Stoff“ kannst du auch Portemonnaies nähen oder Hütchen oder andere Verkleidungsgegenstände für Karneval herstellen. Lass deiner Kreativität freien Lauf! Nur auf eines achten: der „Bioplastik-Stoff ist nicht wasserfest!

Autor: Ingo Knopf/scienceRELATIONS
Video: Ingo Knopf

Auch in dieser Rubrik

Trockeneisexperimente - Schaumsäule aus Wasser mit Spühlmittel

20.04.18 Wasser, Spülmittel, Trockeneis: Es brodelt und bildet sich ein Turm aus Seifenblasen der sich stetig über den Becherrand hinweg ausbreitet... > Ganzen Artikel lesen

Luftballonexperimente - Luftballon-Nagelbrett

12.01.18 Nägel sind Einzelkämpfer – in der Gruppe sind sie schwach. Probier es einfach selber. > Ganzen Artikel lesen

Erzeuge schwebende Phantombilder über deinem Smartphone

29.12.17 Mit Hilfe von ein bisschen Plastikfolie kann man jeden Bildschirm in wenigen Minuten in einen 3D Projektor verwandeln. Wir erklären auch wie es funktioniert. > Ganzen Artikel lesen

Weihnachtsexperiment: Erzeuge Feuerbälle mit einer Orange

24.12.17 Orangenschalen enthalten einen brennbaren Stoff. > Ganzen Artikel lesen

Luftballonexperimente: Der Luftballonspieß

25.11.17 Das Spiel mit der Angst macht die Faszination aus. > Ganzen Artikel lesen

Infobox

Material

  • Wasser
  • Speisestärke
  • Essig
  • Glyzerin (100ml kosten um die 3 Euro)
  • Kochtopf
  • Kochplatte
  • Schneebesen
  • Kochlöffel
  • Backblech oder andere Unterlage für heiße und feuchte Bioplastikmasse

Zusätzliches Material, um eine Schale o.ä. herzustellen:

  • Stück Stoff
  • Schüssel, Schale o.ä. als Form
  • Schere

Schwierigkeitsgrad

Zeit


Verwandte Themen